Aachen: 28-jährige Aachenerin wagt Sprung in die Selbständigkeit

Aachen: 28-jährige Aachenerin wagt Sprung in die Selbständigkeit

Schick sieht sie aus mit ihrer blauen Jeans, den grünen Stiefeletten und dem grauen Top. Die Augen sind dezent geschminkt, die Haare modisch frisiert. Gabi van Rey ist auf den ersten Blick eine moderne, junge Frau.

Auf den zweiten Blick übrigens auch, denn hinter dem Outfit der 28-Jährigen steckt weitaus mehr als bloßes Modebewusstsein oder einfach nur ein glückliches Händchen beim Kleiderkauf.

Gabi van Rey weiß genau, was ihr steht und von welchen Sachen sie besser die Finger lässt.

Das gilt für Schnitte wie auch für die Farben der Kleidung. Und eben diese Farben spielen in dem Leben der Aachenerin eine besondere Rolle. Gabi van Rey ist Farb-, Typ- und Stilberaterin, sie kennt die Wirkung von Formen und Farben und sie kann dieses Wissen auch anderen Menschen vermitteln.

Hauptberuflich ist sie Verlagskauffrau, seit zwei Jahren arbeitet sie bei einem kleinen Verlag in Aachen als Redakteurin und ist dort „sehr glücklich”, wie sie sagt.

Dennoch stand für sie schon nach kurzer Zeit im Job fest: „Das kann es noch nicht gewesen sein.” Irgendetwas musste noch dazu kommen. Nur was, das war ihr nicht ganz klar. Es sollte aber auf jeden Fall etwas mit Mode zu tun haben.

„Ich hatte schon immer den Traum von der eigenen Boutique, doch ich wollte nicht nur verkaufen, ich wollte gerne beraten”, erklärt Gabi van Rey.

Gespräche mit Freunden brachten sie schließlich auf die Idee und im Internet stieß sie letztlich auf „DS Colors”, eine Schule für Farb- und Stilberatung. Denn die junge Aachenerin wollte auf jeden Fall „fundiertes Wissen” an den Mann und an die Frau bringen.

15 Monate hat die Ausbildung gedauert, Abschlussprüfung inklusive. In dieser Zeit hat Gabi van Rey bereits ihr Gewerbe angemeldet und auch schon als Farb-, Typ- und Stilberaterin gearbeitet.

Dies sei Teil der Ausbildung, erklärt sie. „Farbe bekennen” heißt ihre Firma und dies sei durchaus wörtlich zu verstehen, sagt sie. Denn eine Farbberatung sei viel mehr als nur ein gut gemeinter Tipp.

Dabei bestimmt die 28-Jährige erst einmal den Hauttyp. Der richtet sich nach der Zusammensetzung der drei Hautpigmente Hämoglobin, Karotin und Melanin.

Je nach dem was überwiegt, sei der Hautunterton eher bläulich oder gelblich. Danach werden die vier Typen - angelehnt an die Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter - bestimmt.

Gabi van Rey selbst ist ein Sommertyp. Ihr stehen etwa keine Orange- oder Brauntöne. „Die sind klassisch für den Herbsttyp”, weiß die junge Frau. Gut tragen könne sie blau und Pastelltöne.

Doch Vorsicht sei geboten, denn es gäbe auch Pastelltöne, die eher zu einem Frühlingstyp passen würden. Aus diesem Grund gibt Gabi van Rey ihren Kunden einen Farbpass mit, in dem 28 Farben passend zum Typ abgebildet sind.

„Den können die Kunden zum Einkaufen mitnehmen und an den Stoff halten”, empfiehlt die Expertin, die genau weiß, dass für viele Kunden die Festlegung des Farbtyps erst einmal eine große Umstellung bedeutet.

„Es kommt vor, dass die Leute nicht auf ihr Lieblingsteil im Kleiderschrank verzichten wollen. Das müssen sie auch nicht. Sie müssen auch nicht alle alten Sachen wegwerfen, obwohl es Kunden gibt, die das machen.”

Sie eingeschlossen. Innerhalb von 14 Tagen hatte sie sich neu eingekleidet. „Ich mache keinen Kompromiss mehr beim Einkaufen, ich richte mich auch nicht nach den Vorgaben von den Designern, die vorschreiben, welche Farbe und welcher Schnitt modern ist. Man wird also durch die Typisierung viel selbstständiger und individueller.”

Auf den ersten Blick kann Gabi van Rey Menschen nicht in Farbtypen einordnen. Genauso wie sie keinen generellen Rat erteilen kann, wie sich Modesünden vermeiden lassen.

„Das ist ja das Schöne, jeder Mensch ist anders. Und um ihn einzuteilen, braucht es Zeit. Pauschal geht es nicht.” Allerdings weiß sie, dass nur wenige Menschen tatsächlich schwarz tragen können, wirklich passen würde es nur zum Wintertyp.

An ihr findet man deshalb kaum etwas Schwarzes. Wenn, dann sind es ihre Tatoos, zumindest die Konturen. Auch auch die hätte sie lieber in ihren Farben, davon habe der Tätowierer aber abgeraten.

Die fünf Sternchen an ihrem rechten Unterarm sind aber bunt ausgestochen. „Die Farben haben der Tätowierer und ich gemeinsam gemischt”, sagt sie lächelnd.

Überhaupt lächelt die moderne, junge Frau viel, wenn sie von Farben spricht. Damit sei sie glücklich und das sieht man ihr - auf den ersten Blick - auch an.

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