Aachen: 45 Lampen für die „Känguru-Chroniken“

Aachen : 45 Lampen für die „Känguru-Chroniken“

Bruno Valentim schnappt sich die Aluminiumtrittleiter, hievt sie über einen herumliegenden Boxsack, bringt sie in Position und klettert ein paar Stufen hinauf. „Ich brauche jetzt die 19!“, ruft er seinem Kollegen zu. Ralph Wuerzberg steht am Stellwerk, nickt einmal kurz und einer der Scheinwerfer im Theatersaal des Mörgens springt an — Vorbereitungen für die „Känguru-Chroniken“.

Das Stück, das auf den Texten des Kabarettisten Marc-Uwe Kling basiert, geht nach der Sommerpause in die mittlerweile dritte Spielzeit in dem Theater an der Mörgensstraße. Die Handgriffe der Techniker sitzen mittlerweile, viel Arbeit ist die Vorbereitung des Stücks dennoch. Jedes Mal.

„Zuerst legen wir die notwendigen Kabel. Sonst kann die Musik den Soundcheck nicht machen“, sagt Bruno Valentim, der mittlerweile seit mehreren Jahren am Mörgens arbeitet. Vier Leute gehören zu dem Team, das sich um Ton und Licht kümmert. Kabel für Kabel rollt der Techniker ab, rund um die Studiobühne. Auch wenn es für den Laien zunächst nach Kabelsalat aussieht, hat alles seinen festen Platz — und wird auch entsprechend fixiert, damit niemand darüber stolpert. Danach kümmern sich Valentim und Wuerzberg um die Beleuchtung — beispielsweise um Lampe Nummer 19.

Insgesamt kommen an diesem Abend 45 Scheinwerfer zum Einsatz. Alle müssen den richtigen Farbton haben, alle in der richtigen Intensität in die richtige Richtung leuchten. „Da das Theater immer wieder für unterschiedliche Stücke und Proben benutzt wird, muss das vor jeder Vorstellung erneut eingestellt werden“, sagt Valentim.

Spiel in drei Richtungen

„Das Besondere an der Bühne im Mörgens ist, dass es sich nicht um eine typische Guckkastenbühne handelt, anders als im Haupthaus des Aachener Theaters“, erklärt Ursula Schelhaas, Pressesprecherin des Theaters Aachen. Das Publikum schaut von drei Seiten auf das Geschehen auf der Bühne. Entsprechend muss ein Stück vorbereitet werden. Und was für die Schauspieler eine Herausforderung ist, die in drei Richtungen spielen müssen, ist ebenso eine für die Bühnentechnik.

Der entscheidende Tag, an dem festgelegt wird, ob die Vorstellungen der Regie mit den technischen Möglichkeiten des Theaters übereinstimmen, ist die Bauprobe, wie Ursula Schelhaas erklärt: „Da wird besprochen, was geht und was nicht und wie man das, was die Regie sich überlegt, am besten umsetzen kann.“

Bei den Känguru-Chroniken ist das mittlerweile mehrere Jahre her. Das Stück ist ein Renner im Mörgens, die Vorstellungen in dem kleinen, kuscheligen Theater sind fast ausnahmslos ausverkauft. Bruno Valentim und Ralph Wuerzberg sind also routiniert bei der Sache. Einen Blick in das Regiebuch, sozusagen das „Rezept“ für das Theaterstück, brauchen sie kaum noch zu werfen. „Probleme gibt es eigentlich selten, kontrollieren muss man aber alles“, sagt Wuerzberg, und schlendert lässig an den bereits aufgebauten Mikrophonen entlang. Vor jedem einzelnen schnippt er einmal mit den Fingern: Der Ton funktioniert.

Während Valentim und Wuerzberg ihre Technik-Checkliste durchgehen, wuselt ihr Kollege Jörg Rinck durch das Mörgens. Der gut gelaunte Pyrotechniker trägt eine Kalaschnikow herum. „Keine Sorge“, sagt er grinsend, „die ist zwar echt, aber nicht mehr schussbereit.“ Dennoch hat Rinck stets ein Auge auf die Waffe, lässt sie nie unbeaufsichtigt. Denn in die falschen Hände soll auch ein nicht mehr schussbereites Gewehr nicht geraten. Sobald die Kalaschnikow an ihrem Platz ist, nimmt Rinck kurz im Zuschauerraum Platz und pustet ein aufblasbares Känguru auf.

Was zwischendurch nach kreativem Chaos aussieht, wird kurz vor Aufführungsbeginn zu einem fast fertigen Bühnenbild. Valentim und Wuerzberg haben ihre Arbeit ins Foyer verlegt, denn auch dieser Raum wird in die Vorstellung einbezogen. Wie genau das passiert, was es mit der Schusswaffe auf sich hat und ob alle Lampen richtig eingestellt sind — das können die Theaterbesucher erleben, wenn sie die „Känguru-Chroniken“ im Mörgens ansehen. Nach der Sommerpause.

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