Aachen: 50-jährige Geschichte des Tierparks

Aachen : 50-jährige Geschichte des Tierparks

„Wir dürfen sehr stolz sein auf unseren Tierpark“, betont Manfred Kutsch. Der ehemalige Redakteur unserer Zeitung ist Autor einer Chronik, die jetzt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Euregiozoos erschienen ist. Gemeinsam mit Lutz Kupferschläger, zuständig für Fotos und Layout, ist Kutsch der Geschichte des beliebten Ausflugsziels auf die Spur gegangen.

Viele fotografische Erinnerungen hat das Archiv des Zeitungsverlags Aachen beigesteuert.

„Das Buch spricht für sich, es ist äußerst gelungen und zeigt welch ein Musterbeispiel das dauerhaft geleistete bürgerschaftliche Engagement für den Tierpark ist“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Manfred Fuchs. Im Vergleich zu den öffentlich getragenen Zoos in anderen Städten sei dies bemerkenswert. „Und bis heute hat sich an dieser Bürgerinitiative nichts verändert. Die Stadt gibt nur einen kleinen Zuschuss.“

Von anfangs 5000 Quadratmetern habe sich der Tierpark auf heute 89 000 Quadratmeter erweitert. „Das haben vor allem viele Tierfreunde ermöglicht, die Geld gegeben haben. Schon zu Beginn haben wir ja quasi ein Dromedar geschnorrt und beim Botschafter von Mauretanien angefragt. Der hat dann schließlich zwei Tiere gestiftet. Und auch heute müssen wir immer noch ein wenig schnorren, um den Unterhalt für einen attraktiven Tierpark zu erhalten“, erklärt Fuchs schmunzelnd.

Anfang der 1950er Jahre sei die Idee zur Gründung aus dem Kreise des ornithologischen Vereins entstanden. „Der frühere Aachener Zoo im Westpark war im Bombenhagel zerstört worden. Nahe dem Drimborner Wäldchen fand sich ein neues geeignetes Gelände. Der Pächter des Waldrestaurants hatte hier schon einige Tiere zur Belustigung seiner Gäste angeschafft, darunter Ziegen und vor allem Vögel.

Über Aachens wechselhafte Zoogeschichte hat Manfred Kutsch viel in den Archiven recherchiert. Herausgekommen ist ein spannender Rückblick. „Wir schlagen den Bogen von Kaiser Karl mit seinem weißen Elefanten im karolingischen Zoo bis zu Wolfram Graf-Rudolf, dem heutigen Herrscher von Drimborn“, erklärt Kutsch. Auch Löwen, Kamele und Bären habe es unter Karl dem Großen gegeben.

1882 folgte dann der zweite Anlauf eines Zoos für Aachen. Im Westpark siedelte ebenfalls eine Bürgerinitiative einen Zoo mit Tieren von Antilopen bis Zebras an, der schließlich von einem Hamburger Zoohändler geführt wurde. 1889 gab es hier sogar 50 Riesenschlangen — damals eine Sensation. Doch 1905 war aus wirtschaftlichen Gründen wieder Schluss.

1935 gründete sich der Verein der Tier- und Pflanzenfreunde Aachen und startete weitere Bemühungen, doch der Krieg kam dazwischen. 1960 schließlich gründete sich der Verein der Tierparkfreunde, der sechs Jahre älter als der eigentliche Zoo ist und heute rund 500 Mitglieder hat.

„Bis heute haben wir einen Tierpark für die ganze Familie. Kinder lernen hier den Umgang mit der Natur“, betont der Vorsitzende Herbert Sliwinski. Und Oberbürgermeister Marcel Philipp beschreibt den Tierpark in seinem Grußwort als „einen Ort zum Wohlfühlen“.

Wolfram Graf-Rudolf ist seit 16 Jahren Direktor, übernahm 2000 ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen von seinem Vorgänger Franz Stettner, führte sein Lebenswerk kreativ und professionell weiter. „Ich danke den vielen regelmäßigen Besuchern, den Tierpaten, Spendern und Sponsoren sowie den Mitgliedern des Fördervereins für ihre Treue“, betont der Zoodirektor.

Sein Gepardengehege gefällt ihm besonders gut. Und der an sich bescheidene Direktor ist schon ein klein wenig stolz, dass der britische Zoopapst Anthony Sheridan im Interview seinen Zoo so lobt: Die Gehege des Aachener Tierparks würden weit über dem Durchschnitt von insgesamt 105 getesteten Zoos in 26 Ländern liegen — ein Ritterschlag.

Das Buch bietet eine Bestandsaufnahme und einen Spaziergang durch den Euregiozoo. Es beschreibt die Flora und Fauna des Kleinods, wie Kutsch es nennt. Das Kapitel ist denn auch mit „Das kleine Paradies Eurgiozoo“ beschrieben. Die aufgelisteten Schlagzeilen reichen von witzigen Anekdoten bis hin zu traurigen Ereignissen. Graf-Rudolf nennt als Beispiele das schusssichere Gehege für die Moorhühner, das für Aufsehen bis nach London sorgte, und das durch einen Fuchs ausgelöste Pinguin-Massaker. Zu guter Letzt geht es um den Artenschutz, der Graf-Rudolf eine Herzensangelegenheit ist.

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