Hückelhoven: Leere Kirchen sind Michael Anozie fremd

Hückelhoven: Leere Kirchen sind Michael Anozie fremd

Vom Streit um die Person seines Vorgängers habe er nicht viel mitbekommen, sagt er. Er freue sich auf seine Arbeit in Hückelhoven und die Menschen, denen er dabei begegnet.

Am Samstag absolviert Dr. Michael Anozie seine erste Vorabendmesse in St. Lambertus. Für ein Jahr wird der Nigerianer die Nachfolge von Jürgen Frisch antreten, der zum 1. November von seiner Aufgabe entbunden wurde und vorübergehend priesterliche Aushilfsdienste in der GdG Aldenhoven/Linnich leisten wird.

Anozie hatte seine Feuertaufe schon am vorigen Samstag in der Baaler St. Birgida hinter sich gebracht. Für seinen Dienst in Hückelhoven ist er vom Bischof in seiner Heimatdiozese Akwa in Nigeria freigestellt worden. Hückelhoven ist nicht die erste Deutschlanderfahrung des promovierten Priesters. Sein Studium der Pastoraltheologie hat er ab 1990 in Bonn absolviert, bevor er 1999 in seine Heimat zurückkehrte. Zuvor hatte der 58-Jährige Zeit, sich mit dem Brauchtum der Rheinländer vertraut zu machen. So war er als Prälat bei den St.-Sebastianus-Schützen in Köln-Nippes tätig.

Auch der Karneval ist ihm wegen seiner damaligen Kölner Wahlheimat nicht fremd. Fremd könnte ihm aber sein, dass die Kirchen hierzulande doch zumeist eher leer sind. „Der Wohlstand hat Einfluss auf die Religiosität”, vermutet er. „Not lehrt beten.” Da es hier überall große Kirchen gebe, habe man den Eindruck, dass hier sehr gläubige Menschen lebten.

Seine Aufgabe in Hückelhoven ist umfassend. Er wird Gottesdienste halten, Sakramente spenden und bei vielen weiteren pastoralen Aufgaben in der gesamten Gemeinschaft der Gemeinden aktiv sein. „In Deutschland fehlt es an Priestern”, erklärt Anozie. Das Problem sei in seiner Heimat Nigeria unbekannt. Allein in diesem Jahr wurden in seiner Diözese 22 junge Männer zu Priestern geweiht. 60 Priester aus seiner Diözese sind in den USA aktiv, viele weitere in ganz Europa. „Der Aufgabe als Hirte kann man überall nachgehen”, ist er sich sicher.

Einige Gewohnheiten aus seiner nigerianischen Heimat wird er vielleicht vermissen. So ist es in Nigeria vorgeschrieben, dass jeden ersten Sonntag im Monat die Messe auf Latein gehalten wird. „Latein ist die Sprache unserer Religion”, erklärt er. Deshalb dürfe man sie nicht völlig aus den Gottesdiensten verbannen. Seine Aufgabe in Hückelhoven hat er klar im Blick. „Ich bin nicht hier, um für die Menschen zu arbeiten, sondern mit den Menschen.”

Regionaldekan Gottfried Maria Graaff und Pastoralreferent Bernd Dickmeis aus der Hauptabteilung Pastoralpersonal des Bistums haben Anozie am Freitag letzter Woche den gewählten Vertretern von Pfarrgemeinderäten, Kirchenvorständen und GdG-Rat vorgestellt. „Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Pfarrer und Seelsorger in Deutschland und seiner Erfahrungen, die er vom kirchlichen Leben in Afrika mitbringt, wird Pfarrer Anozie eine Bereicherung für die Gläubigen in Hückelhoven sein”, sagen Graaff und Dickmeis übereinstimmend.