Aachen: 800.000 ältere Menschen erhalten Grundsicherung

Aachen: 800.000 ältere Menschen erhalten Grundsicherung

Mit einem Gottesdienst unter Leitung des emeritierten Weihbischofs Karl Reger begann am Samstag im Aachener Dom die Hundertjahrfeier des Katholischen Vereins für soziale Dienste (SKM) in Aachen.

Anschließend lud der Verband zum Empfang im Forum M der Mayerschen Buchhandlung. Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur der Aachener Nachrichten, moderierte die mit Talkrunden gespickte Veranstaltung. Für musikalische Unterhaltung sorgte das A-cappella-Quintett „Mit ohne Alles”.

Vielseitige Aktivitäten

Zu Beginn erläuterte der SKM-Vorsitzende Hans Mülders die vielseitigen Aktivitäten des SKM. Die „Urzelle” des Verbandes sei das Seniorenzentrum in der Heinrichsallee, ein weiteres unterhalte der SKM in Rothe Erde. Daneben gebe es eine Beratungsstelle und einen Allgemeinen Sozialdienst. Auch Vormundschaften mit Gesetzlicher Betreuung und das Netzwerk der Aachener Familienpaten gehörten zu den Leistungen.

Besonders würdigte Mülders die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Verbandes, ohne die „die Arbeit des SKM nicht denkbar wäre”. Auf Büttgens Frage, was ihn zu seiner Verbandstätigkeit motiviert habe, antwortete Mülders: „Jedem, dem es gut geht, ist geraten, ein Stück weit zurückzugeben.”

Was denn das Katholische an dem Verband sei, fragte Büttgens den Aachener Generalvikar Manfred von Holtum. „Der Dienst am Menschen, neben Liturgie und Verkündung, ist die entscheidende Säule der katholischen Kirche”, antwortete von Holtum.

Aachens Bürgermeisterin Hilde Scheidt (Grüne) sagte, die Stadt sei bei der sozialen Arbeit auf Verbände wie den SKM angewiesen. Zwar sei die Finanzierung „der große Knackpunkt”, man wolle sich aber „soziale Arbeit nicht kaputtsparen” lassen.

Burkhard Schröders, Diözesancaritasdirektor, legte Wert auf die „klare Basisorientierung” des Verbandes. Bei der Integrationsarbeit aber habe er „nach wie vor große Sorge, was Sprache und Verständigung angeht”.

Eine kurze, aber sehr erhellende Analyse zum Thema „Armut und Alter” präsentierte der Soziologe Prof. Dr. Gerhard Bäcker von der Universität Duisburg-Essen. Bäckers skizzierte in seinem Vortrag eine besorgniserregende Entwicklung. In Deutschland sei die Altersarmut, gemessen am Einkommen, auf mittlerweile 12,5 Prozent gewachsen. 800 000 ältere Menschen seien auf Leistungen zur Grundsicherung angewiesen, die Dunkelziffer liege weit höher.

Einschnitte bei der Rente

Als Ursachen benannte Bäcker erstens die Einschnitte in der Rentenversicherung der letzten Jahre. Zweitens seien Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die insgesamt immer weniger „durchgängigen Erwerbsbiografien” dafür verantwortlich, dass die Altersarmut in Zukunft noch zunehmen werde.

Um hier gegenzusteuern, sei neben einer „Wiederherstellung der Ordnung auf dem Arbeitsmarkt”, z. B. durch Mindestlöhne und den Abbau von Arbeitslosigkeit, mehr gesellschaftliche Solidarität vonnöten. Um diese müsse durch Überzeugungsarbeit geworben werden. Verbände wie der SKM spielten dabei eine besondere Rolle.

Zudem stellten Torsten Nyhsen, SKM-Geschäftsführer, und Fotograf Andreas Schmitter ein Fotoprojekt vor, das den Verband porträtieren soll. In weiteren Talkrunden wurde Amüsantes und Anekdotisches aus der alltäglichen Arbeit des SKM berichtet.

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