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Aachen/Düren: Zuviel Kommerz bei der Commerzbank?

Aachen/Düren : Zuviel Kommerz bei der Commerzbank?

Die Aachener Commerzbank und hier besonders die Eschweiler Filiale standen am Mittwoch als Beklagte vor Gericht.

Im Zentrum des Verfahrens vor der 4. Zivilkammer (Vorsitz Richter Hans Laufenberg) stehen schwere Vorwürfe, in den Jahren 1992 und 1993 diverse Erwerber von Eigentumswohnungen wissentlich über den Tisch gezogen zu haben. Die Eschweiler sollen überhöhte Kredite für „Schrottimmobilien”, wie es ein Zeuge formulierte, gewährt haben.

Vor dem Aachener Landgericht will ein Ehepaar Schadenersatz in Form von Kreditnachlässen erstreiten. Die Familie hatte über einen örtlichen Immobilienhändler damals eine Eigentumswohnung in Düren-Merken erworben.

Mehr als 167 Prozent über dem eigentlichen Wert

Der Makler, der sich bereits vor dem Amtsgericht verantworten musste und am Mittwoch als Zeuge in dem Zivilverfahren auftrat, versprach damals eine schnelle und unproblematische Kreditfinanzierung über die Commerzbank in Eschweiler. Das konnte er auch, weil ein guter Bekannter von ihm dort der Sachbearbeiter war. Sie verkauften die Immobilien für mehr als 167 Prozent über dem eigentlichen Wert - „schlechte Immobilien”, wie Zeugen berichteten, „zu überhöhten Preisen”.

In dem Verfahren geht es um die Mitschuld der Commerzbank und daraus eventuell entstehenden Rückzahlungen und Schadenersatzleistungen. Viele Geschädigte waren es, die damals vor allem in Düren von den Immobilienhaien zum Kauf animiert wurden. Die Krux dabei: Die Bank interessierte sich einzig für die Bonität der Käufer, die Werthaltigkeit der Immobilie, so die Kläger, sei den Bankern völlig egal gewesen.

Kredite überhöht

So blieben die Käufer dann auf den Wohnungen sitzen, für die sie weiter überhöhte Kredite abzahlen müssen - bis heute. Die Kläger sind empört, weil sie meinen, das Duo aus Commerzbank-Sachbearbeiter und Immobilienmakler habe betrügerisch gehandelt.

Das Strafverfahren gegen den Immobilienmakler endete vor dem Amtsgericht mit einer Einstellung. Der heute 42-jährige, ehemalige Immobilienfachmann der Commerzbank gab am Mittwoch zu, damals mit dem Dürener Makler eng befreundet gewesen zu sein - was heute allerdings nicht mehr gelte. Eine Entscheidung der Kammer ist noch nicht in Sicht, ein Zeuge muss noch gehört werden.