Leserbriefe zur Rassismusdebatte: Von schwarzen und weißen Schäfchen

Leserbriefe zur Rassismusdebatte : Von schwarzen und weißen Schäfchen

Unsere Leser beschäftigen sich mit der Debatte um die Darstellung des Melchiors, einem der Heiligen Drei Könige. Hier finden Sie die Leserbriefe zum Thema.

Manfred Käver aus Alsdorf beschäftigt sich mit dem Text „Kontroverse Debatte um Melchior“ mit der in einer Kirchengemeinde in Ulm entfachten Frage, ob die Darstellung der Heiligen Drei Könige mit dem schwarzen Melchior rassistisch sein könnte:

Bei der akribischen Suche nach angeblichen Diskriminierungen von Minderheiten sind die Gutmenschen und selbsternannten Sittenwächter wieder fündig geworden. Nach Zigeunerschnitzel (wa­rum nicht Jägerschnitzel?) und Negerkuss wurde jetzt der schwarze Melchior der Heiligen Drei Könige als Sinnbild der Diskriminierung ausgemacht und beklagt. Fakt ist, dass es Menschen verschiedener Herkunft, verbunden mit einem optisch unterschiedlichen Erscheinungsbild, gibt. Was daran verwerflich ist, dies zu repräsentieren, ist nicht nachvollziehbar, es sei denn, wie oben erwähnt, es wird geradezu zwanghaft danach gesucht – wie auch schon die Frage nach der ursprünglichen Herkunft der zugereisten Menschen schon als verwerflich gilt. Geht’s noch? Diese Frage wird Millionen Urlaubern durch die jeweiligen Einheimischen gestellt. Dies wird als Interesse und somit positiv gewertet. Abschließend sei festgestellt, dass es anmaßend und unverschämt ist, anderen Menschen wider besseren Wissens Diskriminierung zu unterstellen.

Armin Heck aus Stolberg äußert sich auch zur Rassismusdebatte:

Jetzt sind also auch die Heiligen Drei Könige rassistisch beziehungsweise Melchior. Ich glaub’ es nicht! Wo sind wir? Er symbolisiert den Kontinent Afrika. Afrikaner sind in der Regel schwarz. Was ist daran rassistisch? Am besten schaffen wir die Heiligen Drei Könige gleich ab. Es wird langsam lächerlich. Die Zigeunersoße ist keine Zigeunersoße mehr, Negerküsse sind keine Negerküsse mehr, und Jim Knopf ist auch rassistisch. Haben die Menschen in Deutschland keine anderen Probleme? Bei mir bleibt Melchior schwarz. Jeder, der nach Deutschland kommt, ist willkommen. Wer aber meint, unsere Kultur und Tradition ändern zu müssen, der sollte sein Glück in einem anderen Land probieren.

Josefine Schimmelpfennig aus Aachen meint zum Thema „Weihnachten ohne Weise“:

Da stieg mein Blutdruck bedenklich an, nachdem ich den Artikel „Kontroverse Debatte um Melchior“ gelesen hatte. Haben wir zurzeit nicht ganz andere Sorgen? Für mich hat diese Rassimusdebatte bald ihren Höhepunkt erreicht. Bitte jedem seinen Glauben und seine Traditionen – uns aber auch!

Renate Katterbach aus Herzogenrath meldet sich auch zu den Heilige Drei Königen zu Wort:

Ich muss mich sehr wundern und viele andere mit mir, dass die Hautfarbe eines der Drei Könige nach einer jahrhundertelangen Tradition auf einmal nicht meh ich frage mich: Was geht in seinem Kopf vor? Es ist doch allgemein bekannt, dass alle Menschen Geschöpfe und Kinder Gottes sind und dass es unsere Aufgabe ist, sie als unsere Brüder und Schwestern anzuerkennen und anzunehmen, egal welche Hautfarbe sie haben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Jesuskind seine helle Freude daran gehabt hätte, dass ein Mensch anderer Hautfarbe ihm die Ehre erwies. Wie kämen wir Menschen dazu, es uns anzumaßen darüber zu entscheiden, welche Hautfarbe anerkannt und welche gestrichen werden muss, weil es diskriminierend wäre, sie öffentlich zu zeigen? Wo bleibt hier der gesunde Menschenverstand, der früher mal allgemeine Gültigkeit hatte und für den wir uns heute schämen müssen, weil er zur Diskriminierung führt? Ich kenne keine Glaubensgemeinschaft mit einem solchen Ansinnen.

