Aachen: 4000 Zuschauer und Woodstock-Flair

Aachen: 4000 Zuschauer und Woodstock-Flair

Ja, klar, Woodstock war natürlich noch eine andere Nummer. Trotzdem: Der Vergleich hinkt für Moses Fendel, Joachim Geibel, Tobias Malms, Yannick Flaskamp und Axel Sixt nicht. 4000 Zuschauer pro Abend, unter strahlend blauem Himmel, auf einer riesigen grünen Wiese, vor einer einmaligen Kulisse, auf einer beeindruckenden Bühne — sowas haben die fünf Jungs von „Mit ohne alles“ noch nicht erlebt.

Die aufstrebende Aachener A-capella-Gruppe kommt mächtig ins Schwärmen, wenn sie von ihren Konzerten im oberfränkischen Bad Staffelstein erzählt. Das Liedermacherfestival „Songs an einem Sommerabend“ war definitiv ihr größter Auftritt bisher — was die Zuschauerzahlen angeht. Aber auch in vielerlei anderer Hinsicht. Bei dem Festival, bei dem seit Jahrzehnten auch Größen wie Reinhard Mey, Konstantin Wecker, Hannes Wader oder Bodo Wartke immer mal wieder auf der Bühne stehen, wurden „Mit ohne alles“ im Juli mit einem von drei begehrten Nachwuchspreisen ausgezeichnet. Und das wirkt nach.

„Vor der Bühne ist uns erstmal die Kinnlade runtergefallen“, erzählt Yannick Flaskamp. „Das war echt beeindruckend, vor allem mit dem Kloster Banz im Hintergrund. Da mussten wir erstmal durchatmen.“ Das ging ganz gut, in den luxuriösen Räumen der Band im pompösen ehemaligen Benediktinerkloster. Doch als dann die Zuschauer anrückten, wurde es wieder reichlich aufregend. „Die sind schon Stunden vorher mit Decken, Stühlen, Isomatten und halben Zelten gekommen. Am Ende stand sogar ein Bett mitten auf der Wiese, da dachte ich, ich halluziniere“, erzählt Axel Sixt.

Ach was, alles echt. Die Woodstock-Atmosphäre, die professionelle Betreuung vor Ort, die vier großen Kameras vor der Bühne für die Fernsehübertragung. Und vor allem die massenhaft aufmerksamen Zuhörer. Letztere sind bei den Fünf besonders hängen beblieben. „Das Publikum war ein wirklich bewusst zuhörendes, eines, was wirklich an den Texten interessiert ist. Das war eine tolle Bestätigung“, erklärt Moses Fendel.

Schließlich sehen sich „Mit ohne alles“ nicht als Comedy-Gruppe. Permanente Party ist nicht ihr Ding. Das Publikum nur zum Totlachen bringen, das können andere A-capella-Formationen tun. Fendel, Geibel, Malms, Flaskamp und Sixt wollen mit ihren Songs auch ernste und kritische Inhalte rüberbringen. Das konnten auch die Festival-Besucher in Franken hören. Beim Nachwuchs-Konzert — neben den Aachenern wurden noch die Songwriter und Sänger Nicolas Sturm und Diane Weigmann ausgezeichnet — durften deshalb auch Songs wie „Sozial vernetzt“ von ihrem neuen und erst im Dezember erschienenen Album „Studentenfutter 2.0“ nicht fehlen. Da wird die Generation Facebook hinterfragt.

Das eigene Album, da sind sich alle Fünf einig, war wohl nicht ganz unwichtig für die Bewerbung für Bad Staffelstein. Für den Nachwuchspreis, der von der bayerischen Hanns-Seidel-Stiftung gefördert wird, setzten sich „Mit ohne alles“ und die anderen beiden gegen 250 Bewerber durch. Eine beachtliche Leistung. „Dafür war einiges an Schreibarbeit nötig, etwa ein musikalischer Lebenslauf“, erzählt Fendel. Aber letzendlich überzeugt hat die Musik von „Mit ohne alles“.

Auch wenn die jungen Sänger, alle sind noch im Studium oder haben es gerade abgeschlossen, in Franken nur einen Auszug ihres Könnens — mehrstimmiger Gesang, Beatboxing und zahlreiche andere ausgeklügelte Vocal-Techniken — zeigen konnten. Das Ende der Fahnenstange soll noch längst nicht erreicht sein. Das klare Ziel: Noch viele eigene Lieder schreiben, Live-Auftritte an Land ziehen, beizeiten ein weiteres Album veröffentlichen und — der große Traum — irgendwann von ihrer Leidenschaft A-capella leben können. Fans der charmanten und jetzt ganz offiziell ausgezeichneten Band dürfen sich also freuen: Da kommt noch was.

Die Gruppe im Internet: www.mitohnealles.de