Aachen: ABK-Neustart kämpft für Haftentlassene

ABK-Neustart appelliert an Vermieter : Nach der Haft wird die Suche nach einer Wohnung schwieriger denn je

Die angespannte Wohnungsmarktsituation führt dazu, dass es auch für Haftentlassene immer schwieriger wird, eine Wohnung zu finden und sich so wieder in das gesellschaftliche Leben einzugliedern. Wer wüsste es – abgesehen von den unmittelbar Betroffenen – besser als die Experten der Straffälligenhilfe beim ABK-Neustart?

Fachbereichsleiter Martin Czarnojan und seine Kolleginnen Catrin Brust und Claudia Brötsch kennzeichneten jetzt die besonderen Auswirkungen des Problems auf die Arbeit mit Haftentlassenen. Ebenso wurde das Engagement von Ehrenamtlichen thematisiert.

Die Beratungsstelle bereitet Inhaftierte auf ihre Entlassung vor und unterstützt Ex-Häftlinge bei der Wohnungssuche. „Das Problem der Wohnungsnot allgemein verschärft natürlich auch die Situation für unsere Arbeit“, so Martin Czarnojan. Denn auch wenn die Beratungsstelle als Ansprechpartner und oft auch als Geldverwalter für die entlassenen Klienten fungiert, stellen viele Vermieter Bedingungen für die Anmietung ihres Wohnraums, die Haftentlassene oft nicht erfüllen können.

Trotz der guten Vernetzung der Beratungsstelle können keine Wohnungen herbeigezaubert werden. Zwar bietet der ABK-Neustart auch Übergangswohnraum an, doch auch hier kann der Bedarf nicht gedeckt werden. Bei Haftstrafen, die länger als sechs Monate dauern, gebe es zudem nicht die Möglichkeit, einen Antrag auf Mietvorschuss zu stellen, wodurch die Entlassenen erst einmal wohnungslos werden, erklärte Czarnojan. So sieht sich die Beratungsstelle teilweise gezwungen, Klienten an Obdachlosenheime weiterzuleiten. Wenn die Menschen nicht unterkommen, macht sich dies wiederum auch im öffentlichen Stadtbild bemerkbar. Martin Czarnojan hofft, dass die Betreuung durch die Beratungsstelle die Hemmschwelle für Wohnungseigentümer mindert, ihren Wohnraum an Haftentlassene zu vermieten.

Die Initiative ABK-Neustart stellt Angebote für Inhaftierte, Haftentlassene und von Haft bedrohte Menschen sowie deren Angehörige bereit. Sie wurde im Januar 2018 nach der Insolvenz der Straffälligenhilfe gegründet, um deren Aufgaben weiterzuführen. Was geblieben ist, sind die Räume im Haus in der Königstraße 1b, die der Arbeitskreis Straffälligenhilfe e.V. weiterhin für die Beratungsarbeit und das Angebot des betreuten Wohnens stellt, sowie die Mitarbeiter. So konnte das breitgefächerte Angebot der Beratungsstelle lückenlos weiterlaufen. Hierzu gehören unter anderem offene Sprechstunden sowie eine wöchentliche Sprechstunde für Inhaftierte in der Justizvollzugsanstalt, Gruppenangebote und Einzelbetreuungen in den Haftanstalten, die auch mit Hilfe von Ehrenamtlichen durchgeführt werden. Es gibt zum Beispiel Kurse zum Thema Schuldenprävention, aber auch Integrations- und Sprachkurse für Inhaftierte mit Migrationshintergrund. Nach der Entlassung können Suchtkranke oder Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeit das Angebot des betreuten Wohnens in angemieteten Wohnungen des ABK-Neustart wahrnehmen. Im letzten Jahr wurden 280 Personen betreut oder beraten. Bei 168 davon ging es um intensive Entlassungsvorbereitungen, berichtet Claudia Brötsch. Außerdem bietet die Beratungsstelle eine psychosoziale Prozessbegleitung für Opfer an.

Momentan sind circa 100 ehrenamtliche Mitarbeiter beim ABK-Neustart tätig. Ihr Einsatz konzentriert sich vor allem auf die Entlassungsvorbereitung. Hierzu bekommen die Engagierten vorab Schulungen und Fortbildungen, berichtet Sozialarbeiterin Catrin Brust. Um die zahlreichen Aufgaben zu bewältigen, ist die Initiative auf eine kontinuierliche Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen. Aufgrund einer gewissen Fluktuation wäre es laut Catrin Brust erstrebenswert, wenn jährlich sieben oder acht neue Menschen dazukämen, die sich engagieren möchten.

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