Aachen: Aktion "Stricken gegen die Kälte" geht in die neunte Runde

Sammeltag am 14. März : Strickcafé hofft auf viele Wollspenden

Mehr als 180 Kilo fertige Stricksachen aus der Aktion „Stricken gegen die Kälte“ konnten bereits in die Türkei geschickt werden. Jetzt geht das Aachener Strickcafé in die neunte Runde und ruft erneut einen Wollsammeltag aus.

Seit Jahren schon trifft sich ein Kreis von Frauen im Eine-Welt-Haus, um Flüchtlinge in aller Welt zu bestricken. Angefangen hat alles mit einer jungen Flüchtlingsfrau, die die notleidende Menschen in ihrer Heimat mit Strickwaren versorgte. Als ihr die Wolle ausging, wandte sie sich mit der Bitte um Unterstützung an Ingeborg Heck-Böckler, Amnesty International, und so entstand unter dem Motto „Stricken gegen die Kälte“ eine Aktion, die nach wie vor im Rahmen der Aachener Save-me-Kampagne weite Kreise zieht. Auch der Katholikenrat und die Citykirche kooperieren. In der Citykirche findet am Donnerstag, 14. März, von 10 bis 17 Uhr, die neunte Wollsammelaktion statt.

Und die ist laut Ingeborg Heck-Böckler jedes Mal so etwas wie ein Großereignis. Strickcafés aus den benachbarten Niederlanden und Belgien bringen ihre fertigen Strickwaren vorbei und nehmen Wollreste mit, aus denen sie dann wieder Pullover. Mützen, Schals und Handschuhe stricken. Und im Laufe das Tages wird der Berg gespendeter Wollle immer größer, so Heck-Böckler. „Auch diesmal sollen die Strickwaren dann zwei Projekten in der Türkei zugute kommen“, sagt sie, denn man wolle das Augenmerk erneut auf die dortigen Menschenrechtsverletzungen richten. Und auf den „Flüchtling-Deal“, den die EU vor drei Jahren mit der Türkei geschlossen hat.

Unterstützt wird in der Türkei zum einen ein Verein, der seit einigen Jahren sozial benachteiligten Frauen hilft und ein Armenviertel in den Fokus nimmt. Und obwohl der Verein laut Heck-Böckler unter starken staatlichen Repressionen zu leiden hat, ist auch hier ein Strickcafé entstanden, das nun von den Wollspenden aus Aachen profitieren soll. Das zweite Projekt hat sich vor allem das Thema häusliche Gewalt konzentriert.

Neben den Flüchtlingen werden in beiden Projekten sozial benachteiligte Menschen unterstützt. Und auch diesmal wieder hoffen die Akteure in Aachen auf großzügige Wollspenden. Dass als Sammelpunkt die Citykirche zur Verfügung steht, freut Heck-Böckler ganz besonders. Und Timotheus Eller, verantwortlich für die Citykirche, ist gerade auch daran gelegen, Menschen zusammenzubringen und einen Austausch zu ermöglichen. „Am Wollsammeltag wird es auch eine Ausstellung zum Thema Kinderrechte geben“, sagt er, und so würden Menschen in Begegnung gebracht, die sonst vielleicht nicht zusammenkämen.

Ein kleiner Imbiss lädt außerdem dazu ein, sich über das Strickcafé, die politische Lage in der Türkei und die dortigen Hilfsprojekte zu informieren. Martin Pier, Katholikenrat, verweist zudem auf die gute Vernetzung, die solchen Aktionen der Save-me-Kampagne immer wieder zum Erfolg verhelfen. Und das Strickcafé selbst ist laut Heck-Böckler für viele Frauen ein Ort, an dem sie ihre Traumata überwinden können. „Viele geflüchtete Frauen haben ein schlechtes Gewissen gegenüber denen, die sie im Hexenkessel zurückgelassen haben“, sagt sie. Das Stricken und die Gewissheit, dass die wärmenden Wollsachen tatsächlich ankommen, sei ihnen ein großer Trost.

Und so ist die Freude jedes Mal riesig, wenn in Aachen Fotos ankommen, die Menschen im Iran, Irak oder in der Türkei zeigen, die Stricksachen „made in Aachen“ tragen. „Wenn die Frauen aus dem Strickcafé dann sehen, dass sie den Menschen in Not tatsächlich so viel Freude bereiten können, dann macht sie das sehr glücklich“, sagt Heck-Böckler.

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