Aachen: 30.000 fiebern beim Pokalhit gegen Leverkusen auf dem Tivoli

Alemannia Aachen : Pokalstimmung wie in besten Zeiten

Der Pokalhit gegen den Bundesligisten aus Leverkusen katapultierte am Samstag endlich wieder rund 30.000 Fans auf den Tivoli, ein Fest für alle, die die großartige Kulisse an der Krefelder Straße lange nicht mehr genossen hatten. Und alle, die in der Region schwarzgelb eingefärbt sind, kamen in langen Schlangen zum Spiel. Nostalgie machte sich breit, es war mal wieder „so wie früher“.

Das hatten auch die Fangruppierungen im sogenannten S-Bock auf dem Schirm. Mit einer imposanten Choreografie kurz vor Anpfiff erinnerten auch sie an beste Pokalzeiten der Alemannia mit einem Transparent, das über die komplette Stehtribüne gezogen war und auf dem der emotionale und holprig gereimte Satz „Sevilla bis Athen – Hab mit dir die ganze Welt gesehen – Lasst es nochmal geschehen!“ in  großen Lettern prangte.

Bereits ab mittags um 12 Uhr hatten sich Fangruppierungen auf dem Aachener Markt versammelt, um sich  in einem gemeinsamen Marsch durch die Innenstadt, an der Bastei vorbei und dann die Krefelder Straße hinunter in Richtung Tivoli zu begeben.

Alles lief reibungslos ab, die Polizei eskortierte die zwei- bis dreitausend Fans ohne Störungen bis hinunter zum Stadion. Zwischenfälle gab es dabei nicht, übrigens auch später nicht beim Abmarsch der Leverkusener Fans auf ihrem Weg zu den Zügen.

Tränen abgewischt: Die aktuelle Partie gegen Leverkusen – Aachen unterlag 1:4 gegen den Bundesligisten – sollte nicht wie frühere Topspiele gegen Bayern München oder gegen AEK Athen mit einem Alemannen-Sieg enden, trotz der Wahnsinnskulisse, die der Fanblock im S-Block inszeniert hatte. Einen Sieg haben die Fans auch nicht unbedingt erwartet. Sie wurden dennoch belohnt. Denn die Art und Weise, wie der Viertligist verlor, nötigte vermutlich allen auf den Rängen Respekt ab. Einen ganz besonderen Tag hatte die Vereinigung „Öcher Fans för Kenger“ mit Organisator Maciej Lukomski für rund 230 Heimkinder versprochen. Lukomski hielt Wort und verteilte mit seinen Helfern von seinem Stützpunkt vor dem Parkhaus aus die von Mitgliedern und Sponsoren zur Verfügung gestellten Eintrittskarten an die ausgelassenen Kinder. Die hatten so richtig Spaß und sahen vor großartiger Kulisse endlich einmal hautnah hochbezahlte Profis wie den erst 20-jährigen Kai Havertz oder seinen Nationalspieler-Kollegen Jonathan Tah.

Organisator Maciej Lukomski von der Vereinigung „Öcher Fans för Kenger“ verteilte vor dem Stadion die Freikarten. Foto: ZVA/Andreas Steindl

Lukomski selbst war richtig angetan von der Stimmung, freute sich rund eine Stunde vor Anpfiff über die gelungene Aktion: „Ich hab‘ jetzt noch ein paar Karten, die werde ich bestimmt noch los“, strahlte der Mann, der den Kindern garantiert einen unvergesslichen Tag beschert hat.

Unvergessen angesichts der seit 2015 nicht mehr dagewesenen imposanten Kulisse bleibt wohl ein erstaunliches Statement eines älteren Öcher Fans im ebenfalls aus allen Nähten platzenden „Klömpchensklub“, der Alemannia-Kneipe vor Ort. Befragt, ob es denn nicht schön sei, wieder vollbesetzte Ränge beim Traditionsverein zu erleben, antwortete er augenzwinkernd in typisch Öcher Manier: „Ach ja, weißte, beim Spiel gegen TuS Haltern im August, da wird es wieder so richtig familiär, das ist auch schön.“ Und wie als Beleg dafür wurde er mit zwei vollen Bieren in der Hand von hinten angerempelt, der Inhalt landete auf dem Boden.

Paul, Didi und Willi Kornowski sowie der fünfjährige Elias hatten Spaß. Mit in der munteren Runde saß Levenkusen-Fan Martin Krange (links) aus Hürth. Foto: ZVA/Andreas Steindl

Richtig zufrieden feierte eine Gruppe von drei Brüdern das Pokalfest am Tivoli. Paul, Didi und Willi Kornowski hatten den fünfjährigen Nachwuchs Elias im Schlepptau. „Den Kleinen haben wir bereits mit zwei oder drei Jahren bei der Alemannia angemeldet“, berichtetet Willi stolz und zeigte auf seine Brüder: „Das zusammen sind mindestens 50 Jahre Mitgliedschaft, wenn nicht mehr.“

Mit am Tisch saß einer, der eigentlich mehr Grund zum Feiern hatte, ein Fan der Leverkusener. Martin Krange kommt aus Hürth und drückte den Bundesligisten die Daumen, die in der Halbzeit etwas glücklich mit 2:0 führten. „Wir sind befreundet, bei uns gibt es keine Reibereien“, lachte der Mann vom Rhein. „Die Mannschaft hat unsere Erwartungen übertroffen“, resümierten die Alemannia-Fans Willi, Didi und Paul übereinstimmend positiv, und die muntere Runde freute sich auf die zweite Halbzeit.

Klömpchensklub-Betreiber Alois Poquett (Wabe) hatte vor dem Spiel gemeinsam mit Gaby Nobis, die für die Fanartikel verantwortlich zeichnet, der Presse das erst mittags eingetroffene aktuelle Pokaltrikot präsentiert. Im Stil ist es dem Dress der Erfolgself von 2004 nachempfunden. „Das können wir in der zweiten Runde gut gebrauchen!“, sagte Poquett augenzwinkernd. Am Ende wusste man definitiv: Da wird leider nichts draus.

Schwarzgelb unterwegs: Keine Vorkommnisse gab es beim Fanmarsch über die Krefelder Straße zum Tivoli. Foto: ZVA/Andreas Steindl
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