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Aachen: Zu kurze Spaghetti und zu dünne Fritten

Aachen : Zu kurze Spaghetti und zu dünne Fritten

„Wir retten Lebensmittel, mit anderen Worten also Mittel zum Leben”, fasst Walter Michels von der Lebensmittelbank AixEuregio die Arbeit des vor einem Jahr gegründeten Vereins zusammen.

Die Idee der „Banques Alimentaires”, also der Lebensmittelbanken, stammt aus Frankreich und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten europaweit und international ausgeweitet. Das Prinzip sieht vor, dass von Handel, Industrie und landwirtschaftlichen Betrieben aus dem Verkehr gezogene Lebensmittel von der Lebensmittelbank weiterverteilt werden an karitative Einrichtungen und Tafeln, wo dann bedürftige Menschen direkt davon profitieren können.

„Wir fungieren wie ein Großhändler für Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum, Saisonware oder falsch ausgezeichneten oder verpackten Lebensmitteln”, erklärt Michels, „wir retten wertvolle Lebensmittel vor dem Versickern, Austrocknen und Verderben und führen sie sinnvollen Verwendungszwecken zu”.

„Durch die immer weiter wachsende Armut wird immer mehr auf solche Angebote zurückgegriffen, die Tafeln werden immer stärker frequentiert”, verdeutlicht Karl-Heinz Kuckelkorn vom Aachener Sozialamt die Wichtigkeit des Ganzen.

Die Idee, eine deutsche Lebensmittelbank in der Euregio zu gründen, hatte 2005 Fritz Niehsen, der selbst in der Lebensmittelbranche tätig ist. Nach vielen Vorüberlegungen gründete er am 11. August 2006 mit sechs Mitstreitern den Verein „Lebensmittelbank AixEuregio”, bis heute sind er sowie Walter Michels und Bernhard Verholen, Geschäftsführer des regionalen Caritasverbandes, die Hauptrepräsentanten des Vereins, zudem gibt es einige weitere ehrenamtliche Helfer.

„Wir kümmern uns um die Weiterverteilung von Lebensmitteln in einer Größenordnung, die die Tafeln und anderen kleineren Einrichtungen nicht händeln können”, erklärt Michels. Zur Zwischenlagerung steht ein Lagerraum zur Verfügung, beim Transport hilft der Lebensmittelspediteur Dachser International fast unentgeltlich. „Problematisch wird es bei sehr großen Mengen und immer dann, wenn Artikel sehr schnell verderben und daher schnell weiterverteilt werden müssen”, so Michels.

Häufig kommen Angebote über ganze Lkw-Ladungen von fehlerhaften Lebensmitteln aus der Industrie, die von Kunden abgelehnt wurden. „Letztes Jahr hatten wir zum Beispiel italienische Spaghetti, die genau einen Zentimeter zu kurz geraten sind, insgesamt 1,7 Millionen Müsliriegel in falscher Konsistenz und sechs Lastwagen voll Pommes Frites, die zu dünn geraten waren”, berichtet Michels, der für die Logistik zuständig ist. Auch knapp 2000 Flaschen feinster Fruchtsaft, der nur noch drei Tage haltbar ist und blitzschnell verteilt werden muss, sind keine Seltenheit. „Dieser Saft schmeckt zum Beispiel wie frisch gepresst und würde sonst im Müll landen”, verdeutlicht Michels.

Mittlerweile hat der Verein ein großes Netzwerk aus vielen verschiedenen Anbietern und etwa 40 Einrichtungen geknüpft, verteilt werden die Waren heute bis nach Süddeutschland, in die Beneluxländer und nach Frankreich. „Besonders stolz sind wir, dass wir noch nie ein Angebot ablehnen mussten und immer alles verteilt haben, egal wie groß die Menge war”, freut sich Michels. „Wir suchen immer weitere Partner aus Industrie und Handel sowie Tafeln und karitative Einrichtungen als Verteiler”, betont Niehsen, der sich um die Kontakte kümmert.

Besonders wichtig wäre neben den Sachspenden aber auch eine finanzielle Hilfestellung, vor allem um die Logistik voranzutreiben. „Bei großen Lieferungen stoßen wir manchmal fast an unsere Kapazitätsgrenzen und auch bei Tiefkühlware müssen wir meist passen”, erklärt Michels. Ein zweiter Logistikpartner, Lagerräume und vor allem ein Tiefkühllager werden daher dringend gesucht. Wer Lebensmittel zur Verfügung stellen möchte, die umgehend abgeholt werden, kann dies unter Telefon 0241/9690804, Fax: 0241/ 7014797 oder per E-Mail unter mailto:AixEuregio@Lebensmittelbank.de mitteilen.