Leserbriefe zum Thema Migration: Bereichernd, belastend oder bedrückend

Leserbriefe zum Thema Migration : Bereichernd, belastend oder bedrückend

Die Asylpolitik in Deutschland ist seit Jahren eines der dominierenden und polarisierendsten Themen des öffentlichen Diskurses. Auch unsere Leserinnen und Leser haben uns ihre Meinungen mitgeteilt – zu Deutschlands Flüchtlingsgeschichte, dem Brand des Flüchtlingslagers Moria oder den langfristigen Folgen von Migration.

Dr. Wilfried Duisberg aus Aachen meldet sich zum Artikel „Spiele gegen das Grauen der Flucht“ zu unserer Unicef-Spendenaktion „Nie wieder Moria – Helft den Kindern jetzt!“ zu Wort:

Die Zeitungen des Medienhauses Aachen berichten ausführlich über die Missstände in den griechischen Flüchtlingslagern. Wir Bürger spenden fleißig und großzügig und drücken damit unser Unverständnis aus, dass die in Europa verantwortlichen Politiker*innen diesen Menschen bewusst nicht helfen wollen. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) drückt in den öffentlich-rechtlichen Medien am 19. Dezember sein Entsetzen über die Zustände dort aus: Alle seien nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria davon ausgegangen, „dass die schrecklichen Zustände nach dem Brand verbessert werden, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus“, sagt Müller. Die „Ärzte ohne Grenzen“ müssten jetzt eine Tetanus-Impfaktion starten, „weil Babys in nassen Zelten von Ratten gebissen werden“. Zugleich warnt er davor, dass den Flüchtlingen die härtesten Winterwochen noch bevorstünden. Müller habe Flüchtlingscamps im Nordirak und Südsudan besucht. „Nirgendwo herrschten solch schlimme Zustände wie auf Lesbos.“ Aber am meistens erzürnt und beschämt mich zugleich der Bericht von Minister Müller: „Ich habe mit auf der Flucht vergewaltigten afrikanischen Frauen gesprochen, die auf dem nackten Boden saßen und auf die Geburt ihrer Kinder warteten. Ohne Hygiene oder ärztliche Versorgung.“ Dies berichtet er schon 2018. Hat sich an diesem Verbrechen in unserem Namen als Europäer irgendetwas geändert? Die Weihnachtsbotschaft der christlichen Kirchen lautet „Fürchtet euch nicht!“ Hat denn keiner der Verantwortlichen den Mut gegenüber den Alexander Gaulands und Victor Orbáns, diesen hilflosesten Frauen und ihren Kindern die rettende Hand auszustrecken und sie zügig aufzunehmen?

Josie Bockholt aus Aachen reagiert auf den Leserbrief von Armin Heck aus Stolberg, der betonte, dass andere Kulturen eine Bereicherung seien – aber in der richtigen Dosis:

In einem Leserbrief heißt es: „Als das Asylrecht damals beschlossen wurde, hat man nicht an eine Völkerwanderung gedacht.“ Anschließend klagt der Schreiber über die heutige Zunahme der Flüchtlinge aus „materiellen Gründen“ und mangelnde Kritik in dieser Zeitung. Faktencheck: Unser Grundgesetz wurde 1949 beschlossen. Zwischen 1939 und 1950 fand in der Folge des Zweiten Weltkrieges eine Völkerwanderung statt, die etwa 25 bis 30 Millionen Menschen erfasste. Allein zwischen 1944 und 1950 flüchteten zwischen zwölf und 14 Millionen Deutsche. Infolge von Flucht und Vertreibung lebten im geteilten Deutschland bald doppelt so viele Menschen pro Quadratmeter wie vor dem Zweiten Weltkrieg. Dies waren mit ganz, ganz großem Abstand die weitaus meisten Flüchtlinge, die Deutschland jemals zu integrieren hatte. Sicher, auch damals gab es Vorbehalte und Anfeindungen gegenüber den zumeist besitzlosen „Fremden“ mit unterschiedlicher Sprache, Brauchtümern, Religionen ... in einem Land, das sich nicht einmal alleine versorgen konnte. Erst viel später wurde ersichtlich, dass wir ohne diese Arbeitskräfte (zumeist aus dem Osten) den Wiederaufbau nicht so zügig geschafft hätten.

Auch heute haben wir einen eklatanten Arbeitskräftemangel in einigen Versorgungsbereichen, der auch durch Corona offengelegt wird. Arbeiten, für die es schwerfällt, Inte­ressenten zu finden. Wäre es nicht denkbar, dass wir – wieder erst viel später – konstatieren können: Zum Glück konnten wir etliche Geflüchtete in unser Gesundheitssystem integrieren, Arbeitsüberlastungen dort auffangen und einen Kollaps verhindern?

