Leserbriefe zur US-Wahl: Neues Antlitz und doch alles beim Alten

Leserbriefe zur US-Wahl : Neues Antlitz und doch alles beim Alten

Die Wahl von Joe Biden zum neuen Präsidenten der USA hat viele unserer Lehrer beschäftigt. In ihren Einsendungen gibt es Lob und Skepsis gegenüber dem „Neuen“, aber auch Kritik an den Medien und ihrer Berichterstattung.

Fritz Cremer aus Stolberg meldet sich zum Text „Ein neuer Tag für Amerika“ über die Siegerrede des neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden:

Willkommen, Mr. Chance (being there)! Die Lobbygruppen, die für die US-amerikanische Politik verantwortlich zeichnen, haben sich also eine neue Handpuppe gewählt, die sie repräsentieren soll, und wir haben nichts Besseres zu tun, als uns in Lobpreisungen zu ergehen. Der Heiland wurde geboren, Verzeihung: gewählt. Und mit ihm eine schwarze (!) Frau (!), was ausnahmsweise einmal nicht als diskriminierend und rassistisch gewertet wird, obwohl es natürlich nicht das Geringste mit Qualifikation zu tun hat. Die Verdienste des amtierenden Präsidenten (endlich mal Bewegung in Nahost, historisch niedrige Kriegsbeteiligung der USA) können getrost vergessen werden, denn nun müssen wir uns endlich nicht mehr mit politischer Konfrontation auseinandersetzen, sondern können zum Üblichen „Peace, joy and eggcake“ übergehen.

Gisela van Aken aus Herzogenrath ist mit der Gewichtung unserer Berichterstattung während der US-Wahl nicht einverstanden:

Die ganze Welt hält den Atem an wegen Amerika, und Ihnen fällt nichts anderes ein, als das Bild zweier Fußballer auf die Titelseite zu bringen?! Das macht mich wütend! Es gibt auch nichts Wichtigeres als Fußball, zumal einem montags in letzter Zeit auch noch vier und mehr Seiten Sport zugemutet werden.

Heinz Krüger aus Düren geht der Frage nach, was sich nach der Wahl von Biden in der Politik der USA ändern wird:

In vielen Medien wird die Wahl des Demokraten Biden dargestellt, als würde sich jetzt alles zum Guten wenden und der Teufel Trump durch den Engel Biden ersetzt. Diesen Jubel kann ich nicht nachvollziehen.

Der Konfrontationskurs gegen China und Russland wird sowohl wirtschaftlich als auch militärisch fortgesetzt. Die Rüstungsausgaben werden weiterhin weltweit ansteigen. Den Befürwortern von zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Rüstung (über 70 Milliarden Euro) innerhalb der BRD-Regierung gibt die Wahl von Biden Auftrieb. Die Atomwaffen in Europa, auch die in Büchel, stehen nicht zur Disposition. Auch das Festhalten an der „Atomaren Teilhabe“ Deutschlands wird sich nicht ändern. Im Gegenteil: Auch unter Biden werden neue Generationen von Atomwaffen in Europa stationiert. Der Einsatz von Kampfdrohnen zur Tötung, gesteuert von der US-Basis in Ramstein, wird weitergehen. Das Kriegsbündnis Nato steht ebenfalls nicht zur Disposition. Ob die von Trump aufgekündigten Abrüstungsabkommen mit Russland wieder in Kraft treten werden, ist bei weitem nicht sicher. Die Mauer an der Grenze zu Mexiko wird sicherlich nicht abgebaut, sondern erweitert. Wirtschaftlich und politisch wird der Druck auf andere Länder nicht kleiner. Auch Biden wird zum Beispiel alles unternehmen, um Nord Stream 2 zu verhindern, und dies nicht aus ökologischen Gründen. „America first“ ist auch die Agenda von Joe Biden. Auch die Beseitigung von Rassismus und der sozialen Schieflage sind unter einer Regierung der Demokraten in den USA nicht zu erwarten. Dies alles zeigt, dass der Kapitalismus/Imperialismus nicht reformierbar ist, denn Krieg, Umweltzerstörung, soziale Ungerechtigkeit sind diesem Gesellschaftssystem immanent. Der Ton mag sich jetzt ändern, die Politik allerdings höchstens in Nuancen.

