Leserbriefe zur NATO-Übung: Umstrittenes Manöver der Luftwaffe für den Atomfall

Leserbriefe zur NATO-Übung : Umstrittenes Manöver der Luftwaffe für den Atomfall

Zu unserem Bericht „Luftwaffe trainiert für den Atomfall“ über eine geheime Nato-Übung unter anderem in Nörvenich, bei der auch Einsätze mit Jagdbombern trainiert werden, die mit Nuklearwaffen ausgerüstet werden können, erreichten uns zahlreiche Lesermeinungen.

Friedegard Siepmann-Karrenbrock aus Aachen:

Wie kann es sein, dass angesichts der  Corona-Pandemie, des Klimawandels und des zunehmenden Rassismus und Populismus in dieser Welt auch noch der Atomkrieg geübt werden muss?  In dieser Situation müssen doch alle Kräfte in dieser Welt gebündelt werden, um gemeinsam diesen zerstörerischen Gefahren entgegenzutreten! In den achtziger Jahren gab es angesichts des damaligen Wettrüstens eine breite Friedensbewegung, die tatsächlich dazu beigetragen hat, die Anzahl der Atomwaffen in Europa drastisch zu senken. Aber heutzutage besteht die Gefahr darin, dass durch die Aufrüstung mit sogenannten Mininukes, Atomwaffen, die „nur“ die Sprengkraft der Nagasaki-Bombe haben, die Führbarkeit eines Atomkrieges vorgegaukelt wird. Zudem sieht die neue amerikanische Nukleardoktrin den Einsatz von Atomwaffen auch schon „als Reaktion auf ‚bedeutende nicht-nukleare strategische Angriffe’ auf Ziele in den USA“ vor. Dieser immensen Gefahr muss durch ein weltweites Erstarken der Friedensbewegung entgegengewirkt werden, um die Folgen des Klimawandels in den armen Ländern zu mildern und sich für den Ausgleich des krassen globalen Wohlstandsgefälles zugunsten von sozialer Gerechtigkeit einzusetzen.

Warum kann Deutschland da nicht mit gutem Beispiel vorangehen und dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten?

Dres. Georg und Odette Klepper aus Aachen:

Die deutsche Luftwaffe nimmt an geheimen Manövern teil, die zur Abwehr eines vermeintlichen Feindes mittels Atomwaffen dienen sollen. Im März 2010 forderte der Bundestag fraktionsübergreifend den Abzug sämtlicher Atomwaffen aus Deutschland. Zehn Jahre sind seitdem vergangen und was ist passiert? Die Bundesregierung bekräftigt immer wieder ihren Wunsch nach einer atomaren Abrüstung,  und was tut sie dafür? Sie übt den Einsatz von US-Atomwaffen und plant den Kauf neuer Jagdbomber, um damit den Einsatz modernerer, präziser steuerbarer Atombomben zu ermöglichen. Statt ab- wird aufgerüstet. Dabei gäbe es eine historische Chance, das Wettrüsten zu beenden, nämlich der Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag der UNO von 2017. 122 Nationen haben ihm zugestimmt, bisher 84 ihn unterzeichnet und 47 ratifiziert. Deutschland hat sich nicht mal an den Vorverhandlungen beteiligt.

Was bedeutet aber die nukleare Teilhabe für uns hier in Aachen und Umgebung? Kleine Brogel in Belgien: 10-20 Atombomben, 60 km Luftlinie von Aachen entfernt, Volkel/NL: 10-20 Atombomben, 100 km, Büchel/D: 10-20 Atombomben, 97 km. Diese Atombomben machen uns zu einem denkbaren Ziel im Falle einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Atomwaffen.

Bernd Bremen aus Aachen:

Der auf eine Agenturmeldung zurückgehende Artikel, wonach die NATO unter Beteiligung der Bundeswehr-Luftwaffe derzeit in Nörvenich und am Atombombenstandort Büchel den Atomkrieg „übt“, übernimmt leider den verharmlosenden Propagandajargon der Militärs, wonach mit dem geheimen Steadfast-Noon-Manöver „das Bündnisgebiet verteidigt“ werden soll. Dabei ist man sich mit der großen Mehrheit der Bevölkerung und der Wissenschaft einig, dass mit Atomwaffen rein gar nichts „verteidigt“, aber sehr wohl alles vernichtet werden kann.  Wie ist dieses Kriegsmanöver mit dem Selbstverständnis einer Demokratie vereinbar? Nicht einmal die Abgeordneten des deutschen Bundestages erhalten eine konkrete Auskunft zu den Vorgängen. Allein in unserer Region gibt es drei Atombombenstandorte in einem Luftlinienradius von ca. 100 km. Im Kriegsfall sind diese Lager primäre Angriffsziele eines Gegners, wodurch der hiesigen Region die totale Vernichtung und damit die Unbewohnbarkeit droht. Die Tatsache, dass mittlerweile 47 Staaten den UN-Atomwaffenverbotsvertrag ratifiziert haben, macht Mut. Sorgen wir dafür, dass Deutschland bald dazu gehört!

Werner Schering aus Nörvenich:

Mit Erschrecken habe ich den  Artikel gelesen. Offiziell strebt die Bundesrepublik eine Welt ohne Atomwaffen an. Die praktische Politik sieht aber so aus, dass die Bundeswehr für die amerikanischen Streitkräfte Atomwaffen in Deutschland und Europa einsetzen kann. Auch wenn die BRD selbst keine Atomwaffen besitzt, will die Bundeswehr in der Nato atomwaffenfähig sein.  Die Flughäfen Büchel und Nörvenich sind sowieso schon mögliche Angriffsziele in einem Krieg. Die Auswirkungen beim Einsatz von Atomwaffen werden noch viel grausamer sein. Als Einwohner der Gemeinde Nörvenich sind wir schon durch den Lärm des normalen Flugbetriebes massiv belästigt. Bei den Luftkampfübungen der letzten Wochen kommt man sich jetzt schon vor wie im Krieg.  Neben dem Lärm trägt der Flugbetrieb mit Abgasen und dem Ablassen von Kerosin vor der Landung zu erheblichen Umweltbelastungen bei. Ich spreche mich für eine deutliche Reduzierung des Flugbetriebes in Nörvenich aus.