Gangelt-Schierwaldenrath: Lehrreiche Kinderführung am Bahnhof

Gangelt-Schierwaldenrath: Lehrreiche Kinderführung am Bahnhof

„Tja, wären die nur alle mit der Selfkantbahn gefahren”, mag sich Thomas, der kleine Eisenbahnfan gedacht haben, als der Papa mit dem Lokomotivführer über die Probleme mit der Klimaanlage in den ICE-Zügen der Deutschen Bahn geredet hat.

Denn da waren sich Thomas´ Vater und der der Lokführer einig: „Das hätte es bei uns nicht gegeben, hier kann man nämlich die Fenster aufmachen”, lachten beide, hatten damit aber wohl bewirkt, dass in Thomas´ erstem Aktiendepot die Bahn AG fehlen wird.

Alle paar Wochen gibt es Kinderführungen bei der Selfkantbahn und die erfreuen sich großer Beliebtheit. So war es für Gerd Effertz, einem von gut einer handvoll Selfkantbahnern, die sich um die Kinderführungen kümmern, kein Wunder, dass mehr Väter als Kinder die Runde begleiteten.

Man erfuhr, warum die Selfkantbahn Schmalspurbahn und die des großen Bruders Deutsche Bahn Normalspurbahn heißt; die Schlussscheibe bei der Führungen im Bereich des Schierwaldenrather Bahnhofes eine ebenso große Rolle spielt, wie am Ende eines Zuges und das „bekohlen” nicht zwangsläufig ein mundartliches Synonym für „belügen” ist.

Mit dem Bekohlen der Bahn fing der praktische Teil der Führung an. Die „Schwarzach”, eine von zwei im Moment funktionstüchtigen Dampflokomotiven, hatte auf der ersten Tour Schierwaldenrath-Gillrath-Schierwaldenrath schon ein bisschen Verspätung eingefahren und sollte auch die 13-Uhr-Abfahrt nicht schaffen.

Deshalb war Eile geboten, als das Team rund um den Lokführer zuerst bekohlte, dass heißt, Kohlen für die nächste Fahrt aufnahm, und dann zügig zur Wasserstelle fuhr, wo die zweite Komponente für den Dampfbetrieb gebunkert wurde. Ein ganz einfaches Prinzip sei das gewesen, was 1769 als Patent für eine Dampfmaschine von einem gewissen James Watt angemeldet wurde.

„Ihr müsst euch das vorstellen, wie beim Eier kochen zu Hause”, sprach der Pädagoge in Gerd Effertz. Warum an diesem Tage vor allem der Heizer und der Lokführer eine Wasserflasche nach der andern leerten, musste allerdings nicht extra erläutert werden. Denn zu den sommerlichen Temperaturen kam auch noch die enorme Hitze aus dem Kessel, der für die nächste Fahrt geheizt wurde.

Natürlich durften die Kinder auch kurz in den Führerstand der „Schwarzach” steigen. Da galt es für die Kleinen, die Verweildauer zwischen der Faszination für die alte, ziemlichen Krach machende Technik und den hohen Temperaturen abzuwägen.

Als die Dampflok wieder angespannt wurde, zog die Gruppe weiter und es ging um Physik. An einem „Hund”, das ist eine auf Schienen fahrende Schubkarre bei der Selfkantbahn, wurde demonstriert, wie schwer sich so ein Gefährt auf der nackten Erde und wie einfach auf Schienen bewegen lässt.

In den gut 45 Minuten der Führung stieg die Zahl derer, die nun unbedingt Lokomotivführer werden wollen, deutlich. Alle wurden mit einem Kinderpass ausgestattet. Hier galt es, vier Fragen zu beantworten, und sich damit als „Selfkantbahnkenner” zu zeigen.