Aachen: 2057 Flüchtlinge haben seit Januar schon Zuflucht gesucht

Aachen : 2057 Flüchtlinge haben seit Januar schon Zuflucht gesucht

Ursprünglich sollte es eine gemütliche Kontaktstelle mit Beratungsangebot sein: Daher rührt der Name Café Zuflucht. 25 Jahre später ist das Café zu einer Beratungsstelle für Flüchtlinge geworden, die unter anderem kompetent zu Fragen nach Aufenthaltsstatus oder Integration in den Arbeitsmarkt beraten werden. Allein in diesem Jahr haben schon 2057 Flüchtlinge im Café Zuflucht Rat gesucht.

Und kommen die Flüchtlinge rechtzeitig, können die Mitarbeiter in den meisten Fällen sogar eine vielleicht drohende Abschiebung verhindern. „Nach 25 Jahren Aufbauarbeit können wir heute die Früchte ernten“, meint Andrea Genten, Vorstandsmitglied des Trägervereins Refugio.

Doch nach wie vor hat die Beratungsstelle mit knappen Finanzen zu kämpfen. Erst vor zwei Jahren wurde ein Umzug aus den Räumen in der Zollernstraße in die neuen Büros in der Wilhelmstraße möglich. Bis dahin mussten die Gespräche auf engstem Raum stattfinden.

In der Wilhelmstraße 59 finden heute minderjährige Flüchtlinge eine Anlaufstelle, in der Wilhelmstraße 40 werden die Erwachsenen und Familien beraten. Hier wurde das Jubiläum mit einem Empfang gefeiert, bei dem unter anderem auch Oberbürgermeister Marcel Philipp zu Gast war.

Derzeit stehen im Café Zuflucht insgesamt zehn festangestellte Kräfte und etliche Ehrenamtler bereit, um den Neuankömmlingen durch das Wirrwarr der deutschen Bürokratie zu helfen. Im Café Zuflucht setzen sich die Berater gleichermaßen für Flüchtlinge aus den sogenannten sicheren Herkunftsländern ein wie für Flüchtlinge aus Krisengebieten. „Denn jeder Fall muss ganz individuell geprüft werden“, meint Juliane Hoppe, geschäftsführende Leitung der Verfahrensberatung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Beraterin.

Im Café Zuflucht werden Einzelschicksale großgeschrieben. Und das Team sucht jeweils nach der besten Lösung. Offensichtlich mit Erfolg. „Das Café Zuflucht hat sich im Laufe der Jahre zu einer der am häufigsten frequentierten Beratungsstellen in NRW entwickelt“, meint Andrea Genten. Kaum zu glauben, dass alles mit einem einzigen Sozialarbeiter angefangen hat. Winfried Kranz war von Anfang an dabei und ist laut Genten heute noch die Seele des Cafés. „Ohne ihn wäre das Café nicht das, was es heute ist“, sagt sie.

Kaum hatte die Beratungsstelle 1991 ihre Türen geöffnet, da sorgte der Ausbruch des Kriegs in Jugoslawien für einen starken Anstieg der Flüchtlingszahlen. Laut Café Zuflucht stellten 1992 bosnische Staatsangehörige ein Viertel der Asylanträge. Der arabische Frühling sorgte 2012 und 2013 für ein erneutes Ansteigen der Flüchtlingszahlen, und der Bürgerkrieg in Syrien treibt sie weiter in die Höhe.

„Obwohl wir uns natürlich wünschen, irgendwann nicht mehr gebraucht zu werden, wissen wir, dass die Fluchtursachen auch in den kommenden Jahren weltweit nicht abnehmen werden und dass weiterhin mit einer hohen Anzahl an Flüchtlingen zu rechnen ist“, meint Beraterin Sarah Klaudt. „Wir werden auch weiterhin für die Rechte der Flüchtlinge eintreten.“

Mehr von Aachener Nachrichten