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Köln: „Zwitterprozess” geht in nächste Instanz

Köln : „Zwitterprozess” geht in nächste Instanz

Der Kölner „Zwitterprozess”, bei dem einer Krankenpflegerin nach einer folgenschweren Operation Schmerzensgeld zugesprochen worden war, geht in die nächste Instanz.

Der vor dem Kölner Landgericht unterlegene Mediziner legte Berufung beim Oberlandesgericht ein, sagte OLG-Sprecher Hubertus Nolte am Mittwoch auf Anfrage. Der Chirurg hatte laut Landgerichts-Urteil vor 30 Jahren ohne vorherige umfassende Aufklärung der damals 18 Jahre alten Klägerin ihre intakten weiblichen inneren Geschlechtsorgane entfernt.

Damit habe er sie „vorsätzlich und schuldhaft” in ihrer Gesundheit geschädigt. Die Pflegerin hatte den Arzt nach langem Leidensweg als Zwitter in einem bisher beispiellosen Verfahren verklagt.

Die Klägerin war mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen zur Welt gekommen, war fälschlicherweise als Junge vermerkt worden und hatte in der Pubertät auch männliche Entwicklungen gezeigt. Erst mit 17 Jahren wurde bei einer Blinddarm-OP zufällig entdeckt, dass der vermeintliche Junge über Gebärmutter und Eierstöcke verfügte. Ein Jahr später kam es zu der folgenschweren OP.

Die 48-jährige Klägerin verlangt von dem Mediziner in dem Aufsehen erregenden Fall 100 000 Euro Schmerzensgeld, da er sie biologisch unumkehrbar zum Mann gemacht habe. Mit dem Grundsatzurteil des Kölner Landgerichts vom 6. Februar erzielte sie einen juristischen Etappensieg. Die Höhe des Schmerzensgeld hatte das Gericht aber zunächst offengelassen.

Die Krankenpflegerin hatte nach dem erstinstanzlichen Urteil von einer „moralischen Wiedergutmachung” und „großer Erleichterung” gesprochen. Sie will mit dem Verfahren nach eigenen Worten auch anderen intersexuellen Menschen Mut machen. Parallel zu dem juristischen Verfahren kämpft die 48-Jährige auch darum, im Personenstandsregister als weiblich eingetragen zu werden.