Aachen: 20 Geflüchtete sind in Aachen angekommen, Lage „entspannt“

Aachen : 20 Geflüchtete sind in Aachen angekommen, Lage „entspannt“

Im Jahr 2015 war in Aachen wohl kaum daran zu denken, dass sich die Situation der Flüchtlingsunterbringung einmal so entspannen würde. „Anfangs mussten wir auch suboptimale Lösungen finden, jetzt können wir Objekte prüfen und einige vielleicht auch auslaufen lassen“, sagt Rolf Frankenberger, Leiter des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration.

Ab der noch laufenden Woche werden in Aachen wieder insgesamt 200 geflüchtete Menschen untergebracht. Dem sieht man auf städtischer Seite entspannt entgegen. „Das ist jetzt ein ruhiges Arbeiten, weil wir in etwa wissen, was auf uns zukommt“, sagt Sandra Knabe, die sich insbesondere um die Wohnsituation der Flüchtlinge und die Angebote zur Integration in Aachen kümmert.

Die Container in der Leo-Löwenstein-Kaserne am Kornelimünsterweg sind inzwischen abgebaut worden. Es gebe genügend andere Ankünfte im Aachener Stadtgebiet, sagen Manfred Sicking, städtischer Beigeordneter für Wirtschaft, Soziales und Wohnen, Sandra Knabe, Abteilungsleiterin „Übergangswohnen“ im Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration, und Rolf Frankenberger, Leiter des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration (kleines Foto v. l.). Foto: Harald Krömer

Derzeit leben 1724 Geflüchtete (Stand Ende März) in städtischen Unterkünften. Die ersten 20 der insgesamt 200 Menschen sind bereits eingetroffen und werden zur Gesamtzahl hinzuaddiert. Unter ihnen eine Familie mit sechs Personen, zwei Familien mit je vier Personen, sechs Alleinreisende, darunter vier Männer und zwei Frauen. Zudem ein Kind, das auf den Rollstuhl angewiesen ist, und eine Person, die aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes umgehend medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht werden musste.

Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien und der Türkei. Aber auch andere Nationalitäten sind vertreten. „Die Bezirksregierung gibt uns etwa eine Woche Vorlauf zur Vorbereitung“, sagt Knabe. Ein Hauruck-Verfahren wie im Jahr 2015 gebe es aktuell nicht mehr. Damals musste man schnell handeln, Unterkünfte von einem auf den anderen Tag finden — so auch Turnhallen. Dies wolle man jedoch nicht mehr.

Die Bezirksregierung in Arnsberg hat in den vergangenen Monaten Neuberechnungen zur Aufnahmequote von Flüchtlingen in allen Kommunen in Nordrhein-Westfalen vorgenommen und eine erneute Aufnahmeverpflichtung für Aachen festgestellt. Bis Mitte Juni werden zunächst besagte 200 Geflüchtete zugewiesen. Danach entscheidet die Bezirksregierung über weitere Zuweisungen.

Manfred Sicking, städtischer Beigeordneter für Wirtschaft, Soziales und Wohnen, erinnert sich noch gut an die Anfänge vor drei Jahren. Damals lief es nicht mit so viel Vorlauf ab: „Im Jahr 2015 kamen 890.000 asylsuchende Menschen nach Deutschland. 2016 waren es etwa 280.000, 2017 dann schon nur noch 186.000 und in diesem Jahr 25.000. Anhand dieser Zahlen können wir auch eine Prognose für unsere Stadt stellen und besser damit umgehen.“ Man rechne damit, dass ab Juli nach den nun zugewiesenen 200 weitere 40 Geflüchtete pro Monat nach Aachen kommen werden. Das ist laut Sicking jedoch nur eine „Momentaufnahme“, da sich die Zahlen täglich verändern könnten. Dennoch blickt man auch dieser Quote gelassen entgegen, da genügend Unterkünfte zur Verfügung stünden.

Zwar sollen die Container in der Leo-Löwenstein-Kaserne und die Stubenhäuser in der Körner-Kaserne nun komplett aufgegeben werden, wie Frankenberger mitteilt, aber es gebe insgesamt 23 Übergangswohnheime und rund 300 Wohnungen. Ein Stubenhaus ist derzeit noch bewohnt, die Bewohner sollen in die städtische Immobilie Tempelhofer Straße 4-6 verlegt werden. „Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr war wirklich außerordentlich gut und unbürokratisch“, sagt Frankenberger. Aber nun sei es an der Zeit, neue Wege zu gehen. Die Container an der Adenauerallee blieben aber erst einmal erhalten. Zumindest so lange, bis aus dem Bereich ein offizielles Wohngebiet geworden ist.

Dort wird auch eine der alleinreisenden Frauen, die in dieser Woche angekommen ist, untergebracht. Und das Schöne: „Die Anwohner kümmern sich rührend um die Menschen“, sagt Frankenberger. Anfangs hatte es seitens der Anwohner Bedenken gegeben. Inzwischen sei das Verhältnis „sehr einvernehmlich“. Zudem merkt Frankenberger an, dass die Container auch Vorteile hätten. „Es sind abgeschlossene Einheiten“, und die böten für die Geflüchteten eben auch ein wenig Privatsphäre.

Künftig wird die Stadt dauerhaft 1000 Plätze für die Unterbringung von Flüchtlingen vorhalten, so wird es von der Politik erwartet. Der Ausschuss für Soziales, Integration und Demografie wird sich im Übrigen in seiner Sitzung am 26. April ebenfalls mit dem Thema „Unterbringung von Flüchtlingen“ beschäftigen.

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