Christian Hecker aus Aachen antwortet auf den Leserbrief von Paula Nagel aus Stolberg, die in keiner Gesellschaft leben möchte, in der sie sich fremd fühle:

Quelle: Statistisches Bundesamt „destatis.de“, eine Behörde der Bundesregierung, 2019. Gesamtbevölkerung Deutschland 83 Mio. Bevölkerung mit Migrationshintergrund 21,2 Millionen, das sind 26 Prozent der Gesamtbevölkerung. Das ist jeder vierte Bürger, damit sind nicht EU-Bürger gemeint. Jede Migrantenfamilie hat im Durchschnitt vier Kinder. Mal kurz nachrechnen, wie lange es dauert, bis die Quote umgekehrt ist. Es wird zwei Generationen dauern, nicht länger. Kein Wunder, dass viele Bürger Angst haben, im eigenen Land nicht mehr zu Hause zu sein. Das alles ist Wasser auf die Mühlen von Rechtsextremen und AfD. Deutschland ist nicht Schlaraffenland der ganzen Welt. Es muss eine kontrollierte Einwanderung geben wie in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland.

Schuld an diesen Flüchtlingsströmen ist nicht zuletzt die Ausbeutung der Dritten Welt mit deren Rohstoffen und Agrarprodukten. Brauchen Krisengebiete Kriegsgeräte und Waffen? Nein! Landwirtschaftliche Geräte, Strom, Medizin, sauberes Wasser, Konsumgüter und Lebensmittel aus eigener Produktion. Brauchen Krisengebiete Ausbildung von Militär durch europäisches Militär? Nein! Ärzte, Krankenpfleger, Agrar- und Bauingenieure. Man muss die wirtschaftlichen Möglichkeiten zur Selbstversorgung schaffen für die unaufhaltsam wachsende Bevölkerung in der Dritten Welt. Nicht ausbeuten, Waffen liefern und dann gnädig Geldleistungen zur Hilfe anbieten. Das ist Heuchelei! Gerne dürfen Studenten aus aller Welt hier studieren und eine ordentliche Ausbildung mitnehmen, ohne Jobgarantie und Bleiberecht. Dann aber mit Knowhow und Tatendrang zurück ins Heimatland, dort anpacken, wo es gebraucht wird. Hier ist das Schlaraffenland, liebe Deutsche und Migranten. Und das wird von vielen gnadenlos ausgenutzt, auf Kosten aller Steuerzahler.

Wolfgang Hartung aus Heinsberg befasst sich ebenfalls mit den Leserbriefen zum Thema Migration:

Gerade während und nach den Weihnachtstagen ist es interessant, die Stellungnahmen der Leserschaft zu diesem Thema zu lesen und zugleich die Umgebung zu beobachten: Verkehrsstau Richtung Winterberg, Personen, die aus Langeweile mehrere Stunden mit einer Corvette durch NRW cruisen, Hausfrauen, die mit sechs- oder acht-zylindrigen SUVs zu Real und anschließend zu Aldi fahren, weil 100 Meter zu Fuß zu weit und zu beschwerlich sind! (?) Allein die Umweltverschmutzung dieser Aktionen unterstützt die Unbewohnbarkeit in vielen Ländern Afrikas und eine Völkerwanderung von vielen Afrikanern, die kein Wasser, keinen Strom und vor allem keine Möglichkeit haben, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Dass es unter den Zuwanderern auch schwarze Schafe gibt, ist unbestritten, aber solange der Staat faulen Simulanten die vorzeitige Rente finanziert, gibt es wohl keine finanziellen Probleme in Deutschland. In den nächsten 50 Jahren wird der Anteil der Migrantinnen und Migranten erheblich steigen, Probleme mit der Integration sind alle hausgemacht. 16 Bundesländer, geführt von Politikern und „politischen“ Beamten, hatten und haben keinen Plan, wie man erfolgreich Integrationspolitik betreibt. Unsummen an Geld werden an „Entwicklungsländer“ gezahlt, anstatt die eigene Umweltpolitik zu aktualisieren.

In den letzten fünf Jahren habe ich viel Zeit, Kraft und Ideen investiert, Migrantinnen und Migranten die deutsche Sprache näherzubringen – die Voraussetzung, um erfolgreich integriert zu werden. Es macht Freude und Mut, dass trotz aller bürokratischen Hindernisse vielen Personen aus den unterschiedlichsten Ländern in Minimalzeit sprachliche Kenntnisse zur Aufnahme eines Hochschulstudiums oder eines guten Arbeitsplatzes ermöglicht werden konnten.