Günter Schumacher aus Roetgen stellt fest:
Vier Jahre mit einem moralfreien Egomanen, der nur Hass sät, und der unwürdige Wahlzirkus zeigen deutlich: Die angebliche Musterdemokratie USA ist zu einer Bananenrepublik mutiert.

Michael Schiffers aus Aachen meint zur US-Wahl:

Stellen wir uns doch einfach einmal vor, es gäbe da jemanden, der steif und fest behauptet, definitiv von Betrügereien rund um die US-Wahl zu wissen, und niemand anderer ist bisher in der Lage, dies mit Beweisen zu unterfüttern. Der Insider beharrt aber auf seiner Meinung und benimmt sich wie ein einsichtsloser trotziger Rotzlöffel, stampft mit den Füßen und stellt sich bockig. Wenn nur er sicher von diesem Betrug weiß, wird dies in der Kriminalistik als „Täterwissen“ bezeichnet. Dieses Verhalten kann ich nur nachvollziehen, wenn die eigenen – im Vorfeld übrigens mehrfach angekündigten – umfangreichen Wahlbetrügereien trotzdem nicht zum Wahlerfolg geführt haben. Und schauen wir doch einmal ob des medienwirksamen Getöses hinter die Kulissen. Vielleicht erkennen wir das eine oder andere Geschachere und Getue der Trump juniors und Kushners, durch welches mit präsidialem Segen noch das eine oder andere still und heimlich im Sinne der Familie geregelt wird.

Georg Neulen aus Düren beschäftigt sich mit Zahlen und Farben bei der USA-Wahl:

Abgesehen von den trotzigen gerichtlichen Versuchen Donald Trumps wird von einigen Medien unklar berichtet: 1. Gewiss haben mit über 70 Millionen mehr als je zuvor für Trump gestimmt. Das lag aber an der extrem hohen Wahlbeteiligung, weshalb das Ergebnis von Biden mit etwa 75 Millionen Stimmen auch höher ist, als je für einen Sieger abgegeben wurden. Aber die Amerikaner wissen seit eh und je, dass ihre Regel „The winner takes all“ stimmt. Das ist gegen unsere Überzeugung, qualifizierte Minderheiten angemessen zu beteiligen. Der Unterschied ist aber für Biden mehr als drei Prozent, wie Sie mehrfach in der Ihrer Zeitung angeben, sondern eher sechs Prozent.

2. Ich kritisiere die häufige und unreflektierte Übernahme, Nicht-Weiße als „Schwarze“ zu bezeichnen, auch wenn sie als Mischlinge oder „Person of colour“ europäische, asiatische oder Latino-Elternteile haben und oft auch sehr hellhäutig sind. Das geschieht jetzt mit Kamala Harris, deren Mutter eine indischstämmige Professorin ist, und wird sogar bei Prinz Harrys Frau Meghan angewendet. Wie kann man Rassismus bekämpfen und leugnen, dass es Rassen gibt, wenn alle Nicht-Weißen so diskriminierend und faktisch falsch klassifiziert werden?! Man sollte sich fragen, wieso diese Form der oft wertenden Einteilung in angelsächsischen Ländern bis heute tradiert und benutzt wird.

3. Ich stimme allen Bewertungen in Thomas Thelens Kommentar „Demokratie braucht Demut“ zu. Doch wundere ich mich, warum es ihm „unbegreiflich“ bleibt, „warum so viele US-Amerikaner einem Egozentriker eine Stimme geben“. Es ist offensichtlich, dass 1. die vielen Republikaner mit ihrer Partei siegen wollten, 2. viele Republikaner unter Trump Vorteile und Erfolge erlebt haben und 3. das marktschreierische Imponiergehabe bis heute viele beeindruckt und verführt hat.