Aachen: 80 rasante Runden übers Kopfsteinpflaster

Aachen: 80 rasante Runden übers Kopfsteinpflaster

Mit einem Affenzahn rasen die Radrennfahrer um die engen Kurven und bringen dabei die Zuschauer zum Staunen. „Es macht Spaß, den Jungs zuzugucken”, meint Radrennliebhaber Christian Drößler. „Dahinter steckt eine brutale Kraft. Das ist schon beeindruckend.” Selbst mitfahren möchte er aber nicht.

„Ich weiß, wie viel Training dahinter steckt”, sagt er. Und so begnügt er sich, zuzusehen, wie die Sportler Runde um Runde drehen.

80 sind es insgesamt, 900 Meter lang jede einzelne. „Das ist eine extrem schwere Strecke”, meint Franz Kirch, Kassenwart beim Radsportverein „Zugvogel”, der das Rennen „Rund um Dom und Rathaus” mitorganisiert. Das Kopfsteinpflaster und die engen Kurven fordern schon bald ihren Tribut: Der erste Fahrer hat einen Platten, bei einem anderen ist die Kette abgesprungen.

„Wer hier mithalten will, der muss zudem gut trainiert sein”, meint Kirch. Entsprechend hochklassig sei das Teilnehmerfeld der rund 60 Fahrer. Und während die Zuschauer eng gedrängt an den Absperrungen stehen, drehen die unermüdlich ihre Runden. Rund zwei Stunden wird es dauern, bevor sie die rund 70 Kilometer bewältigt haben. Und das schafft nicht jeder. „Wer hier siegt, der ist wirklich der Beste”, sagt Kirch. Denn hier könne man keine Taktik anwenden, hier zähle allein das sportliche Vermögen. Die Sportler selbst werden mit einer tollen Atmosphäre belohnt. Die Rennstrecke vor historischer Kulisse und mit vielen Zuschauern habe für die Fahrer ihren ganz besonderen Reiz, sagt Kirch.

Dass die hier Hochleistungen vollbringen, weiß auch Silvio Stohl zu schätzen. Er findet Radrennen toll und ist mit dem eigenen Rad unterwegs. Bei einem solchen Rennen mitzufahren kann aber auch er sich nicht vorstellen. „Ich verliere nicht gerne”, sagt er lächelnd. Und tatsächlich steckt hinter einem solchen Rennen jede Menge Training. „Als Radsportler muss man fünf bis sechs Mal die Woche trainieren”, meint Franz Kirch. Und das sei wahrscheinlich auch der Grund, warum sich so wenig junge Leute für den Sport begeistern können.

Der Verein hat Nachwuchssorgen, arbeitet aber energisch dagegen an. „Wir gehen auch in Schulen und werben für unseren Sport”, sagt er. Die Jugendarbeit habe einen großen Stellenwert beim „Zugvogel”. Junge Fahrer allerdings müssen sich gedulden. Ein Rennen wie das rund um Dom und Marktplatz könnten sie nicht durchhalten. „Bevor sie körperlich und konstitutionell so weit sind, sind sie über 20 Jahre alt”, meint Kirch.

So lange werden sie sich begnügen müssen, den Könnern zuzusehen, wie sie in rasender Geschwindigkeit über das Kopfsteinpflaster rasen und Runde um Runde drehen.

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