Aachen: 98 Oldtimer machten ein Stück Geschichte lebendig

Aachen: 98 Oldtimer machten ein Stück Geschichte lebendig

Helle Hup-Töne klingen über den Markt, Motoren heulen auf, Fotoapparate klicken und dann schwenkt AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil die Start- und Zielfahne. Heinz und Kunigunde Wimmer sind die ersten, die in ihrem Adler Triumpf Junior Cabrio von Karmann aus dem Jahr 1938 die Start- und Ziellinie am Karlsbrunnen überqueren.

Sie brechen zur 3. AKV-Benefiz-Oldtimer-Rallye „The Race” auf. Rund 150 Kilometer liegen vor den Teilnehmern, in denen es durch Belgien Richtung Spa, die Niederlande und die Eifel geht. Im Minutentakt rollen jetzt die „Schätzchen”, wie viele Liebhaber ihren fahrenden Untersatz nennen, von der Startrampe. Es herrscht eine edle, nostalgische Atmosphäre - die Kulisse mit dem historischen Rathaus trägt dazu bei. Hunderte Oldtimer-Fans sind gekommen, mustern die noch geparkten Autos, halten Eindrücke fotografisch fest. Es ist eben mehr als eine Rallye, zu der in diesem Jahr 98 Fahrzeuge angemeldet wurden.

„Erstmals mussten wir Anmeldungen abweisen”, erzählt AKV-Geschäftsführer Dietmar Werner. Die vor drei Jahren zur 150-Jahr-Feier des AKV initiierte Veranstaltung lockt Interessenten aus der gesamten Region und darüber hinaus an. Auch aus den Niederlanden und Belgien sind Fahrer dabei.

Nach Italien

Für Hubert Peters ist weniger der Gewinn ausschlaggebend als der Spaß an der Sache. Er fährt schon seit der ersten Rallye mit, wenn auch als Beifahrer - sein Sohn steuert den Wagen. Das Auto, ein Renault Dauphine Gordini aus dem Jahr 1961, war das erste, das Hubert Peters kaufte. 4280 Mark zahlte er damals für den Wagen. Mittlerweile ist das Schmuckstück runderneuert. „Mein Herz hängt daran”, sagt der heute 83-Jährige. Und natürlich auch viele Erinnerungen. Etwa der Camping-Ausflug mit seinen Söhnen. Oder die Urlaubsfahrten nach Österreich und Italien. „Da ging schon ordentlich was an Gepäck rein”, lacht Hubert Peters.

Solche Erinnerungen hat auch Angelika Breunig. Die Würzburgerin besucht zurzeit ihre Familie in Aachen und kann sich an dem Renault von Hubert Peters gar nicht satt sehen. „Mit so einem Auto sind wir damals über den Brenner nach Italien gefahren”, erzählt sie.

Urlaubsfahrten macht Felix Ba-yer mit seinem Porsche 911 SC aus dem Jahr 1980 nicht. Er fährt öfter Rallyes. „Normalerweise haben die aber einen größeren Bezug zum Motorsport. Hier hat die Veranstaltung mehr einen familiären Charakter.” Doch das sei auch einmal schön. Man kenne sich untereinander, es gebe ein kameradschaftliches Miteinander und das mache das besondere Flair aus, so der Fahrer.

Zwischenzeitlich sind weitere 30 Oldtimer von der Startrampe gerollt. Darin sitzen strahlende Menschen, winken den Zuschauern zu. Die Stimmung ist gut, eine nostalgische Gelassenheit breitet sich aus. Die Veranstaltung, die mit Autorennbahn, Stadtrundfahrten mit einem Oldtimerbus, Modenschau und einer Oldtimer-Präsentation ein Ereignis für die ganze Familie ist, ist eine Benefizveranstaltung ist. Die Startgelder in Höhe von jeweils 150 Euro sowie der Erlös der weiteren Angebote wie etwa der Stadtrundfahrt oder die Versteigerung eines Gemäldes von Michael Öffler kommen der stadthistorischen „Sammlung Crous” zu Gute. Der AKV hat es sich zur Aufgabe gemacht, die historischen Schätze zu pflegen und allen Interessierten zugänglich zu machen.

Es gibt durchaus Parallelen zwischen den historischen Kostbarkeiten der Sammlung und den Kraftfahrzeugen der verschiedenen Entwicklungsepoche. Sie sind mehr als museale Ausstellungsstücke, sie machen mit Sorgfalt und Hingabe ein Stück Geschichte lebendig. Und die ist an diesem Wochenende nahezu greifbar.

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