300 E-Scooter rollen erstmals durch Aachen

Elektrisch durch die Stadt : In Aachen sind jetzt 300 E-Scooter startbereit

300 sogenannte E-Scooter sind am Freitag in Aachen an den Start gegangen. Die elektrisch betriebenen Tretroller stehen nun an 60 Standorten bereit. Nutzen kann sie jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und ein Smartphone besitzt.

Die Saison ist eröffnet – ganzjährig, versteht sich. Auch wenn der Öcher Oktober sich beim offiziellen Startschuss zur nächsten Etappe in Sachen „Mobilitätswende“ nicht gerade von seiner goldenen Seite zeigte, um der lachsfarbenen Flotte der brandneuen elektronischen Tretroller den rechten Empfang zu bereiten. Unverdrossen heitere Mienen prägten das Bild beim offiziellen Startschuss am Freitagmorgen vor dem Elisenbrunnen dennoch.

Oberbürgermeister Marcel Philipp und Dieter Begaß, Leiter des städtischen Fachbereichs Wirtschaft, Wissenschaft und Europa, sowie Christian Thommes, zuständiger Projektleiter im Fachbereich, schritten mit Vertretern des E-Scooter-Anbieters Voi sozusagen zur feierlichen Einweihung der ersten Aachener Exemplare aus dem Fuhrpark des schwedischen Unternehmens.

Immerhin 300 rollende Vehikel – Marke Voiager 1 – stehen ab sofort zwischen Rothe Erde und Campus Melaten bereit, verkündeten die Voi-Pressesprecher Jasmin Rimmele und Christoph Egels in sprichwörtlicher Aufbruchstimmung. Und damit bereits doppelt so viele wie ursprünglich geplant. 60 Standorte für jeweils drei oder sechs Gefährte sind in einer eigens aufgesetzten Bereitschaftserklärung zwischen der Stadt und dem skandinavischen Sharing-Dienst auserkoren worden, um die Wege für potenzielle Nutzer möglichst kurz zu halten. „Vor allem an größeren Verkehrsknotenpunkten in der Innenstadt, an den Bahnhöfen sowie am Tivoli kann man jetzt problemlos auf die E-Scooter umsteigen“, erklärte Rimmele.

Im Prinzip gibt’s dabei nur zwei entscheidende Voraussetzungen: Man benötigt ein Smartphone mit der entsprechenden App oder auch einem Zugang zum digitalen „Mobility-Broker“-System der Aseag, und man muss mindestens 14 Jahre alt sein. „Freischalten“ kann man den Tretroller einfach per QR-Code. Startgebühr – ein Euro pro Tour – sowie 15 Cent pro Minute Fahrtzeit werden über die Kreditkarte entgolten, Haftpflichtversicherung für Fremdschäden inklusive. Die Reichweite beträgt bei bis zu 20 km/h Leistung immerhin 30 bis 35 Kilometer – sofern die Batterie prallvoll ist. Sobald der Ladestand unter 20 Prozent sinkt, lässt sich der Scooter erst gar nicht starten.

Nicht überall sind die Flitzer erwünscht: In den rot markierten Bereichen ist das Parken der E-Tretroller verboten. Foto: Annika Kasties

Zurücklassen kann man die Gefährte im Prinzip, wo man will – allerdings mit gewissen Einschränkungen. Fußgängerzonen zum Beispiel bleiben tabu – dort lässt sich die App schlicht nicht deaktivieren, man zahlt also weiter, bis man einen passenden Abstellplatz gefunden hat. Eingesammelt und aufgeladen werden die Roller von festangestellten Mitarbeitern des neuen Logistikpartners UZE Mobility. Zurzeit residiert das Start-up-Unternehmen in Laurensberg. Von dort aus schwärmen drei, selbstredend ebenfalls mit „grünem Strom“ betriebene Streetscooter-Lieferwagen aus, um die Zweiräder aufzugabeln, erläuterte Begaß.

Gewisse Kinderkrankheiten im Verteilsystem blieben indes schon am Freitag nicht überall aus – so beklagte sich ein Hausbesitzer, dass der Bürgersteig vor seinem Domizil prompt weitestgehend von den lachsfarbenen Mobilen blockiert gewesen sei. Der OB vernahm die Kunde mit Gelassenheit. Natürlich werde es in der ersten Testphase gelegentlich auch zu Konflikten kommen. Grundsätzlich müsse stets eine Gehwegbreite von mindestens 1,50 Meter frei bleiben, wenn die Scooter geparkt werden, betonte Begaß. „Wir sind aber zuversichtlich, dass sich das Ganze schnell einspielt“, sagte Philipp. „In Berlin etwa läuft das reibungslos, davon habe ich mich unlängst selbst überzeugen können.“

Immerhin kurven die Scooter mittlerweile durch ein Dutzend deutsche Städte – Aachen ist die 13. Kommune, die sie auf die Straße bringt. In rund drei Monaten werde das Konzept in jedem Fall noch einmal auf den Prüfstand gestellt und kontinuierlich optimiert, sagte Thommes. Denn natürlich müsse man in der Pilotphase noch allerhand Erfahrungen sammeln.

Was naturgemäß auch für die potenziellen Nutzer gilt - der Anbieter empfiehlt grundsätzlich, nicht vor dem 18. Lebensjahr umzusteigen. Ansonsten orientiert sich der Umgang mit der neuen „Mikromobilität“ grundsätzlich am guten alten Drahtesel. Dringend empfohlen wird zum Beispiel, immer einen Fahrradhelm aufzusetzen. Bürgersteige und Fußgängerzonen dürfen keinesfalls befahren werden, im Idealfall sollte man möglichst Radwege nutzen.

„Noch in diesem Monat werden wir an einem exponierten Standort in der City auch Trainings anbieten, damit die Menschen sich mit den Gefährten vertraut machen können“, versprach Egels. Außerdem empfehlen wir, die ,virtuelle Verkehrsschule‘ auf unserer Homepage.“ Über die Website kann man sich unter dem Link „Ride like a voiler“ über die wichtigsten Aspekte rund ums neue Verkehrsmittel informieren.

Vor allem aber muss sich jetzt zeigen, ob die Aachener das neue Angebot im erhofften Umfang nutzen und ihren Pkw zumindest ein wenig öfter als bislang links liegen lassen. „Natürlich ist auch der E-Scooter nur ein Baustein beim Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel“, bekannte der OB. „In Kombination mit ÖPNV und Carsharing bietet er sich in jedem Fall an, wenn es darum geht, die ,letzte Meile‘ auf dem Weg in die Stadt sicher und bequem zu bewältigen.“

Hinweis: In einer ersten Fassung dieses Artikels hatte es geheißen, das Mindestalter für die Nutzung der Voi-Roller läge bei 14 Jahren. Tatsächlich sind es 18 Jahre.

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