Aachen: 45.000 neue Schieferplatten für Aachens Marschiertor

Aachen : 45.000 neue Schieferplatten für Aachens Marschiertor

Es ist eines der mächtigsten noch erhaltenen Stadttore in Westeuropa: das Aachener Marschiertor. Aber über 700 Jahre Stadtgeschichte sind auch an ihm nicht spurlos vorüber gegangen. Wind, Regen, Belagerungen und Kriege haben dem Bauwerk zugesetzt, und so wurde es in diesem Jahr wieder einmal Zeit für einige Sanierungsarbeiten.

Im Fokus steht diesmal das Schieferdach in rund 35 Metern Höhe, das nun vollständig erneuert wird. „Der Schiefer ist mittlerweile fast 70 Jahre alt und hat sich durch Wind und Erosion stark aufgelöst. Das Dach war in diesem Zustand nicht mehr in der Lage, das Gebäude zu schützen“, erklärt der zuständige Architekt, Albert Frey. Die alte Dachbedeckung wurde bereits vollständig abgelöst und gerade sind die Vorbereitungen für die rund 45000 neuen Schieferplatten im Gange, die anschließend verbaut werden.

Ein historisches Gebäude mit Wehwehchen: Das Marschiertor muss saniert werden, denn das Dach ist nicht mehr in der Lage, das Bauwerk zu schützen. An Weihnachten könnte es fertig sein. Foto: Andreas Herrmann

Zusätzlich, so betont Frey, werde gegen die Feuchtigkeit eine sogenannte Unterspannbahn unter den Schieferplatten angebracht; ein dünnes Kunststoffgewebe, das Feuchtigkeit ableitet. Insgesamt 860000 Euro wurden für die Sanierungsarbeiten eingeplant, davon stammen 200.000 Euro aus Fördertöpfen des Bundes, so Engelbert Chaumet, Projektleiter beim Gebäudemanagement der Stadt Aachen.

Wenn nichts dazwischenkommt, wird schon an Weihnachten dieses Jahres das neue Dach des Marschiertors fertig gestellt sein. Im Zuge dieser Arbeiten werden auch einige Teile des Mauerwerks erneuert und etwa die Fensterrahmen neu gestrichen.

Was derzeit aber am deutlichsten auffällt, ist das Gerüst, welches das einstige Südtor zur Stadt umgibt. Rund 110 Tonnen, knapp 2000 Kupplungen und zwei Lastaufzüge haben die Gerüstbauer der Firma Creutz in 40 Tagen verbaut. „Vor allem die Nähe zur Straße hat den Aufbau schwierig gemacht, und wir durften nur ganz gezielt Verankerungen in die Fugen des Mauerwerks setzen“, schildert Geschäftsführer Wolfgang Creutz. Jetzt aber steht es auf sicherem Grund und umhüllt mit 70 Metern Umfang und 22 Etagen hoch das alte Tor — man sollte also für die Arbeit da oben besser schwindelfrei sein.

Als in den 1950er-Jahren das Dach zuletzt wieder hergerichtet wurde, waren die Vorschriften noch ganz andere: Ein paar einfache Bretter wurden im Gebälk verankert, und darauf standen dann die Arbeiter und befestigten den Schiefer. Bis dahin war es nach starken Schäden durch Brandbomben während des Zweiten Weltkriegs nur provisorisch wiederhergestellt worden, ohne das charakteristische Steildach.

Seit 1964 ist das Marschiertor nun in der Obhut der Stadtgarde Oecher Penn, die es in zahllosen Arbeitsstunden und mit Spenden wieder hergerichtet hat.

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