Aachen: 600 Besucher schon in den ersten vier Stunden

Aachen: 600 Besucher schon in den ersten vier Stunden

„Und wenn mir kalt wird?” Der Türwächter im Suermondt-Ludwig-Museum muss da hart bleiben, im dicken Wintermantel kann er die Dame nicht zu Hans von Aachen vorlassen. Mutmaßlich aber fürchtet sie weniger fröstelnde Temperaturen in den Ausstellungsräumen, sondern eher die lange Schlange vor der Garderobe.

Am Eröffnungstag ist die Neugier groß und das Angebot niedrigschwellig. Bei freiem Eintritt - sonst kostet er fünf Euro, ermäßigt die Hälfte, für Gruppen gibt es Rabatt - zieht es vor allem ältere Semester zu den Bildern des Renaissance-Malers. Aber auch Schülergruppen sehen sich die Fürsten-Porträts an, die Schlachtplatten hingemetzelter Soldaten und die molligen Damen, die wohl nichts in ihrer Kleidergröße XL gefunden haben und es deshalb bei einem kleinen Tüchlein an der Hüfte bewenden lassen.

Dafür muss man am Eröffnungstag so geduldig sein wie in einer Supermarkt-Schlange. Vor dem Gemälderaum regelt eine Museumsmitarbeiterin den Zulauf und lässt nur so viele Besucher herein, wie gerade hinausgehen. Mehr als 250 dürfen nicht gleichzeitig in den Saal, weil sonst die Kunstwerke leiden, sagt Peter Motz, der für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Schau zuständig ist. Die Raumtemperatur müsse zwischen 20 und 22 Grad liegen, größere Menschenmassen könnten zu unerwünschter Erwärmung führen.

Außerdem gebe es auch noch einen gewissen „Service-Aspekt”. Den erklärt die Mitarbeiterin im Durchgang den vor ihr Wartenden kurz und trocken: „Bringt ja nix, wenn Sie sich gegenseitig im Weg stehen und nix sehen können.” So aber sieht man die Bilder.

Sonst allerdings sieht man nicht viel im Dämmerlicht. Und so findet sich im ausliegenden Gästebuch neben allerlei Lobeshymnen auf die „großartige” und „hervorragende” Ausstellung auch der Hinweis, die Beleuchtung sei „so schlecht, dass einem schwindelig wird”. Immerhin fällt es einigermaßen schwer, in der relativen Finsternis die Erklärungen im ausliegenden Begleitheft - gibt es in Deutsch und Englisch - zu entziffern.

Dafür erstrahlen die Bilder umso mehr, und das war auch Zweck der Übung. Künstlerische Aspekte hätten bei der Beleuchtung im Vordergrund gestanden, sagt Peter Motz. Zudem müsse aber auch der Lichtschein auf die wertvollen Leihgaben wohl dosiert sein, damit sie keinen Schaden nehmen.

Und lesen kann man ja hinterher im Hellen immer noch. Den Katalog zur Ausstellung gibt es im Shop des Suermondt-Ludwig-Museums für 24,80 Euro. Das Buch entpuppte sich am Eröffnungstag schon als Bestseller, 200 Exemplare gingen bereits über die Theke. Allerdings wurden an diesem Tag in den vier Gratis-Stunden zwischen 11 und 15 Uhr auch schon 600 Besucher gezählt. Alle haben ihre Mäntel abgegeben, und keiner hat drinnen gefroren.

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