Leserbriefe zum Thema Klima und Energie: Probleme der Natur und der clevere „Ingeniör“

Leserbriefe zum Thema Klima und Energie : Probleme der Natur und der clevere „Ingeniör“

Mit der Gefährlichkeit des Unkrautvernichters Glyphosat, dem angekündigten Untergang der Zivilisation, der Rolle von Angela Merkel beim Klimaschutz und der Nutzung von Wasserstoff als Treibstoff beschäftigten sich die jüngsten Einsendungen unserer Leser.

Dr. Marcus Jansen aus Eschweiler beschäftigt sich mit dem Artikel „Statt Glyphosat: Mit Strom gegen Unkraut“:

Es wird von einer Verzehnfachung des Herbizidverbrauchs in den letzten fünf Jahren gesprochen. Die Zahlen des Umweltbundesamtes – nicht gerade als Teil der Agrarlobby bekannt – sagen etwas anderes, nämlich dass der Verbrauch in den letzten 15 Jahren ungefähr konstant blieb. Dennoch ist es wichtig, nach alternativen Methoden zu suchen, denn die Gefahr von Resistenzbildung bei Unkräutern ist nicht auszuschließen.

Von der vorgestellten Maschine wird einerseits gesagt, sie könne „statt Glyphosat“ eingesetzt werden, andererseits wird sie als „eignet sich [...] für Kartoffel- und Rübenfelder“ dargestellt.

Das widerspricht sich, denn in Kartoffel- und Rübenfeldern würde niemand Glyphosat einsetzen, sonst wären die Rüben und Kartoffeln gleich mit vernichtet. Glyphosat ist ein Totalunkrautvernichter, der kann allenfalls vor der Aussaat angewendet werden, aber nicht, wenn die Nutzpflanzen schon wachsen. Eine nicht-chemische Alternative zu Glyphosat ist das Umpflügen.

Es gibt jedoch selektive Unkrautvernichter, die zum Einsatz in Rüben- oder Kartoffelfeldern geeignet sind. Zu diesen Stoffen könnte die Maschine eine Alternative oder Ergänzung sein.

Ob die Maschine für die Umwelt besser ist als die chemischen Unkrautvernichtungsmittel, ist fraglich, denn offenbar wird ein großer Stromgenerator an den Traktor gehängt, der dann den Diesel-Verbrauch stark nach oben treiben wird. Und Diesel-Abgase sind bekanntlich nicht nur klima- und umweltschädlich, sondern auch krebserregend.

Willi Packbier aus Eupen meldet sich zum „Seite Drei“-Text „Verdunklung des moralischen Horizonts“ mit dem Bonner Philosophen Markus Gabriel zu Wort:

Ich kann die Aussagen von Herrn Gabriel nicht nur akzeptieren, sondern sehe in diesen Aussagen eine Richtlinie für eine bessere Gesellschaft. Solche Ausführungen machen Mut und heben sich wohltuend von all den diffusen Gedankengebäuden, mit denen die Menschheit geradezu bombardiert wird, ab.

Robert Peters-Gehrke aus Aachen bezieht sich ebenfalls auf den Text über den Philosophen Markus Gabriel:

Prophezeiungen wie die des Bonner Philosophen Markus Gabriel zum Untergang der Zivilisation in den nächsten 100 Jahren bei Nichtbewältigung der Klimakrise sind nicht nur nicht vom Stand der Forschung gedeckt, sondern, was wesentlich schlimmer ist, Wasser auf die Mühlen der Klimawandelleugner, die alle Warnungen eh als Hysterie abtun, erst recht solch apokalyptische Szenarien. Die renommiertesten Klimaforscher der Welt, etwa Michael E. Mann und Zeke Hausfather, sind sich einig, dass die Folgen des Klimawandels drastisch sein werden, wenn wir nicht handeln, dass ein Zusammenbruch der Zivilisation aber weder unvermeidlich noch wahrscheinlich ist. Apokalyptische Szenarien führen eher zur Passivität denn zum Handeln, das sollte gerade einem Philosophieprofessor klar sein.

Renate Hanisch aus Aachen schildert ihre Beobachtungen in der Natur:

Ende August/September sterben die Wespen. Nur vereinzelte surren noch herum. Die Igel sind fast alle „unterernährt“, da sie durch den heißen Sommer kaum Schnecken finden. Sie fressen auch „Rattengift“, was ausgelegt ist, und sterben qualvoll. Unser Ökosystem versagt durch den Klimawandel!

