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Schulreinigung in Corona-Zeiten: 800 neue Seifenspender und erhöhte Reinigungsintervalle

Schulreinigung in Corona-Zeiten : 800 neue Seifenspender und erhöhte Reinigungsintervalle

Durch die Corona-Pandemie hat das Thema Sauberkeit an Schulen an Bedeutung gewonnen. Die Stadt Aachen hat zusätzliche Reinigungsintervalle gebucht und lässt sich das einiges kosten. Doch die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt warnt, dass das nicht immer bei den Reinigungskräften ankommt.

Wer’s sauber haben will, muss zur Bohrmaschine greifen. Zumindest wenn man als Stadt Aachen Träger von knapp 60 städtischen Schulen und damit unter anderem für die Einrichtung und Instandhaltung der Gebäude verantwortlich ist. Rund 800 neue Seifenspender haben die städtischen Mitarbeiter in den vergangenen Monaten an sogenannten Ausgussbecken, die seit Corona auch ganz offiziell als herkömmliche Waschbecken genutzt werden dürfen, montiert. Hinzu kommen nochmal etwa genauso viele Handtuchpapierspender. Das teilte das städtische Presseamt jetzt auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Die Diskussion, ob Schultoiletten ausreichend geputzt und Klassenräume häufig genug gereinigt werden, ist vermutlich so alt wie die Schulpflicht selbst. Doch durch die Coronavirus-Pandemie hat das Thema Sauberkeit noch mehr an Bedeutung gewonnen. Was früher vielleicht nur unangenehm war, ist heute potenziell gesundheitsgefährdend. Die Stadt hat reagiert. Seit Mai werden Klassenräume nicht mehr jeden zweiten Tag, sondern täglich gereinigt. Für die Sanitärräume sei das in städtischen Gebäuden schon vor Corona der Fall gewesen, heißt es seitens des Presseamtes.

Nur in den seltensten Fällen erledigen diese Aufgaben Reinigungskräfte, die bei der Stadt Aachen angestellt sind. Von den 14 „Eigenkräften“ sind nach Angaben des Presseamtes elf an Schulen eingesetzt. Der überwiegende Teil der Schulreinigung erfolgt durch Fremdfirmen. Und das nicht zu knapp. Die Stadt geht davon aus, dass täglich rund 400 Fremdreinigungskräfte in den Schulen aktiv sind. Schließlich geht es um insgesamt 1337 Klassen- und Kursräume in städtischen Schulen. Einrichtungen, die in Trägerschaft der Städteregion Aachen sind, also Berufskollegs und einige Förderschulen, sind darin nicht eingerechnet. Damit all diese Räume – plus Sanitäranlagen, Flure etc. – in Angriff genommen werden können, hat die Stadt für jeden Schultag insgesamt rund 1200 Reinigungsstunden gebucht.

Mehr Arbeit, mehr Kosten

Durch die neuen Reinigungsintervalle entstehen für die Stadt Aachen jährliche Mehrkosten in Höhe von rund 770.000 Euro. Laut Presseamt prüfen die Schulhausmeister vor Ort, ob die Reinigungsfirmen die gebuchte Leistung auch wirklich erbringen. Dazu ruft auch Güngör Özkul explizit auf. Der Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt (IG BAU) für den Bezirk Aachen, warnt davor, dass zusätzliche Reinigungsstunden nicht immer in dem Maße bei den Reinigungskräften ankommen wie sie vom Kunden gebucht werden. Stattdessen litten die Beschäftigten unter einem wachsenden Zeitdruck. Immer größere Flächen seien in immer kürzerer Zeit zu reinigen.

Nach Berechnungen der Gewerkschaft hat eine Reinigungskraft im Schnitt acht Minuten Zeit, um ein Klassenzimmer zu säubern. Und das sei je nach Gebäude noch großzügig bemessen, sagt Güngör Özkul. „Manchmal müssen die Leute drei Etagen runter- und wieder hochgehen, um frisches Wasser zu holen“, gibt er zu bedenken. All dies kostet Zeit. Dass Reinigungskräfte systemrelevant sind, habe man in der Corona-Pandemie zwar gemerkt. Am Gehalt zeigt sich das nach Ansicht des Gewerkschaftssekretärs aber noch nicht.

Die IG BAU fordert deshalb einen Stundenlohn von zwölf Euro. Die Tarifverhandlungen laufen. Noch sei man sich mit den Arbeitgebern nicht einig geworden. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 20. Oktober statt. „Die Branche hat keine Probleme wegen Corona. Der Umsatz steigt, aber es kommt nicht bei den Leuten an“, kritisiert Özkul und fragt sich: „Wenn Reinigungskräfte jetzt nicht wichtig sind, wann denn sonst?“