250 Demonstranten gehen mit "Fridays for Future" Aachen auf die Straße

Vor der Großdemonstration am 21. Juni : „Fridays for Future“ läuft sich schon mal warm

Es ist kurz nach halb elf, als Felix Mendelssohn Bartholdys Hochzeitsmarsch aus den schwarzen Musikboxen erklingt. Und spätestens in diesem Moment weiß man, dass es sich um eine ganz besondere „Fridays for Future“-Demonstration handeln muss.

Das Programm wird kurz unterbrochen. Der junge Rapper senkt das Mikrofon. Und Hunderte Schüler, Studenten und auch Erwachsene klatschen begeistert in die Hände und jubeln dem Paar zu, das sich nur wenige Momente vorher im Weißen Saal des Aachener Rathauses das Ja-Wort gegeben hat. So viel Anstand muss sein. Das Brautpaar bedankt sich mit Kusshänden. Und weiter geht das Programm.

Weil am Elisenbrunnen französische Baguettes, Käse und Crêpes verkauft werden, mussten die jungen Leute an diesem Freitagvormittag ausnahmsweise auf den Markt ausweichen. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch – im Gegenteil, wie man am Beispiel der Spontan-Gratulation sah. Etwa 250 Menschen versammelten sich um den Karlsbrunnen – von Grundschulkindern über Teenager bis hin zu Erwachsenen in ihren 60ern, die sich mit den Schulstreikern solidarisch zeigten.

Es ist gerade mal ein Bruchteil derer, die noch vor zwei Wochen auf die Straße gingen. Bei der internationalen Demonstration zogen mehr als 2700 Menschen durch Aachen. In zwei Wochen, wenn „Fridays for Future“ abermals zum internationalen Streiktag aufruft, sollen es noch deutlich mehr werden. 20.000 Menschen aus 16 Ländern erwarten die Veranstalter am Freitag, 21. Juni, in Aachen. Statt großer Generalprobe war an diesem Freitag also eher kurzes Verschnaufen angesagt.

Und dennoch wurde der Blick nicht nur einmal auf die anstehende Großdemonstration gerichtet. Der jüngste Appell der Aachener Polizei an die jungen Leute, sich nicht durch gewaltbereite Gruppen „instrumentalisieren“ zu lassen, hallte auch auf dem Markt nach. Zeitgleich zum Großevent in Aachen finden Aktionen des Bündnisses „Ende Gelände“ statt, das Blockaden im Braunkohletagebau Garzweiler angekündigt hat.

Am Samstag, 22. Juni, wollen die Schüler an einem Protestmarsch am Tagebau Garzweiler teilnehmen, der unter anderem von Greenpeace und dem BUND organisiert wird. Und genau deshalb stellte sich der 22-jährige Student Tobias Holle vor die Anwesenden und betonte: „Wir werden im vollkommen legalen Bereich bleiben. Niemand muss sich Sorgen machen, dass er in Aktionen von ,Ende Gelände’ reingezogen wird.“

Die Aachener Polizei befindet sich dennoch in Alarmbereitschaft. „Es gibt deutliche Bestrebungen von ‚Ende Gelände’ ‚Fridays for Future’ für ihre Ziele zu gewinnen“, sagte der polizeiliche Einsatzleiter Thomas Dammers unserer Zeitung bereits am Donnerstag nach einem Treffen mit den Aachener Fraktionen. Der leitende Polizeidirektor hatte in einem Schreiben, das unter anderem an die Schulämter ging, unter anderem darauf hingewiesen, dass die Polizei konsequent gegen „lang anhaltende Blockaden“ vorgehen werde. In einer ersten Version verwies er auch auf angebliche Urteile gegen „sechs Straftäter“, die RWE insgesamt 2,1 Millionen Euro Schadenersatz hätten zahlen sollen. Diese Behauptung stellte sich als falsch heraus und wurde von der Polizei korrigiert. Im besagten Fall hat noch nicht einmal der Prozess begonnen.

Für diese „Falschinformation“ entschuldigte sich Dammers in Aachen ausdrücklich. „Das sind sehr engagierte Menschen, die wenig Demonstrationserfahrung haben.“ Er habe „große Sorge“, dass Menschen „in guter Absicht den Falschen hinterherlaufen und dann in Situationen geraten, in denen wir sie als Polizei nicht sehen wollen“. Auch Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach hatte im Vorfeld mit Blick auf die jungen Veranstalter betont: „Ich habe sie als verantwortungsvolle junge Menschen kennengelernt, die alles vermeiden wollen, was die Gefahr mit sich bringt, die Demonstration zu diskreditieren.“

Die Aachener Piraten sehen in dem offiziellen Schreiben der Polizei indes den Versuch, „gezielte Fehlinformation zu verbreiten und damit gerade junge Menschen einzuschüchtern und von ihrem Demonstrationsrecht abzuhalten“, wie es in einer Pressemitteilung von Freitag heißt. „Die Piratenpartei unterstützt ‚Fridays for Future’ und die Demonstration und stellt auch ihr Büro für Übernachtungen zur Verfügung.“

Kein Büro, dafür aber eine Couch wollen auch Josie Bockholt und Kurt Lennartz den Klimaaktivisten anbieten. „Besser könnten sich die jungen Leute gar nicht engagieren. Sie gehen den Weg, den ihnen die Wissenschaft vorgibt“, betonte Bockholt, die sich, wie sie sagt, stellvertretend für ihren vor kurzem geborenen Enkel an dem Demonstrationszug vom Markt zum Frankenberger Park teilnahm. In zwei Wochen werde sie natürlich ebenfalls dabei sein. Wenn rund 20.000 Menschen den Tivoli ansteuern, um dort lautstark für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren.

Josie Bockholt und Kurt Lennartz zeigen sich nicht nur auf dem Markt solidarisch. Für den zentralen Streik bieten sie auch vier Schlafplätze an. Foto: ZVA/Harald Krömer
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