Geilenkirchen: Lago Laprello: Wird der Taucherprozess neu aufgerollt?

Geilenkirchen: Lago Laprello: Wird der Taucherprozess neu aufgerollt?

Eine neue Perspektive ergab sich beim Taucherprozess vor dem Schöffengericht Geilenkirchen. Nach Auffassung der Nebenklage kommt nach der Anhörung eines Sachverständigen eine Verweisung des Prozesses an ein Schwurgericht in Frage.

Die beiden Rechtsanwälte des Vaters der bei dem Tauchunfall am Lago Laprello im Juni 2013 verunglückten jungen Taucherin regten an, das Gericht möge überlegen, ob dem Angeklagten ein bedingter Vorsatz angelastet werden müsse, dann käme auch eine Verurteilung wegen Totschlags durch Unterlassung in Betracht.

Dann müsste das Verfahren vor dem Landgericht neu aufgerollt werden. Wasser auf die Mühlen der Nebenklage schöpfte die Zeugenaussage des Sachverständigen. Er war von der Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung der Tauchausrüstung des inzwischen verstorbenen Opfers beauftragt worden.

Die Nebenklage fasste die belastenden Teile der Zeugenaussage zusammen: 1. ein verstopfter Atemregler, 2. zu schnelles Auftauchen des Angeklagten nach dem Tauchgang, festgehalten in seinem Tauchcomputer und 3. sieben Minuten sei nichts geschehen, wenn der Tauchcomputer nicht irrt. „Nichts geschehen“ ist angesichts der Tragödie am Lago Laprello eine Darstellung in Zusammenhang mit dem Unfallgeschehen, die mehr Fragen aufwirft, als derzeit Antworten greifbar sind.

Sollte sich das Szenario, das die Aufzeichnungen des Tauchcomputers andeutet, bewahrheiten, wären sieben Minuten verstrichen, bevor das Opfer geborgen wurde, — ohne dass der Angeklagte etwas unternahm. In der Zeugenbefragung ging es unter anderem um die Wartung der Ausrüstung. Ob diese Wartung im „Tauchshop um die Ecke“ auch so durchgeführt wird, wie es der Hersteller fordert, zweifelte der Sachverständige, selber seit 30 Jahren Taucher, an. Vielleicht wäre so zu erklären, dass der defekte Atemregler des Opfers niemandem auffiel?

Die Untersuchungen des lebensnotwendigen Reglers hatten deutliche Mängel in Bezug auf die Sauerstoffzufuhr ergeben. Der Zeuge schilderte, dass die Mängel im Normalfall wohl nicht bedrohlich gewesen wären. In einer Ausnahmesituation, etwa bei Panik, sähe das schon anders aus.

Der Sachverständige hatte auch den Tauchcomputer des Angeklagten ausgelesen. Dieser zeichnet bei einem Tauchgang alle 20 Sekunden Daten auf. Er habe, so der Zeuge, die falsch eingestellte Uhr des Tauchcomputers auf die reale Zeit umgerechnet und habe festgestellt, dass der Unfalltauchgang am Sonntag, 2. Juni 2013, um 11.32 Uhr begonnen und 34 Minuten gedauert habe.

Somit endete der Tauchgang um 12.06 Uhr. Der „Bergetauchgang“ muss der folgende aufgezeichnete Tauchgang im Tauchcomputer des Angeklagten gewesen sein. Dieser Bergetauchgang begann laut Aufzeichnung um 12.13 Uhr. Das wären sieben Minuten, in denen „nichts geschah“, wie es die Nebenklage vermutet. Der Bergetauchgang muss weniger als eine Minute gedauert haben. Der Angeklagte soll dabei das Opfer aus dem See geborgen haben.

Ein Totschlag durch Unterlassung steht nun im Raum. Auch die Staatsanwältin meinte: „Da muss ich mal drüber nachdenken.“ Am 30. Januar geht es vor dem Schöffengericht weiter.

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