Aachen: 30 Feldhamster wurden im Frühjahr 2018 in Horbach ausgewildert

Nabu-Naturschutzstation meldet Erfolg : Mindestens zwei der Horbacher Feldhamster sind noch da

Der Feldhamster lebt. Auf einem Acker bei Aachen-Horbach sind jetzt mithilfe von Wildtierkameras zwei Exemplare abgelichtet worden, die den Winter gut überstanden haben.

30 Feldhamster waren im vergangenen Frühjahr auf einem Acker bei Horbach ausgewildert worden. Ein Jahr später steht nun fest: Mindestens zwei der Tiere sind gut über den Winter gekommen. Die Naturschutzstation des Naturschutzbunds (Nabu) Aachen, die das grenzüberschreitende Auswilderungsprojekt der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Aachen und der niederländischen Provinz Limburg betreut, hat zwei Beweisfotos mit Wildtierkameras aufgenommen. Von den 28 übrigen Tieren allerdings gibt es derzeit keine Spur.

Der Feldhamster, der bis in die 1970er Jahre noch weite Teile der linksrheinischen Bördegebiete besiedelte, ist seit Mitte der 1990er Jahre landesweit vom Aussterben bedroht und europaweit streng geschützt. Auch aus Aachen verschwand der Feldhamster in den 1990er Jahren. Durch die Auswilderung von Tieren bei Horbach soll er nun wieder eine Heimat in Aachen finden.

Ab Mitte April hatten Mitarbeiter der Nabu-Naturschutzstation nach Lebenszeichen der Nager gesucht. Denn im Frühjahr, nach dem Winterschlaf, öffnen die Tiere ihre verschlossenen Bauten. Dann kann man die charakteristischen Röhren im Boden entdecken. „Fast hatten wir die Hoffnung schon aufgegeben“, gesteht der Leiter der Station, Dr. Manfred Aletsee. Umso größer sei nun die Freude, dass die Bemühungen offenbar nicht umsonst waren. Vor zwei der Bauten hatten die Mitarbeiter Wildtierkameras aufgestellt. Und beide Kameras schossen zur selben Zeit ein Hamsterfoto. So können die Fachleute sicher sein, dass es sich bei den Hamstern um zwei unterschiedliche Exemplare handelt.

Über den Verbleib der 28 weiteren ausgesetzten Feldhamster hat der Naturschutzbund derzeit keine Informationen. Gut möglich, dass sich weitere Tiere auf dem Acker nördlich von Vetschau tummeln. Vielleicht sind sie auch auf andere Flächen abgewandert. Denkbar ist aber auch, dass sie Raubtieren oder Haustieren zum Opfer gefallen sind oder aus anderen Gründen den Winter nicht überlebt haben.

Nachgewiesen ist indes, dass einige der ausgewilderten Hamster im vergangenen Sommer Nachwuchs bekommen haben. Auch davon gibt es Fotos. „Wahrscheinlich haben aber insgesamt nur wenige Tiere überlebt“, vermutet Aletsee. Deshalb sollen in den kommenden Wochen rund 20 weitere Feldhamster aus der Zucht des Kerkrader Gaia-Zoos in Horbach ausgesetzt werden. Ziel der Bemühungen sei es, eine ausreichend große Hamsterpopulation aufzubauen, die auch natürliche Schwankungen des Bestands übersteht, erläutert der Biologe. Einfach ist das nicht. Jenseits der Grenze in den Niederlanden bemüht man sich bereits seit zehn Jahren darum.

Beim Feldhamster-Projekt geht es auch um die Förderung der Artenvielfalt. „Wo sich der Feldhamster wohlfühlt, findet man oft auch typische Ackerwildkräuter, Insekten und auch Feldlerche, Rebhuhn oder Wachtel“, sagt Manfred Aletsee. „Und wenn es gelingt, den Feldhamster im Aachener Norden wieder anzusiedeln, haben auch all diese selten gewordenen Arten hier wieder eine Chance.“

(mg)
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