Aachen: Aachen AG will der Stadt unter die Arme greifen

Aachen: Aachen AG will der Stadt unter die Arme greifen

Schon jetzt stehen mehr als 200 Ladenlokale in der Innenstadt leer, der Handel hat zu kämpfen, Visionen für die Innenstadt werden zwar hier und da mal auf unterschiedlichen Ebenen angesprochen, konkrete Pläne gibt es aber nicht. Lediglich das Großprojekt Aquis Plaza hat Fahrt aufgenommen.

Das am Kaiserplatz angesiedelte Einkaufscenter, ehemals als Kaiserplatz-Galerie bezeichnet, wird ab Frühjahr 2016 auf einer Verkaufsfläche von insgesamt 29.200 Quadratmetern zuzüglich Dienstleistungs- und Gastronomieflächen etwa 130 Shops bieten. Damit werden aber Probleme in andere Innenstadtbereiche verlagert. Diese Veränderung der innerstädtischen Einzelhandelslandschaft könnte nicht nur die Zahl der Leerstände in Einzelhandel und Gastronomie weiter in die Höhe treiben, sie könnte sogar eine Verödung ganzer Straßenzüge nach sich ziehen

Kurzum, die Stadt steht vor großen Herausforderungen. Deshalb will die Initiative Aachen — ein Zusammenschluss von Fachleuten aus Einzelhandel, Stadt- und Verkehrsplanung, Finanzen, Marketing, Einzelhandelsverband Immobilienwirtschaft sowie Märkte- und Aktionskreis City — die Vielzahl der Akteure und deren Interessen bündeln in einer Aktiengesellschaft, der Aachen AG.

„Es hat schon Gespräche mit dem Oberbürgermeister, der Verwaltung und den Fraktionen gegeben“, erklärt Andre Trebschuh, Geschäftsführerin der Initiative Aachen. Großinvestoren wie Norbert Hermanns und Gerd Sauren zählen ebenso zu dem Interessentenkreis wie Einzelhändler, Vertreter der Galeria Kaufhof und der unterschiedlichen Interessengemeinschaften der Einkaufsstraßen.

Mit betroffenen und potenten Akteuren will die geplante Aachen AG sich dieser abzeichnenden negativen Entwicklung der Innenstadt entgegenstemmen. Dazu müsse, so Trebschuh, „die Attraktivität der Innenstadt gesteigert werden — für Bürger und Besucher gleichermaßen“. Dies beginne mit der Entwicklung einer optimalen Erreichbarkeit der Innenstadt für alle Verkehrsarten und ende mit interessanten kulturellen sowie gastronomischen Angeboten. „Ziel ist die Steigerung des Wohlfühl- und Erlebnisfaktors in der ganzen Innenstadt für Aachener Bürger und Besucher der Stadt, die verstärkt angezogen werden müssen“, sagt Trebschuh.

Um dies zu erreichen bedürfe es enormer Anstrengungen, die nur in enger Zusammenarbeit von Handel, Immobilienwirtschaft, Verkehrsbetrieben, Kulturwirtschaft, Tourismus, Gastronomie, Stadtverwaltung und Politik erreicht werden könnten. Auch Verbände, Kammern und Vereine, seien dabei wichtige Partner.

Der finanzielle Grundstock für die AG sei gelegt. Ziel sei es, einen siebenstelligen Betrag zu akquirieren, im Frühjahr soll die Gründung erfolgen. Dann soll ein professionelles Management die verschiedenen unternehmerischen Sichtweisen, Interessen und Kompetenzen bündeln und so die Stadt bei unterschiedlichen Projekten unterstützen. Dieses aus Fachleuten bestehende Management soll nicht nur ständiger Ansprechpartner, Kommunikator und Organisator sein, sondern auch fachlicher Berater sein. „Das letzte Wort hat immer der Rat der Stadt Aachen“, betont Trebschuh.

„Wir wollen groß denken wie andere Städte“, nennt die Geschäftsführerin der Initiative Aachen Ideen von einem überdachten Damengraben oder auch einer überdachten Adalbertstraße.

Aachen AG bedeute, so Trebschuh, „Professionalisierung von bürgerschaftlichem Engagement zur Standortentwicklung der Aachener Innenstadt, denn im Wettbewerb der Standorte muss Aachen seine Konkurrenzfähigkeit erhöhen“.