Aachen: 1260 Plädoyers für eine vierte Gesamtschule

Aachen: 1260 Plädoyers für eine vierte Gesamtschule

Schön aufbereitet in einer großen Pappkiste lagerten gestern 1260 Unterschriften von Eltern, fleißig gesammelt von Befürwortern einer vierten Gesamtschule in Aachen.

Adressat war das im Ratssaal tagende Bürgerforum unter Vorsitz von Karl Schultheis. „1260”, die Zahl stand fotogen auf der Außenseite des Kartons, daneben eine andere, ebenso wichtige Zahl. „1184” stand dort, und als Erklärstück für die Politiker hatte man hinzugefügt, dass diese Anzahl von Kindern in den letzten fünf Jahren keinen Platz in den bestehenden drei Gesamtschulen bekommen habe.

Als Vertreterin der Schulpflegschaft der Maria-Montessori-Gesamtschule hatte Christiane Schwarz es in die Hand genommen, den Elternwillen nochmals auf den Punkt zu bringen. „Es spricht Bände, dass so viele für eine weitere Gesamtschule in Aachen sind”, bekräftigte Schwarz die Forderungen. In den Fraktionen des Stadtrats seien die Eltern bei Gesprächen „auf viel Verständnis und Offenheit” gestoßen, was dieses Thema angehe.

Schwarz bemängelte, dass das bestehende Bildungssystem nicht sonderlich flexibel sei. Hier biete die Gesamtschule den höchsten Grad an Durchlässigkeit, gerade für Kinder mit Migrationshintergrund sei das wichtig. Dazu habe man inzwischen mit dem Gesamtschulkonzept lange und gute Erfahrungen. Schwarz: „Hier wird ein bewährtes pädagogisches Konzept verfolgt.”

Ulla Griepentrog (Grüne) dankte den Eltern für ihr „Engagement für so ein wichtiges Thema” und verwies auf den gemeinsamen Ratsantrag von Grünen und CDU mit dem Titel „Überarbeitung der Schulstruktur”, in dem die „Bildung von Schulverbünden inklusive der Option einer vierten Gesamtschule” ins Auge gefasst werde. Man sehe aktuellen Handlungsbedarf in der Stadt, hieß es auch von Seiten der CDU, bei dem Thema vertreten durch den Ratsherrn Ralf Otten. Aber auch SPD und „Die Linke” sprachen sich für die Gesamtschule aus. Angesichts sinkender Schülerzahlen rede man hier natürlich nicht von einem Schulneubau, bremste Karl Schultheis die aufkeimende Euphorie ein wenig. Denn das Bürgerforum diskutierte bereits die Standorte Eilendorf, Haaren oder Verlautenheide für eine vierte Gesamtschule. Bis Oktober soll es nun eine „entscheidungsreife Vorlage” der Verwaltung zur Schulstruktur geben, der Ausschuss empfahl das dringend.

Montessori-Eltern besorgt

Auf ein Problem der Montessori-Grundschulen machte Michael Chauvistré, Schulpflegschaftsvorsitzender der Grundschule Reumontstraße, aufmerksam. Da die Schulbezirksgrenzen aufgehoben sind, erhielten nach der Kita-Zeit in einem Montessori-Kinderhaus nicht alle Familien, die dies wünschten, einen Platz an einer der Montessori-Grundschulen. Betroffen seien aktuell zwölf Kinder von Familien, die neu in die Stadt Aachen gezogen seien.

Der Vertreter des Schulverwaltungsamts, Manfred Ernst, bestätigte die Problematik und versicherte, dass man in diesem Jahr noch auf unbürokratische Art und Weise Abhilfe schaffen wolle. „Die Eltern sollen sich bei uns melden”, riet er Chauvistré.

Keine Radtrasse in der Fußgängerzone

Die Eingabe der überzeugten Radfahrerin Ursula Bender, die Fußgängerzone in Burtscheid für den Radverkehr freizugeben, stieß auf wenig Gegenliebe im Bürgerforum. Man könne das Rad ohne weiteres durch Burtscheid schieben, war die einhellige Meinung.

Bender hatte in einer aufwändigen Eingabe mit genauen Routenberechnungen für den kurzen Weg durch Burtscheid geworben. Die Ausrichtung Burtscheids als Kurbezirk und als Wohnort von älteren Menschen „mit ihren Rollatoren” schreckte ab, das Bürgerforum gab keine Empfehlung. Jetzt sollen sich die Fachausschüsse mit dem Thema befassen.