Heinsberg: Lese-Show: Zwischen Grusel und Gelächter

Heinsberg: Lese-Show: Zwischen Grusel und Gelächter

Es war tatsächlich eine „außergewöhnliche Veranstaltung”, wie Roland Meintz bei der Begrüßung sagte. Rund 100 Gäste erlebten im Beratungs- und Dienstleistungszentrum der Raiffeisenbank in Heinsberg die Vorpremiere der Lese-Show zum neuen Buch „Die Königin der Tulpen” von Christian Macharski.

Dem kabarettistischen Autor des Comedy-Duos „Rurtal-Trio”. Im legeren Anzug lud der aus Wegberg stammende Autor auf abgedunkelter Bühne sein Publikum ein, sich gehen zu lassen. Er selber wisse auch nicht so genau, wo die Reise an diesem Abend hinführe, an der Dramaturgie feile er noch. So versteht Macharski seine Lese-Show auch als Improvisationstheater, mit dem er sich an sein Publikum herantastet.

Und dann ging´s auch schon los. Weiße Nebelschwaden umhüllten die Bühne, es blitzte und krachte. Macharskis Lesung wurde von Geräuschen und Lichteffekten begleitet. Zuständig für den Soundtrack war Simon Meier, „der Hexer an der Wunderorgel”. Er verursachte Hightech-knarrende Türen, Schritte auf dem Kies, den Uhu im Wald und bediente das Blaulicht von Hauptkommissar Kleinheinz, das als Requisite auf dem Keyboard stand. Das Publikum war hin und hergerissen zwischen Grusel, Gänsehaut und Gelächter. Macharski machte mit seiner multimedialen 3D-Show seinem Namen alle Ehre.

Passend zur Babypause seines Comedy-Kollegen vom Rurtal-Trio hat der 40-jährige Künstler sein Faible fürs Schreiben entdeckt. Nachdem „das Schweigen der Kühe” sein zweifellos „erfolgreichster Erstlingskrimi” war, ließ sein „bester Zweitlingsroman” nicht lange auf sich warten. Es ist ein Wiedersehen mit Altbekannten. Hastenraths Will, Ortsvorsteher in dem fiktiven Dorf Saeffelen, nimmt die Ermittlungen auf, als ein brutaler Überall auf den einzigen Lebensmittelladen und das Verschwinden einer alten Frau die dörfliche Idylle ins Wanken bringen. Auch Löschmeister Josef Jackels sowie die beiden Kreisliga-C-Fußballstars Richard Borowka und Fredi Jaspers sind wieder mit von der Partie.

Wo es sich anbot, wich Macharski bei seinem Vortrag vom Konzept ab, zitierte aus der Bibel, sinnierte über ein Alptraummonster oder das „Pome de la pommes frites” und spielte immer wieder den Schlager ein, der seinem zweiten Dorfkrimi den Titel verlieh, „die Königin der Tulpen” des „One-Hit Wunders” Charlie van der Valk, holländischer Schlagerstar der 70er Jahre. An dieser Stelle hätte sich der Komiker ein schunkelndes Publikum gewünscht, aber das zog nicht ganz.

Die „Missionen” von Macharskis Dorfkrimis sind „gesellschaftlich relevante Themen der Hinterlandbevölkerung”. Die Zuhörer ließen sich vom aberwitzigem Humor und der atemlosen Spannung gern anstecken und verziehen dem kabarettistischen Autor, dass im Grunde genommen sie selbst ordentlich aufs Korn genommen wurden.

Im Hintergrund agierten von der Technik Josef und Marlene Wallraven sowie Dirk Kohlwey. Ab dem 31. Oktober ist Macharski mit seiner Lese-Show in 15 Auftritten auf den Bühnen zwischen Aachen und Düsseldorf unterwegs.

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