Kommentar zur Corona-Krise: Leben mit der Pandemie

Kommentar zur Corona-Krise : Leben mit der Pandemie

Gerade an Ostern ist das Virus allgegenwärtig. Nicht nur, weil Gottesdienste ins Netz verlegt werden müssen oder traditionelle Besuche von Verwandten ausfallen. Auch viele Gespräche dürften nur ein Thema kennen: Wie lange sollen wir noch auf Sparflamme leben? Wann ist das endlich alles vorbei?

Die Worte der Kanzlerin Angela Merkel unmittelbar vor den Feiertagen klangen da eher zwiespältig. Leise Hoffnungsschimmer auf der einen Seite, Mahnung zur Geduld auf der anderen. Und auch die Wissenschaft sendet ja  unterschiedliche Signale aus. Manche Forscher sagen, noch gut zwei Wochen wie gehabt durchhalten, dann dürfte das Gröbste überstanden sein. Wieder andere plädieren  für eine Verschärfung der Einschränkungen, um Corona in den Griff zu bekommen. Insofern liegt auch falsch, wer glaubt, politische Entscheidungen würden jetzt nur noch an die Fachwelt delegiert. Zweifellos kann sie Ratschläge erteilen, aber ersetzen kann sie die Politik nicht. Entscheiden müssen Bund und Länder schon selbst.

Nach wie vor gibt es keinen Impfstoff  gegen das neuartige Virus. Auch können augenscheinlich  kerngesunde Menschen den Erreger übertragen. Das sind die grundlegenden Unterschiede im Vergleich zu  „normalen“ Grippewellen, weshalb sich auch eine Verharmlosung der aktuellen Seuche verbietet. Die Zahl der Todesfälle war zuletzt auch wieder gestiegen. Die weitere Entwicklung ist immer noch unkalkulierbar.

Schon deshalb wird eine Rückkehr zur Normalität wohl noch länger auf sich warten lassen. Zugleich ist aber auch klar, dass die Restriktionen schon in naher Zukunft zumindest gelockert werden müssen, um einen wirtschaftlichen Totalzusammenbruch  zu verhindern. Vor diesem Spagat stehen Bundes- und Landespolitiker, wenn sie wie angekündigt gleich nach Ostern über den weiteren Fahrplan beraten. Sie haben sich selbst in Zugzwang  gesetzt, denn nach ihrer Verabredung gelten die allgemeinen  Beschränkungen nur noch bis zum 19. April. Derzeit sieht es danach aus, als würde vieles davon auch darüber hinaus in Kraft bleiben. Abstand halten und Händewaschen ist dabei sicher noch die geringste Übung.

Im Zweifel ist eine dosierte Rückkehr ins normale Leben erträglicher als ein rascher Vollbetrieb, der zwar Euphorie entfacht, aber alles bisher Erreichte womöglich gleich zunichtemacht. Die Folge wären noch härtere Einschnitte als jetzt. Und das hält auf  Dauer erst recht keiner aus.