40 Jahre Weltkulturerbe Aachener Dom

40 Jahre Weltkulturerbe Aachener Dom : Ein Bauwerk mit einer großen Botschaft

Aachener Dom feiert 40 Jahre Unesco-Weltkulturerbe

40 Jahre Weltkulturerbe Aachener Dom: Die Festredner sehen in ihm ein Symbol für Europa. Er verbinde Größe und Sanftheit.

Mit Pauken und Trompeten, mit festlichen Reden, guten Gedanken und sogar einer Liebeserklärung wird gefeiert: Zum Auftakt der Festwoche „40 Jahre Weltkulturerbe Aachen Dom“ strömen am Sonntag die Gäste zum Pontifikalamt, das Bischof Helmut Dieser zusammen mit Alt-Bischof Heinrich Mussinghoff und den Weihbischöfen zelebriert. Von der Hofkirche Karls des Großen zum Festsaal der Kaiserpfalz – Dompropst Manfred von Holtum weiß, dass der Eröffnungsmorgen ganz nach dem Geschmack des großen Franken abläuft.

Den Anfang macht – natürlich – das Gebet. Mitten im Welterbe erklingt mit Mädchenchor und Dombläserensemble viel Musik, ganz im Sinne der karolingischen Renaissance, zu der neben der Entwicklung der Schrift und einer ersten Form von Bürokratie auch die Entwicklung der Kirchenmusik gehörte.

Zum Festakt im Krönungssaal kamen Dompropst Manfred von Holtum und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU). Foto: Andreas Steindl

Bischof Dieser nennt in seiner Begrüßung den Dom einen reinen „Zellkern“, der bereits zu Kaiser Karls Zeiten (wie eine Zelle eben) alle Informationen enthalten habe, die ein modernes Europa heute ausmachen. „Sehr unterschiedliche Menschen aus vielen Ländern haben am Dom gebaut und waren an der Regierungsführung beteiligt“, betont Dieser. „Karl hat sie alle an seinen Hof geholt, Baumeister, Handwerker, Künstler und Denker. Wenn das nicht Europa ausmacht.“ Sein Credo: „Man kann sich in den Dom verlieben!“ Er sei ein lebendiges Buch der Baugeschichte, in dem man vom karolingischen Zentralbau aus mühelos in die Gotik und das Barock wandern könne, wie es Dombaumeister Helmut Maintz gern beschreibt. Der brachte übrigens einen besonderen Gast mit: Professor Georg Mörsch, Mitglied der ersten Unesco-Kommission und damals Landeskonservator beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege. Er hatte sich dafür eingesetzt, dass der Dom Weltkulturerbe wird.

Ebenfalls dabei: Aachens Bischof Helmut Dieser und die Leiterin des Landesamtes für Denkmalpflege. Foto: Andreas Steindl

In seiner Predigt geht Dieser nochmals auf das Vielvölkergemisch im Frankenreich ein, dem Karl der Große mit seiner Pfalz und deren Herzstück – der Kirche – eine neue Mitte gegeben habe. Italienische Bronzegießer haben für die mächtigen Eingangstüren gesorgt, die Schreine stammen aus rhein-maasländischen Goldschmiedewerkstätten, Schenkungen aus aller Welt gehören zu den kostbarsten Stücken der Domschatzkammer, die gleichfalls in das Welterbe eingeschlossen ist.

Bis heute sieht Dieser eine wichtige Botschaft im Bauwerk: Der Dom als Machtzentrale sei zudem Marienkirche, die Verbindung von Größe und Sanftheit, von Göttlichkeit und Menschwerdung sei von Anfang an bestimmend gewesen. „Groß sein im Klein-werden“, diese christlichen Werte habe Karl der Große quasi im Dom verbaut. Dieser ermahnt eine Gesellschaft, die von Ängsten belastet ist, zu mehr Vertrauen – und zum Dombesuch, wo man sich „klein fühlen“ darf und dennoch von etwas Größerem getragen werde.

Die ganze Woche dürfen Besucher jeden Tag von 11 bis 17 Uhr den Krönungsthron aus nächster Nähe sehen oder das abendliche Lichtspektakel „Der Dom leuchtet“ erleben. Foto: Andreas Steindl

„Einzigartigkeit“ – mit diesem Stichwort leitet Dieser bereits über zum weltlichen Festakt im Krönungsaal des Aachener Rathauses, wo Oberbürgermeister Marcel Philipp mit einer forschen Begrüßung die große Gästeschar empfängt. Wie im Dom sitzt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in der ersten Reihe. „Mit dem Dom haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, das nicht zu toppen ist“, betont Philipp und versichert dem Domkapitel, wie ernst man die Zusammenarbeit von Dom und Stadt weiterhin nehmen wird. 30 Jahre Sanierung, die Bund, Land, Bürger, Sponsoren und europäische Geldgeber ermöglicht haben – das sei keine Kleinigkeit. Als Bestätigung gibt es ein Domvideo mit den wichtigsten Informationen, berührenden Kommentaren, atemberaubenden Luftbildern und eindrucksvollen Einblicken ins Weltkulturerbe.

In seiner Festrede nimmt Armin Laschet die Zuschauer zunächst mit ins Jahr 1978, als der Dom Weltkulturerbe wurde – allerdings eher nebenbei. „Ich habe eine kleine Notiz in der Aachener Volkszeitung gefunden, mehr nicht“, erzählt der Ministerpräsident, der selbst aus Aachen-Burtscheid stammt. Als „Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft“ sei der Dom nun zwar offiziell in der Unesco-Liste verzeichnet gewesen, allerdings habe man im „Großen Brockhaus“, dem wichtigsten Nachschlagewerk seiner Zeit, den Begriff „Welterbe“ 1978 noch gar nicht gefunden.

Erst 1986 gab es das erste Denkmalschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen. Vieles, was der Krieg nicht zerstört habe, sei einem Bestreben zum Opfer gefallen, die Städte modern und „autogerecht“ zu gestalten. „Es war sozusagen die zweite Zerstörung kostbarer Bausubstanz“, berichtet Laschet. Und mit einem Schmunzeln lenkt er den Blick zurück ins Mittelalter, in die Zeit Karls des Großen. Denkmalschutz damals? „Der hätte es niemals erlaubt, das Oktogon aufzubrechen und einfach eine Chorhalle anzubauen, weil so viele Pilger nach Aachen strömten!“, sagt Laschet. Zum Glück habe man im Laufe der Jahrhunderte für den Dom die Balance zwischen Bewahren und Erneuern gefunden.

Welterbe heute – da gilt es den Blick vom naheliegenden Anlass des Festes in die Weite zu richten, sich gegen Bedrohung und Zerstörung von Welterbestätten einzusetzen. „Stärke durch Einheit“, ein Motto, das Laschet auf das facettenreiche und deshalb so kostbare europäische Miteinander bezieht. „Ich kann es nicht glauben, dass da Stimmen sind, die eine europäische Union auflösen wollen“, meint der Ministerpräsident. Der Dom sei nicht nur das Herz der Stadt Aachen, sondern auch ein Symbol für Europa und ein Schatz für NRW.

Mehr von Aachener Nachrichten