Burkhard Brenk aus Aachen schaltet sich ebenfalls in die Diskussion ein:

Mit dieser Rassismusdebatte werden noch die letzten Schäfchen aus den schon leeren Kirchen vertrieben – und das zu Recht! Sicherlich hat die evangelische Kirche große andere Sorgen. Wo bleibt die zeitgemäße Kirche mit ihren früheren Gottesdienstfeiern? Es gibt nur noch Trauergottesdienste mit kaum zu verstehenden mittelalterlichen Texten und Melodien der lange überholten Gesangsbücher, die mit den mittelalterlichen Liedern und den wenigen Besuchern nur noch dahindämmern, mit Predigten, die nicht auf die Probleme dieser Zeit eingehen. Und dann folgt auf so eine Äußerung keine Reaktion der Kirchenleitung? Es ist beschämend! (Zum Glück gibt es noch einige wenige Ausnahmen!)

Herbert Jansen aus Inden befasst sich auch mit Melchior:

Melchior muss weg! Seltsame Zeiten. Nun hat es auch Melchior vom Weihnachtsweisen-Triumvirat erwischt. Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Neben dem Sarotti-Mohren oder der Mohren-Apotheke nun auch die Krippenfigur. Wie geht es weiter? Der Name der Martin-Luther-Straße in Berlin? Profane Bezeichnungen wie Sohn oder Zugführer möchten die „Black Lives Matter“-Beweger, Queer-Feministen, Gender-Aktivisten und Sprach-Hygieniker gerne ausmerzen. Der Berliner Justizsenator Dirk Behrendt gab nun seinen Mitarbeitern einen Sprachleitfaden an die Hand für „Mitarbeitende der Berliner Verwaltung zum diversitysensiblen Sprachgebrauch“. Demnach sollen Menschen mit Migrationshintergrund zukünftig so nicht mehr genannt werden. Stattdessen soll es ab jetzt „Menschen mit internationaler Geschichte“ heißen. Richtig putzig wird es im Transgender-Sprachgebrauch. So möchte man nicht mehr lesen oder hören: „Sie war früher ein Mann.“. Stattdessen heißt es korrekt: „Er wurde bei seiner Geburt falsch eingeordnet.“ Das Wort „schwarz“ scheint auf dem besten Wege, komplett aus unserem Sprachgebrauch verdrängt zu werden. So sind Begriffe wie „schwarzärgern“, oder „Schwarzfahrer“ sowie „anschwärzen“ nicht mehr zulässig. Ach, das Wort „Sohn“ wurde in der TV-Talkshow „hart aber fair“ von einem Gast in dessen Kita verpönt, als er seinen „Sohn“ dort abholen wollte. Ihm wurde freundlich, aber direkt erklärt, „Sohn“ sagt man in dieser Kita nicht mehr, stattdessen heißt es korrekt „Kind mit Penis“. Schön, wenn es einem Land so unendlich gutgeht. Leider sind fast alle Hochkulturen durch ihre eigene Dekadenz untergegangen!

Uschi Cool aus Eynatten richtet das Wort an Melchior selbst:

Lieber Melchior, vor 2020 Jahren hattest du dich in Schale geworfen. Du hattest deine schönsten Kleider angezogen, deine goldenen Ohrringe angesteckt und hast dich auf den Weg gemacht, um zum Feste Christi Geburt angemessen zu erscheinen. Nun, 2020 Jahre später, hat sich der gesellschaftliche Geist geändert. Du darfst nicht mehr so aussehen, wie afrikanische Könige zu der damaligen Zeit aussahen. Auch die Darstellung deiner Lippenform wird heute beanstandet. Dabei lassen sich weiße Frauen genau solche Lippen für viel Geld aufspritzen. Ach, Melchior, ich stelle mir vor, wie du demnächst mit grazilen Gesichtszügen in einem schicken Businessanzug vor der Krippe stehst, Denn knien geht im Armani-Anzug nicht mehr so gut und ist außerdem heutzutage ein Zeichen der Diskriminierung. Ich frage mich auch, wie deine Kollegen damit umgehen. Müssen Caspar und Baltasar nicht auch geschichtlich entstaubt werden? Und das halbnackte Kind in der Krippe – da will ich nicht weiterdenken, was man da alles hineininterpretieren kann ...