Rüdiger Karbowski aus Alsdorf beschäftigt sich mit dem Bericht „Thunberg fordert Mut von Merkel“:

Es ist mittlerweile 13 Jahre her. Zu der Zeit war die deutsche Kanzlerin bestürzt, abbrechende Gletscher live zu erleben und beschwor die Welt, unbedingt etwas für den Klimaschutz zu tun. Durch ihr Engagement stilisierte sie sich seinerzeit zur Klima-Kanzlerin empor – mit Alleinstellungsmerkmal. Hätte sie die ihr zugedachte Rolle anschließend weiterentwickelt und ernsthaft weiterbetrieben, wäre möglicherweise die „Fridays for Future“-Bewegung gar nicht erst entstanden. Aber Wunschdenken und Realpolitik kommen nur selten überein. Sie ließ das Thema nicht oben auf der Agenda, anderes nahm den vorgesehenen Platz ein – die Finanzkrise ein Jahr später.

Ein Jahrzehnt später übernahm eine andere die Führungsrolle in der Klimakrise – Greta Thunberg. Nachdem Merkel und der Rest der Welt wieder mal auf der Pariser Klimakonferenz Besserung gelobten, aber lediglich Lippenbekenntnisse von sich gaben, demonstrierte Thunberg. Sie übernahm die Rolle, die Merkel liegenließ. Mit dreien ihrer Mitstreiterinnen traf sie sich nun. Thema Klimaschutz. Es wurde vonseiten Merkels brav wiederholt, dass den Industriestaaten eine besondere Verantwortung zur Bekämpfung der Erderwärmung zukommt. Also nichts Neues – seit Jahrzehnten nicht.

Und jetzt will die „Fridays for Future“-Bewegung ausgerechnet die Kanzlerin zur Galionsfigur für ihre Ziele machen. Keine so gute Idee – befindet sich Merkel doch auf ihrer Politikabschiedstour. Aber Lippenbekenntnisse gehen noch. Und außerdem sind die Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus viel dringender und stehen an erster Stelle. Wie damals bei der Finanzkrise.

Politik kann eben nur augenscheinliche Krisenbewältigung und ist nicht in der Lage, in die Zukunft zu schauen und das Handeln ernsthaft darauf auszurichten. Das regeln dann die Kollegen in einigen Jahrzehnten.

Reiner Dauven aus Aldenhoven kritisiert den Karlo-Clever-Artikel „Treibstoff der Zukunft“:

Unter „Aktuelles für Kinder“ präsentiert Karlo Clever einen dpa-Artikel zum grünen Wasserstoff. Sicher ist es nicht ganz einfach, dieses Thema Kindern zu präsentieren, aber grundsätzliche Probleme bei der Nutzung von Wasserstoff werden schlichtweg ausgeklammert.

Gleichgültig, wo der elektrische Strom zur Erzeugung von Wasserstoff herkommt, physikalisch geht schon bei der Herstellung von Wasserstoff ein wesentlicher Anteil der eingesetzten elektrischen Energie verloren. Wenn dann der Wasserstoff im Bereich der Mobilität mittels einer Brennstoffzelle wiederum in Elektrizität zum Antrieb von Elektromotoren eingesetzt wird, geht wiederum ein nicht unwesentlicher Anteil der im Wasserstoff enthaltenen Energie verloren. Der im Bild gezeigte Zug der Rurtalbahn ist das klassische Beispiel für einen Irrweg beim Einsatz von Wasserstoff.

Die Bundesbahn würde niemals auf die Idee kommen, in der ganzen Republik die Oberleitungen für die Züge abzubauen und stattdessen nur noch Züge mit Wasserstoff fahren zu lassen. Durch die Oberleitungen wird der elektrische Strom direkt und mit weitaus geringeren Verlusten genutzt.

Grünen Wasserstoff im Bereich der Mobilität, also beim Pkw, Lkw, in der Schifffahrt etc., einzusetzen, schafft auf dem Markt des Wasserstoffes und dessen Preises eine so hohe Nachfrage, weil, anders als im Artikel behauptet wird, Wasserstoff nicht (!) unbegrenzt vorhanden ist, sondern als grüner Wasserstoff hergestellt werden muss. Allenfalls der Ausgangsstoff Wasser ist unbegrenzt vorhanden.

Die Stahlindustrie etwa ist darauf angewiesen, wenn sie emissionsfrei werden will, und hat anders als die Rurtalbahn keine Alternative, sondern müsste ihre Produktion einstellen, und das ist nicht das einzige Beispiel aus der Industrie.

Eckard Köppel aus Aachen reagiert auf den Leserbrief von Alfred Meißner aus Aachen, der die Frage aufwarf, woher der Strom für Heizung, Licht und die elektrischen Geräte herkomme, wenn nachts der Wind nicht weht:

Lieber Kollege Meißner, ich verstehe ihre Argumentation nicht so recht: Das Problem, was die Ingenieure zu lösen haben, ist doch lediglich die Speicherung des erneuerbaren Stroms für den Zeitraum, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Die Ingenieurskunst hat doch auch vor 75 Jahren ermöglicht, eine Atombombe auf Hiroshima abzuwerfen, Jahre später auf dem Mond zu landen und andere „herausragende“ Leistungen erbracht.

