Linken-Politiker Andrej Hunko trifft Venezuelas Präsident Maduro

Kommentar zu Hunko in Venezuela : Vorsicht, Doppelmoral

Politiker müssen sich sachkundig machen. Informationen und Eindrücke lassen sich am besten vor Ort sammeln. Für Außenpolitiker bedeutet das: Sie müssen reisen – auch in Krisengebiete.

Der linke Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko hat das getan. Er ist auf Kosten seiner Fraktion nach Venezuela geflogen und hat dort ein Gespräch mit dem umstrittenen Staatschef Nicolas Maduro geführt. Dafür wird der Aachener nun vom politischen Gegner heftig attackiert. Doch die Kritik an ihm ist weit überzogen.

Gewiss: Venezuelas starker Mann ist kein Demokrat. Maduro herrscht zunehmend autokratisch. Er trägt Mitverantwortung für die schwere politische und wirtschaftliche Krise, die das südamerikanische Land immer näher Richtung Abgrund treibt. Hätte Hunko sich auf seiner Reise allein mit ihm getroffen, der Vorgang wäre in der Tat peinlich und beschämend gewesen.

Gespräche mit der Opposition

Doch eben das hat der Aachener bewusst vermieden. Um sich ein eigenes Bild von der Lage in Venezuela machen zu können und nach Möglichkeiten für eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen Regierung und Opposition zu suchen, kontaktierte er eine ganze Reihe weiterer Persönlichkeiten. Auf der langen Liste seiner Gesprächspartner standen Menschenrechtsaktivisten, Gewerkschafter, Mitglieder von internationalen Hilfsorganisationen sowie ein katholischer Erzbischof. Auch mehrere Vertreter der politischen Opposition hat Hunko getroffen, vorneweg Parlamentspräsident Juan Guaido. Was ist an der Reise also verwerflich?

Natürlich sollten Politiker darauf achten, gerade anrüchigen Gesprächspartnern keine Steilvorlage zu geben, ein Treffen propagandistisch ausschlachten zu können. Vor einer Vereinnahmung geschützt ist allerdings niemand. Das mussten deutsche Politiker schon häufig erfahren. Ob Hunko im Falle seines Kontakts zu Maduro glücklicher agiert und genügend Distanz gezeigt hat, lässt sich aus der Ferne kaum beurteilen.

Auch dass der Aachener während des Gesprächs Wirtschaftssanktionen und Kriegsdrohungen gegen Venezuela verurteilt hat, ist kein Skandal. Hunkos Position geht sicherlich einigen gegen den politischen Strich. Aber das macht ihn nicht automatisch zum Handlanger seines Gastgebers.

In der Empörung über Hunkos Reise schwingt sehr viel Doppelmoral mit. Es gehört zum außenpolitischen Alltag, auch Personen zu treffen, die keine lupenreine Demokraten sind. Der christdemokratische Wirtschaftsminister Peter Altmaier weilt beispielsweise derzeit in China, um dort Gespräche mit Spitzenfunktionären zu führen. Stört das irgendjemanden? Dabei werden in dem Land demokratische Standards und Menschenrechte weit schwerer verletzt als in Venezuela. Schlimmer noch sieht es in Saudi-Arabien aus. Trotzdem haben manche von Hunkos lautstarken Kritikern kein Problem damit, das Königreich wieder mit deutscher Waffentechnologie zu beliefern. Ist das nicht verwerflicher als mit einem Mann lediglich zu reden, der sich mit höchst zweifelhaften Methoden an seine Macht klammert?

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