Aachen: Lebensmittelkontrolle: Mehr Personal, mehr Prüfungen, mehr Bußgelder

Aachen: Lebensmittelkontrolle: Mehr Personal, mehr Prüfungen, mehr Bußgelder

Ob Gammelfleisch, mit Dioxin verseuchte Eier oder Pestizide auf Paprika - die Liste der Lebensmittelskandale ist genauso vielfältig wie unappetitlich. Solche Fälle sind in der Städteregion bislang nicht auf dem Teller des Verbrauchers gelandet.

Und Dr. Peter Max Heyde hat als Leiter des Amtes für Veterinärwesen und Verbraucherschutz in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die Verbraucher zwischen Baesweiler und Monschau sicher leben.

Doch zugleich werden seine Mitarbeiter in Metzgereien oder Bäckereien, Supermärkten oder Gastronomiebetrieben bei Kontrollen immer häufiger fündig und entdecken immer mehr Missstände. In Zahlen liest sich das im Haushalt so: Wurden von Lebensmittelsündern im Jahr 2008 insgesamt 18.073 Euro an Buß- und Verwarnungsgelder gezahlt, waren es 2009 bereits 43.662 Euro - ein Anstieg von mehr als 140 Prozent.

Was sich dramatisch anhört, beunruhigt Städteregionssprecher Detlef Funken indes nicht: „Durch die seit 2008 neu eingestellten und vom Land bezahlten Kontrollassistenten, die vor allem in den Betrieben Proben ziehen, haben die Lebensmittelkontrolleure endlich mehr Zeit, sich stärker auf ihre eigentliche Arbeit zu konzentrieren.”

Will heißen: Durch mehr Personal gelingt es, durch mehr und intensivere Kontrollen die bisherige Dunkelziffer - zumindest ein wenig - aufzuhellen.

Schlugen 2006 noch 1222 Kontrollen in den damals rund 3700 zu überwachenden Betrieben zu Buche, waren es zwei Jahre später 1680 und im vergangenen Jahr 2348 bei nunmehr 3379 Betrieben. Dabei werden die Betriebe je nach Risikostufe und Vorgeschichte jedes halbe Jahr oder nur alle zwei Jahre besucht.

Neben den Kontrollbesuchen hat sich ebenfalls die Zahl der tatsächlich entnommenen Lebensmittelproben erhöht, von 1264 (2008) auf 1625 (2009). Beanstandet wurden im vergangenen Jahr 266 Proben, was einem Anteil von 16,4 Prozent entspricht und somit deutlich über dem Landesschnitt von 10,6 Prozent liegt. Aber Funken betont: „Ein dicker Fisch war nicht dabei.”

Die höchsten Einzelbußgeldbescheide lagen laut Heyde zwischen 2000 und 3000 Euro. Und der Amtsleiter führt aus, dass es sich vielfach um „kleine Beanstandungen” handelt wie das fehlerhafte Etikettieren von Lebensmitteln, was etwa die Inhaltsstoffe betrifft. „Es läuft nichts aus dem Ruder”, sagt er und spricht mit Blick auf die letzten zehn Jahre von „normalen Schwankungen”.

Dabei gibt es für die Kontrolleure ein breites Prüfspektrum, das vom Land vorgegeben wird. So wird beispielsweise kontrolliert, ob der als regionales Produkt angepriesene Spargel wirklich aus der Aachener Region und nicht aus Spanien stammt, ob das Rehfleisch wirklich auch Rehfleisch ist, ob die Kühlkette eingehalten wird oder ob Lebensmittel etwa mit Keimen oder sonst wie verunreinigt sind. 2009 flossen allein an Personalkosten mehr als 600.000 Euro in die Lebensmittelkontrolle.

Ergebnisse veröffentlichen

Geht es nach der Landesregierung, soll den Betrieben künftig noch intensiver auf die Finger geschaut werden. „Wir halten an dem Ziel der Verdoppelung der Zahl der Lebensmittelkontrolleure fest”, heißt es im rot-grünen Koalitionsvertrag. Die damalige schwarz-gelbe Landesregierung hatte im Jahr 2006 nach dem Gammelfleischskandal beschlossen, bis 2012 insgesamt 150 zusätzliche Lebensmittelkontrolleure und Assistenten einzustellen.

Zudem sollte die Zahl der Kontrolleure mittelfristig landesweit von 300 auf 600 verdoppelt werden. Darüber hinaus fand jüngst die Forderung von NRW-Verbraucherschutzminister Johannes Remmel den Zuspruch seiner Kollegen, künftig alle - und damit auch negative - Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen zu veröffentlichen. Einvernehmlich stimmten sie für den Vorschlag, die Kontrollergebnisse von Restaurants, Bäckereien und Metzgereien transparent zu machen.