Aachen: Alle Gymnasien kehren zu G9 zurück

Rückkehr zu G9 : Kein Turbo-Abi mehr an Aachens Gymnasien

Angekündigt war es schon lange, jetzt ist es offiziell: Aachens Gymnasien werden geschlossen zum Abitur nach neun Jahren zurückkehren.

Einen Antrag darauf, ihre Schülerschaft weiterhin in acht Jahren zur allgemeinen Hochschulreife zu führen, hat keine Schule gestellt, wie eine Abfrage unserer Zeitung ergab. Spätestens bis Ende Januar müssen sich die Gymnasien nach der Leitentscheidung der schwarz-gelben Landesregierung entscheiden, ob sie doch am „Turbo-Abi“ festhalten wollen. Die Hürden dafür sind allerdings hoch, entsprechende Vorbereitungen müssten bereits jetzt getroffen werden. Denn Voraussetzung dafür ist an staatlichen Schulen eine Mehrheit von mehr als zwei Dritteln der Mitglieder der Schulkonferenz. Diese besteht zu gleichen Teilen aus Schülern, Lehrern und Eltern. Dass dieses Gremium am Geschwister-Scholl-Gymnasium für G8 und damit für den Sonderfall plädieren könnte, stand laut Schulleiter Jan-Dirk Zimmermann „völlig außerhalb der Diskussion“. Für die bunt gemischte Klientel an der Stolberger Straße sei ein zusätzliches Schuljahr enorm wichtig. Deshalb habe die Schulkonferenz vor den Sommerferien sogar den aktiven Beschluss gefasst, dass man zu G9 zurückkehren wolle – obwohl das überhaupt nicht nötig gewesen wäre. Nur wenn eine Schule nicht der Leitentscheidung der Landesregierung folgen und an G8 festhalten will, muss ein entsprechender Beschluss her. In allen anderen Fällen folgt automatisch die Rückkehr zu G9. Am Couven-Gymnasium sei das Thema G8 oder G9, so berichtet Schulleiter Michael Göbbels, in der Sitzung der Schulkonferenz Anfang November deshalb gar nicht erst auf der Tagesordnung gelandet. Auch dort habe außer Frage gestanden, dass man zu G9 zurückkehren werde.

Auch die drei privaten Gymnasien – Viktoriaschule, Pius-Gymnasium und St. Ursula – werden beim Weg zum Abitur mit ihren Schülern keinen Sonderweg gehen. „Wir kehren definitiv zu G9 zurück“, betont Patrick Biemans, Schulleiter des Mädchengymnasiums St. Ursula. Der Schulträger, die Schulstiftung St. Ursula, habe dafür bereits früh sein Votum abgegeben.

Abschluss nach neun Jahren in 2027

Damit haben die Viertklässler, die sich in den kommenden Wochen an den weiterführenden Schulen anmelden, Gewissheit, wie viel Zeit sie – im Regelfall zumindest – bis zum Abitur an ihrer Wunschschule verbringen werden. Die Umstellung zu G9 startet im Schuljahr 2019/20 mit den Fünft- und Sechstklässlern. Der erste reguläre G9-Jahrgang macht dann 2027 Abitur.

Bereits jetzt werde an der Viktoriaschule intensiv über die vorläufige Stundentafel diskutiert, teilt Leiter Axel Schneider mit. Die Stundentafel wird vom Schulministerium vorgegeben und legt die Verteilung der Wochenstunden auf die einzelnen Fächer fest. Weil an der Warmweiherstraße eine Unterrichtsstunde 60 statt 45 Minuten lang ist, sei das in diesem Fall etwas komplizierter.

Kompliziert dürfte auch die Suche der Stadt nach Räumen für die zusätzlichen Schüler werden. Die Verwaltung kalkuliert mit 30 zusätzlichen Klassen, die allein an städtischen Gymnasien eingerichtet werden müssen. Ob dieser zusätzliche Raumbedarf dann in den Bestandsgebäuden aufgefangen werden kann, ist noch nicht abzusehen. Denn während es mit der Umstellung von G9 auf G8 einen doppelten Abiturjahrgang gab, werden im Umkehrschluss zum Ende des Schuljahres 2025/26 keine Abiturienten das Gymnasium verlassen. Unterrichtet werden müssen sie aber natürlich trotzdem.

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