Aachen: 400 Mützchen für notleidende Kinder

Aachen: 400 Mützchen für notleidende Kinder

Wenn sich Schafe in der Annastraße „sau wohl” fühlen und vor dem „Wolltreffer” in Burtscheids Fußgängerzone eifrig gestrickt wird, reibt sich der Oecher doch verwundert die Augen und überlegt, ob das denn alles noch mit rechten Dingen zugehen kann.

Aber am „Weltweiten Tag des öffentlichen Strickens” ist alles erlaubt, besonders wenn es dem guten Zweck dienlich ist, in dem Fall dem Stricken von winzigen Mützen und Socken für Frühchen und Neugeborene.

Denn die diesjährige Aktion der „Initiative Handarbeit” und der Kinderrechtsorganisation „Save the children” steht unter dem Motto „Eine Mütze voll Leben” und hat sich zum Ziel gesetzt bundesweit 30.000 Mützen zu sammeln, um sie dann in Länder wie Afghanistan, Ruanda oder Bangladesch zu schicken, wo sie den neuen Erdenbürgern beim Kampf ums Überleben helfen sollen.

„Die meiste Körperwärme geht bei den Babys über den Kopf verloren, deswegen sind Mützen ganz wichtig”, weiß Julia Babendreyer aus der Woll-Dynastie Görg&Görg, deren Wollgeschäft sich in diesem Jahr zum ersten Mal an der deutschlandweiten Aktion beteiligt.

Auch das Babyfachgeschäft Marlin ist mit im Boot und beide „Annastraßler” und haben sich einen echten Publikumsmagneten ausgedacht: „Wir wollten nicht nur die fertigen Mützen zeigen, sondern auch den Weg vom Schaf bis zum Endprodukt Wolle”, so Babendreyer. Also legten die Initiatoren kurzerhand Rollrasen aufs Kopfsteinpflaster, umzäunten das Ganze, liehen drei publikumsgewöhnte Schafe von der Walldorfschule aus und stellten sie auf die Mini-Weide. Von dort aus konnten die Vierbeiner zusehen, wie ihre Wolle vom unansehnlichen Filzknäuel zum schönen Wollfließ auf der handbetriebenen Trommelkarde verarbeitet wurde, am Spinnrad zu Garn gesponnen, in großen Töpfen mit Zwiebelschalen- und Tagetissud, gefärbt und schließlich verstickt wurde oder zum Filzen bereit stand.

Zwar quittierten die Schafe das Ganze eher mit Gleichgültigkeit und gelegentlichem „Mäh”, die die vielen Besucher hingegen, vor allem die Kinder, waren vollauf begeistert, denn sie konnten während all dieser Arbeitsabläufe unter fachkundiger Anleitung selber werkeln. „Ich filze jetzt mal einen Ring”, sagte die siebenjährige Jenny, die schon seit zwei Stunden Wolle zu Schnüren verarbeitete und auf eine ansehnliche Zahl giftgrüner Filzarmreifen verweisen konnte. Waren die Kleinen mit Spinnen, Filzen oder Kardieren beschäftigt, so konnten es sich die Großen mit leckerem Ziegenkäse, Salami, Brot und Wein, gesponsert vom italienischen Feinkostgeschäft aus der Annastraße bei herrlichem Sonnenschein gut gehen lassen.

Die fertigen Mützchen hingegen baumelten schon an Stellwänden und „es werden bestimmt bis zum Ende der Aktion vierhundert werden”, schätzt Babendreyer. Die schickt sie dann an die „Initiative Handarbeit”, die den Tag des öffentlichen Strickens für Deutschland organisiert. Vor vier Wochen fiel der Strickstartschuss und bis zum Morgen des Stichtages, dem 13. Juni, konnten in der Annastraße schon 280 Mützen gesammelt werden, Jutta Meven vom Wolltreffer in Burtscheid rechnet mit rund 70 fertigen Exemplaren.

Ursprünglich wurde der Stricktag vor vier Jahren in den USA ins Leben gerufen. In Deutschland findet er seitdem alljährlich am zweiten Samstag im Juni statt, und so klapperten an diesem schönen sonnigen Samstag bundesweit an 200 Orten gleichzeitig die Stricknadeln.

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