200 Jahre Zoll: Konzert im Eurogress und Spende für Notfallseelsorge

200 Jahre Zool : Zum Geburtstag besondere Geschenke

„Wir sollten die Offenheit der Grenzen wertschätzen.“ Zu diesem Fazit kam Dr. Thomas Müller, Stadtarchiv Aachen, nachdem er die 200-jährige Zollgeschichte Aachens aufgerollt hatte. Und dabei zeigte sich schnell, dass die Kontrolle der Grenzen je nach Regime ganz unterschiedlich gehandhabt wurde.

Zur Grenzstadt wurde Aachen demnach erst durch den Wiener Kongress (1815) und die damit einhergehende neue Staatenordnung in Europa. „Während die Preußen die deutsche Westgrenze zunächst sehr streng und mit vielen Repressalien für die Bevölkerung kontrollierten, sorgte der Tuchfabrikant und Politiker David Hansemann dafür, dass die Maßnahmen 1848 im Vormärz zurückgefahren wurden“, führte Müller aus. Zudem habe die grenzüberschreitende Eisenbahnlinie mit Aachen als Grenzbahnhof die Lage grundlegend verändert. „So entstand auch eine ganz neue Situation für den Zoll“, so Müller.

Das Hauptzollamt Aachen hat das 200-jährige Jubiläum zum Anlass genommen, bei einer kleinen Feier im und rund um das Eurogress zu feiern. Ein Shuttlebus brachte interessierte Gäste zudem sogar ins Zollmuseum nach Horbach. „Und obwohl der Regen hier und da dafür sorgte, dass die Besucher Schutz suchen mussten, war der Tag dennoch ein Erfolg“, meint Elke Willsch, Hauptzollamt Aachen. Und abends fand die Jubiläumsfeier mit einem Konzert der Zollkapelle Aachen einen festlichen Abschluss. Der Eintritt war dabei zwar frei, aber um Spenden wurde gebeten. Und die sollen laut Moderator Mario Lambertz, Hauptzollamt Aachen, der Notfallseelsorge zugute kommen.

Menschen, die an der Seele verletzt sind, oder Menschen, die etwas erlebt haben, was sie nicht fassen können, finden hier laut Kirsten Jetzkus und Rita Nagel, Leitung Notfallseelsorge, Hilfe und Unterstützung. „Wir kommen und haben Zeit“, erzählten sie und: „Wir sind einfach da und bringen Ruhe in eine unüberschaubare Situation.“ Für Kinder haben sie immer einen Teddy im Gepäck, der dabei helfen soll, Trost zu spenden. Dass die Arbeit der Notfallseelsorge von sehr großem Wert ist, konnte auch Lambertz nur bestätigen. Denn auch die Zollbeamten kämen hier und da in gefährliche Situationen mit Schusswaffengebrauch und könnten danach nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen. „Das weiß ich aus eigener Erfahrung“, sagte er.

Dass die Notfallseelsorge so vielfältig helfen kann, sei vor allem auch den vielen ehrenamtlichen Helfern zu danken. „Und wir können diese schwierige Aufgabe nur deshalb so gut bewältigen, weil wir sehr gut ausgebildet werden“, meinte Kirsten Jetzkus. An einem Stand im Eurogress gab es entsprechende Infos dazu. Rund herum stand das Zoll-Jubiläum im Mittelpunkt, beispielsweise auch mit einer kleinen Ausstellung.

Und auch wenn die europäischen Grenzen heute offen sind, hat das Zollamt Aachen weiterhin jede Menge zu tun. Drogen, Schwarzarbeit oder die Einfuhr von geschützten Arten aus Flora und Fauna sind laut Willsch nur einige Aufgabenbereiche, die in der Verantwortung des Zolls liegen. Doch die Zeiten, in denen Schmuggel und unerlaubte Grenzüberschreitungen aufs schärfste geahndet wurden, sind lange vorbei. Und dass sich die Menschen heute auch über die Grenzen hinweg so frei bewegen können, hält der Experte Dr. Müller für einen ganz großen Gewinn.

Mehr von Aachener Nachrichten