Aachen: ADFC erobert die Ringe unter dem Motto "Mehr Platz fürs Rad"

Verkehr in Aachen : Großer Kreisverkehr und ein brandgefährlicher toter Winkel

Ein Fahrradparadies ist Aachen sicherlich nicht. Immer wieder gibt es Unfälle und die Entwicklung von seperaten Routen geht nur zögerlich voran. Mit zwei Aktionen will der ADFC im Rahmen des „Ringradelns“ für mehr Fahrradfreundlichkeit in der Kaiserstadt werben.

Tücken und Chancen der Verkehrsentwicklung in Aachen standen in den vergangenen Tagen gleich bei zwei Aktionen im Mittelpunkt. Rund 100 Teilnehmer zählte der ADFC beim „Ringradeln“ über die Gräben am Mittwochabend. Auf die tödlichen Gefahren durch abbiegende Lkw und Busse machten Polizei, Verkehrswacht, Dekra und Stadt am Donnerstag vor dem Elisenbrunnen aufmerksam.

Okay, was von ganz, ganz oben kommt, lässt sich nur mit sehr, sehr langem Atem beeinflussen – wer wüsste es besser als gerade jene, die sich in besonderem Maße für die Umwelt engagieren? Just als die „Ringradler“ sich am Mittwochabend in die Sättel schwingen, klatschen die ersten dicken Tropfen aus dem Himmel über dem Talkessel auf den Elisenbrunnen nieder. Zum Glück geht der spätsommerlichen Regenfront in den nächsten rund 70 Minuten ziemlich flott die Puste aus – was man von den knapp 100 Teilnehmern zur Premiere der Aktionsreihe „#MehrPlatzFürsRad“ keinesfalls behaupten kann.

Lektion mit Spaßfaktor: Die neunjährige Hanna nahm bei der Aktion „Brummis im Blick“ gern mal hinterm Lkw-Steuer Platz, um die Perspektive zu wechseln. Sebastian Spindler von der Dekra präsentierte derweil den neuen Warn-Aufkleber „Fahr niemals rechts vorbei!“. Foto: Andreas Steindl

Denn die Situation auf dem sprichwörtlichen Boden der Tatsachen, nämlich dem Asphalt in der City, treibt die Aachener in jedem Sinne um. Die kann man nämlich durchaus beeinflussen. Das zeigt sich auch wenige Stunden später, wieder unter der Rotunde, diesmal bei der Aktion „Brummis im Blick“ von Polizei, Dekra, Stadt und Verkehrswacht am Donnerstagvormittag.

„Zum Start der bundesweiten Kampagne ,#Mehr Platz fürs Rad‘ wollen wir abermals zeigen, dass die Lösung gegen Staus, dicke Luft und auch drohende Fahrverbote vor allem in der Förderung des Radverkehrs liegt“, sagt Benedikt Haumer vom örtlichen Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), während die letzten von insgesamt 24 sogenannten Schwimmnudeln an die Gepäckträger geklemmt werden. Diesmal sollen die kunterbunten Schaumstoffschläuche freilich nicht beim fröhlichen Planschen zum Einsatz kommen, sondern das optimale „Mitschwimmen“ auf den Radwegen des inneren Grabenrings gewährleisten. Die 1,60 langen „Nudeln“ eignen sich nämlich auch bestens, um den vorgeschriebenen Mindestabstand für Autofahrer plastisch zu demonstrieren.

Immerhin fünf Mal umrunden die Radler deshalb am Mittwochabend den Stadtkern, um „gutes Radfahren sichtbar und erlebbar zu machen“, wie Haumer das formuliert. Gerade der Grabenring spiele dabei fraglos eine wichtige Rolle. „Wir fordern, dass er schnellstmöglich als Verteiler für die geplanten Radvorrangrouten umgebaut wird.“

Flankiert von reichlich Polizeifahrzeugen – und begleitet von poppigen, rockigen und rollenden Klängen aus dem Ghettoblaster – startet die Drahtesel-Kolonne dabei mit erstaunlich flottem Tempo durch. Für die außerplanmäßige grüne Welle sorgen diesmal die Einsatzkräfte in Blau. Folglich können die Blechmobile dem Pulk der Pedaltreter notgedrungen kaum auf den Fersen bleiben – was sich im Hinblick auf den „pädagogischen“ Ansatz der Aktion freilich auch kontraproduktiv auswirkt. Zumal die Radler im Pulk unterwegs sind, so dass die langen Schwimmnudeln zuweilen kleinere Hakeleien verursachen, die zum Glück keine Stürze zur Folge haben.

Am Ende kann Haumer eine zufriedene Bilanz ziehen; die meisten Teilnehmer sind auch in der fünften, etwas anderen Etappe rund um Dom und Rathaus bei der (Fahrrad)Stange geblieben. Fortsetzung folgt: Die zweite Kundgebung im Rahmen der aktuellen ADFC-Kampagne ist für Oktober geplant.

Und die nächste konzertierte Aktion zur effektiven Vermittlung der buchstäblich größten Gefahren auf den Straßen folgt am Donnerstag auf dem Fuße. Diesmal heißt die Devise am Elisenbrunnen „Brummis im Blick“. Einmal wollen Polizei, Verkehrswacht, Vertreter der zuständigen städtischen Ämter sowie der Dekra gerade bei den Jüngsten das Bewusstsein für die enormen Gefahren schärfen, die der berühmt-berüchtigte tote Winkel vor allem beim Rechtsabbiegen von Lkw für Radfahrer und Fußgänger mit sich bringt.

Die Viertklässler der Grundschule am Fischmarkt klettern begeistert auf den „Bock“ des riesigen Sattelschleppers neben der Rotunde. Die besten Einsichten lassen sich eben gewinnen, wenn man mal die Perspektive wechselt. Allein fünf bis sechs Spiegel müssen Lkw-Fahrer zum Beispiel praktisch permanent im Visier haben. Da kann es schnell passieren, dass ein rasanter Radler oder ein unauffälliger Passant unbemerkt bleibt, erklärt Sebastian Spindler, Unfall-Experte von der Dekra.

Die Botschaft ist klar: „Trotz vielfältiger neuer technischer Möglichkeiten, die in modernen Fahrzeugen installiert werden, sollte man unbedingt vermeiden, sich einem Lkw oder Bus von rechts zu nähern.“ Deshalb bietet die Dekra jetzt großformatige Aufkleber für schwere Gefährte an mit der eindringlichen Botschaft: „Fahr niemals rechts vorbei!“ Denn tödliche Unfälle sind bekanntlich immer wieder die Folge – so wie im April 2017 am Hansemannplatz, im Februar dieses Jahres auf der Vaalser Straße, im Juni auf der Hüls. Und angesichts des weiter wachsenden Blechverkehrs leider auch immer öfter (siehe Info).

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