Warum sollte jetzt die geballte deutsche Ingenieurskunst dieses verhältnismäßig kleine Problem nicht lösen und Speichertechnologien entwickeln können? Es ist meines Erachtens nur eine Frage des Wollens, nicht des Könnens. Solange aber die großen Betreiber von Kohlekraftwerken und Kernkraftwerken das Sagen haben, wird das „Wollen“ weiterhin klein geschrieben werden.

Während meines Studiums hieß es stets „Dem Ingeniör ist nichts zu schwör“, und das gilt doch immer noch, oder?

Harald Conrad aus Jülich antwortet auf den Leserbrief von Dr. Peter Puschner aus Aachen, der den Stromverbrauch bei der Produktion von Wasserstoff thematisierte:

Man kann Herrn Dr. Peter Puschner beruhigen: An den Verlusten der Energieumwandlung bei der Wasserstoffherstellung wird das Verfahren nicht scheitern, schon eher an Politikern, die solch falschen Argumenten zugänglich sind. So hat zum Beispiel Herr Dr. Peter Puschner in seinem Leserbrief die Frage des Nutzungsgrades unbegründet zum einzigen Kriterium zur Beurteilung verschiedener Prozesse der Energieumwandlung bei der Wasserstoffherstellung gemacht. Wie falsch das ist, soll folgende kleine Rechnung zeigen: 2017 betrug der gesamte Weltenergieverbrauch laut Wikipedia rund 160.000 Terawattstunden (Tera entspricht einer Eins mit zwölf Nullen). Nehmen wir an, diese Energiemenge wird vollständig als Wärme freigesetzt, so ist das die Obergrenze des menschengemachten Beitrags zur Wärmestrahlungsbilanz der gesamten Erdoberfläche (etwa 510 Millionen Quadratkilometer). Umgerechnet entspricht dies einer Strahlungsleistung von etwa 18.000 Gigawatt oder 0,036 W/m2 (Anm. d. Red.: W/m2 ist die Globalstrahlung, die in Watt pro Quadratmeter gemessen wird). Um diese Zahl einzuordnen, vergleichen wir sie mit der natürlichen mittleren Strahlungsemission der Erde von etwa 235 W/m2. Der menschengemachte Anteil an der gesamten Wärmebilanz entspricht also rund 0,015 Prozent und ist damit vom Gesichtspunkt der Umwandlungsverluste völlig unerheblich.

Davon abgesehen ist es natürlich nicht unerheblich, mit welcher Primärenergie die Erzeugung von Wasserstoff erfolgen soll. Idealerweise wären dies die alternativen Energiequellen Wind, Sonne und Biomasse.

Es ist aber nicht der Zweck dieses Kommentars, andere durchaus wichtige Nebenbedingungen zu diskutieren.

Ulrich Böke aus Langerwehe schreibt zur Meldung „IHK-Forum diskutiert über grünen Wasserstoff“:

Sie schreiben in diesem Artikel über Wasserstoff als „nachhaltige Energiequelle“. Das ist so nicht richtig. Wasserstoff ist ein „Energieträger“ und keine Energiequelle, weil er unter der Verwendung von elektrischer Energie erst einmal hergestellt und verdichtet werden muss. Interessanterweise bietet die Firma Hyundai Elektroautos sowohl mit Batteriespeicher als auch mit Wasserstoffspeicher an. Das Auto Nexo mit Wasserstoffspeicher und Brennstoffzelle zur Stromerzeugung verbraucht derzeit etwa viermal so viel elektrische Energie zur Herstellung des Wasserstoffs um 100 Kilometer zu fahren, wie das vergleichbare Auto Kona, das Strom mit einem Batteriespeicher direkt nutzt. Aufgrund der noch beachtlichen Umwandlungsverluste wird die Nutzung von Wasserstoff also immer teurer sein als der direkte Verbrauch von grünem Strom in Elektroautos und anderen Anwendungen. Es ist also die Frage, wie viele Kunden sich für die teurere Nutzung von Wasserstoff entscheiden.

Michael Huppertsberg aus Kreuzau fragt sich angesichts der „Fridays for Future“-Bewegung:

Warum gehen Luisa Neubauer und Greta Thunberg mit ihren Forderungen nicht nach Brasilien? Dort wird der Regenwald auf schlimmste Art und Weise zerstört. Und gerade dieser Wald ist für unser Klima wichtig. Ebenso wie die Wälder in Russland oder Myanmar. Hier muss der Hebel angesetzt werden. Aber Brasilien scheint den Damen wohl zu gefährlich, denn dort herrschen andere Polizeimethoden vor. Außerdem noch fürs Stammbuch: Wissen erlangt man nicht durch Demonstrieren, sondern durch Lernen.