Aachen: 300 Autonome fordern ein „Recht auf Stadt für alle”

Aachen: 300 Autonome fordern ein „Recht auf Stadt für alle”

Tanzend und feiernd zogen am Samstagabend rund 300 Demonstranten des Autonomen Zentrums (AZ) durch die Aachener Innenstadt. Begleitet wurden sie von einer mobilen Disco mit DJ DubnBass. Eine Hundertschaft der Polizei stand bereit, um für einen reibungslosen Verlauf der Aktion zu sorgen.

„Wir wollen auf die verfehlte Wohnungspolitik in der Stadt hinweisen”, sagt Lasse Mönch vom AZ. Pläne wie der Bau der Kaiserplatz-Galerie gingen völlig an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei.

„Wir wollen mitbestimmen, wie sich die Stadt entwickelt und nicht nur einfach hinnehmen, dass Beschlüsse, die uns betreffen, in Gremien getroffen werden”, heißt es in einem kleinen Handzettel zur Demo. Und hinnehmen will es das Autonome Zentrum auch nicht, dass es seine Räumlichkeiten in der Vereinstraße am Bahnhof möglicherweise verliert. Dort verfügen die jungen Leute über stolze 750 Quadratmeter in dem Bunker unter dem ehemaligen Gesundheitsamt.

Jetzt will die Stadt das bereits leer stehende Gebäude an einen Investor verkaufen. Zum Bedauern des Autonomen Zentrums. Das befürchtet selbst dann Probleme, wenn der neue Eigentümer ihm die unterirdischen Räumlichkeiten weiter überließe. „Der könnte uns dann ja bei der ersten Schwierigkeit kündigen”, sagt Lasse Mönch. Er sieht die Stadt in der Verantwortung: „Wir leisten hier eine Menge unbezahlte kulturelle Arbeit. Das sollte die Stadt wertschätzen.”

In den weitläufigen Räumen des Bunkers ist unter anderem Platz für ein Fotolabor, eine Siebdruck-Werkstatt, einen Fitness-Raum, einen Probenraum und einen großen Saal für Parties. Und gerade die Parties sind bei den jungen Leuten besonders beliebt. Zwei bis drei Mal im Monat gehe bei Live-Musik die Post ab. Dass es im Umfeld keine Nachbarn gibt, die sich darüber beschweren würden, wissen die Leute vom Autonomen Zentrum zu schätzen. Sie sind überzeugt, dass sie woanders keine vergleichbaren Räumlichkeiten finden und wünschen sich, dass die Stadt das Gebäude nicht verkauft und alles beim Alten bleibt.

Mit Transparenten mit Sprüchen wie „Recht auf Stadt für alle” und „Kein Tag ohne Autonomes Zentrum” zogen sie vom Bahnhof zur Kaiserplatz-Galerie und dann durch die Innenstadt wieder zur Vereinsstraße. „Tanzt euch warm”, riet der DJ den Demonstranten, die durchaus mit den kühlen Temperaturen zu kämpfen hatten. Und Vorsicht sei geboten, damit bei ausschweifenden Tanzbewegungen keiner zu Schaden käme. Ausklingen sollte die Demo dann im Autonomen Zentrum.

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