Aachen: Abenteuerspielplatz hat seit Jahren Geldsorgen

Kinderschutzbund beantragt höhere Zuschüsse : Finanzierung wird zum Abenteuer

Der Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“ ist in Aachen einmalig. Hier können Kinder mit vielerlei Material selbst kreativ werden. Allerdings kämpft der Träger der Anlage, der Aachener Kinderschutzbund, seit Jahren um eine auskömmliche Finanzierung. Bei der Stadt hat er eine Erhöhung der Zuschüsse beantragt.

„Wir sagen nie Nein“, erklärt Miriam Hartmann. Sie leitet den Abenteuerspielplatz „Zum Kirschbäumchen“, dieses riesige, 10.000 Quadratmeter große Areal im Aachener Norden, wo Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren spielen, bauen, toben und – klar – Abenteuer erleben können. Am Dienstag führte Hartmann die Mitglieder des städtischen Kinder- und Jugendausschusses über den Spielplatz in Trägerschaft des Kinderschutzbunds.

Nicht Nein sagte das Team zum Beispiel, als eine Dachdeckerfirma eine ganze Ladung Styroporklötze für den Spielplatz spendieren wollte. Das war eine gute Entscheidung, denn die Blöcke aus Schaumkunststoff haben längst eine Verwendung gefunden: Kinder haben sie auf dem Platz angemalt und daraus eine Ritterburg gebaut. Auch mit der Ladung gespendeter Pflastersteine konnten sie etwas anfangen oder mit den Bergen an Bauholz.

Der Abenteuerspielplatz hat viele treue Spender und Unterstützer. Das ist schön, zeigt aber auf der anderen Seite auch das Problem, mit dem sich der Träger seit Jahren konfrontiert sieht: Dem Abenteuerspielplatz laufen die Kosten davon. Ohne Spenden und Stiftungsmittel wäre der Betrieb nicht einmal mehr einigermaßen in gewohntem Umfang aufrechtzuerhalten.

Im vergangenen Jahr war der Platz an 228 Tagen geöffnet, im Schnitt kamen pro Tag mehr als 50 Kinder. „Das hier ist ein Angebot, das Kinder sonst nirgendwo in Aachen haben“, sagt Hartmann. „Hier lebt die analoge Welt.“ Entdecker und Erbauer können sich auf dem Gelände austoben. Irgendwo wird immer gefrickelt und gebastelt.

Die Stadt Aachen unterstützt den Abenteuerspielplatz mit gut 88.000 Euro im Jahr. Das Defizit aufgrund von steigenden Personal- und Betriebskosten konnte in diesem und im vergangenen Jahr mit städtischen Stiftungsmitteln zwar noch einigermaßen ausgeglichen werden, dennoch sah sich der Kinderschutzbund Anfang des Jahres gezwungen, den betreuten Kleinkinderbereich zu schließen. Auch die eine oder andere Veranstaltung, zum Beispiel das Lichterfest, wird es aus Kostengründen nicht mehr geben. „Das ist für uns sehr traurig“, betont Hartmann. Erstmals war der Spielplatz in diesem Jahr auch im Januar komplett geschlossen. Um den weiteren Betrieb des Abenteuerspielplatzes zu sichern, hat der Kinderschutzbund bei der Stadt einen einmaligen Zuschuss von 41.000 Euro und eine Erhöhung der jährlichen Unterstützung um 3,5 Prozent beantragt.

Die Jugendpolitiker, die sich sehr interessiert zwischen Pfeil-und-Bogen-Anlage, Lehmbackofen, Skulpturengarten und Hüttenbauplatz umschauten, versicherten dem Kinderschutzbund in der anschließenden Sitzung ihre Unterstützung. „Wir werden uns bei den Haushaltsberatungen um eine Verstetigung der Finanzierung bemühen“, erklärte etwa Patrick Deloie (SPD). „Dieses Angebot müssen wir nachhaltig sichern“, betonte auch Hilde Scheidt (Grüne).

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