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1970 kam die Hippie-Bewegung in Aachen an

Woodstock-Feeling in Aachen : Berauschte Jugendkultur eckte oft an

Archival des Monats: Ein Musikfestival im Juli 1970 stellte Aachen auf den Kopf. Ein Jahr nach Woodstock erreichte die eher skeptische Bevölkerung ein Hauch von Flowerpower, Freiheitsgefühl und Sehnsucht nach Frieden.

In Aachen fand vom 10. bis zum 12. Juli 1970 ein Musikfestival statt, wie es die Stadt und die Region in vielerlei Hinsicht noch nicht gesehen hatten. Die Rockmusik in ihren verschiedenen Varianten stand 1970 wie wahrscheinlich noch kein Musikstil vor ihr für ein Lebensgefühl, das vom Wunsch nach Freiheit und Frieden geprägt war.

Unbekanntes Lebensgefühl

Für die Bevölkerung im Grenzland war das Aachener Open-Air-Festival ein geballter, direkter Kontakt mit diesem Lebensgefühl in bis dahin nicht gekannter Form. „Blumenkinder, Hippies und Gammler“ wurden von der Aachener Presse erwartet. Ein Jahr nach Woodstock strömten an den drei Festivaltagen zwischen 20.000 und 45.000 – die Angaben schwanken – oft internationale Besucher ins Aachener Reitstadion, um Bands wie z.B. Deep Purple, Golden Earring und Pink Floyd zu sehen.

 Das Festival hatte in den Wochen vor seiner Eröffnung bereits seine Schatten vorausgeworfen, die Stadt war in fiebriger Erwartung der Konzerte, aber auch der zahlreichen Besucher, die eine Ausprägung des westlichen Zeitgeistes in das – abseits des studentischen und jugendlichen Milieus – eher skeptische Aachen brachte.

 Die antibürgerliche Mode, lange Haare und der Marihuana-Konsum vieler Festivalbesucher, aber auch das wilde Übernachten in der Stadt und delirierende Jugendliche waren die thematischen Dauerbrenner der damaligen Berichterstattung. Die Aachener Zeitungen berichteten nur wenig über die Musik, dafür viel mehr über das Drumherum, oft mit spitzem Unterton, der den kritischen Blick auf die allzu berauschte Jugendkultur ausdrückte. Dennoch dokumentierten die Aachener Redakteure die Geschehnisse in der Soers sehr aufmerksam und – für die, die nicht hingehen konnten oder wollten – mit großen Bilderstrecken in den Tageszeitungen.

Ursprünglich hatten die Veranstalter dem Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) versprochen, dass die Besucher den Rasen des Reitstadions nicht betreten würden, doch war dies mehr ein frommer Wunsch als realistisch. Ein weiteres Problem für die Stadt, die einen Einsatzstab gebildet hatte, der aus Angehörigen von Ordnungsamt, Jugendamt, Gesundheitsamt und Amt für Zivilschutz bestand und der vor Ort vom Malteser Hilfsdienst, den Johannitern und dem Rotem Kreuz unterstützt wurde, waren die Übernachtungsmöglichkeiten für die vielen Tausend Festivalgäste und ihre Verpflegung. So wurden drei ehemalige Luftschutzbunker geöffnet und als Schlafstätten freigegeben, was dankend angenommen wurde; auf der Küppers Wiese am Soerser Weg richteten Stadt, Veranstalter und ALRV zusätzlich ad hoc einen Campingplatz ein. Die Federführung bei der Begleitung der Veranstaltung lag beim Kreis Aachen beziehungsweise der damals noch selbstständigen Gemeinde Laurensberg, auf deren Gebiet das Veranstaltungsgelände lag.

Derweil sorgten die „Gammler“ in der Innenstadt wie hier am Elisenbrunnen (kleines Foto links) bei der konservativen Bevölkerung für Unmut. Foto: MHA/Sepp Linckens