Aachen: 205 U3-Kinder haben noch keinen Betreuungsplatz

Aachen: 205 U3-Kinder haben noch keinen Betreuungsplatz

205 Eltern in Aachen haben für ihr Kleinkind unter drei Jahren noch keine Betreuung gefunden. „Das ist unser Stand zur U3-Versorgung mit Datum vom 11. Oktober“, erklärte Elke Münich, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kinder, Jugend und Schule, am Mittwoch auf Anfrage. Gut möglich ist allerdings, dass diese Zahl schon nicht mehr ganz aktuell ist.

„Es kann sein, dass einige Familien zwischenzeitlich einen Platz gefunden haben“, sagt Münich. Oder es haben sich neue Eltern bei der Stadt gemeldet, die eine Betreuung suchen. „In dem Bereich ist sehr viel Bewegung“, weiß die Fachbereichsleiterin. Im Frühsommer war die Stadt noch von mehr als 300 unversorgten U3-Kindern ausgegangen.

Den — vermutlich also — 205 unversorgten U3-Kindern stehen auf der anderen Seite der Rechnung 1449 Kita-Plätze gegenüber, ferner 500 Betreuungsplätze bei Tagesmüttern. Private Kindertagesstätten steuern noch einmal 85 U3-Plätze bei, und 149 Plätze gibt es in den „anderweitigen Betreuungsformen“. Dazu gehören etwa Spielgruppen. Macht unter dem Strich genau 2183 Betreuungsplätze.

Laut Münich schafft es die Stadt damit tatsächlich, für rund 37 Prozent der Kinder zwischen einem und drei Jahren eine Betreuung anzubieten. Für diese Altersgruppe gibt es seit dem 1. August einen Rechtsanspruch auf Betreuung, und mit ihrer Versorgungsquote von 37 Prozent übertrifft Aachen die vorgegebene Zielmarke von 35 Prozent deutlich.

So gut Aachen damit auch dasteht: „Jede Familie, die keinen Betreuungsplatz hat, kann mit unserer guten Quote nicht zufrieden sein“, weiß Elke Münich. Die Aachener belegen, was Experten für Großstädte stets vorausgesagt hatten: Bei der U3-Versorgung liegt der Bedarf deutlich höher als die angesetzte Quote. Erste politische Weichen hatte der Kinder- und Jugendausschuss bereits Anfang Juni gestellt und für Aachen das neue U3-Ausbauziel von 50 Prozent formuliert.

Die städtische Hotline zur U3-Betreuung bleibt in Betrieb. Unter Telefon 432-45252 können Mütter und Väter sich weiterhin mit allen Anliegen in Sachen Betreuung an die Kommune wenden. „Und der heiße Draht funktioniert“, sagt Elke Münich. „Die Eltern nutzen diesen Service.“

Abgeschlossen ist dagegen der Bedarfsabgleich. Die Mitarbeiter des Call-Centers hatten wochenlang telefoniert, um alle Familien zu erreichen, die nach den städtischen Unterlagen noch ohne Betreuungsplatz waren.

Geklagt hat noch niemand

„Ende August hatten wir 138 Familien immer noch nicht erreicht“, berichtet Münich, „diese Familien haben wir dann angeschrieben. Mehr konnten wir nicht tun.“ 45 Familien meldeten sich daraufhin, 24 von ihnen hatten mittlerweile eine Betreuung gefunden, 21 suchten weiterhin einen Platz für ihr Kleinkind. 68 Familien, berichtet die Jugendamtschefin, haben seit Sommer neu mit der Stadt Kontakt aufgenommen und Betreuungsbedarf für ihr Kind angemeldet.

Klagen auf der Basis des nun geltenden Rechtsanspruchs gibt es in Aachen bisher noch nicht. Allerdings haben einige Eltern über ihren Rechtsanwalt bei der Stadt beantragt, dass die Kommune die Kosten für eine private Kindertagesstätte übernehmen soll. „Diese Fälle haben wir unserem Rechtsamt zur Prüfung übergeben“, erklärt Münich.

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