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Aachen: Zerplatzte Träume: Norbert Scheuers „Flussabwärts”

Aachen : Zerplatzte Träume: Norbert Scheuers „Flussabwärts”

Sie hat gar nichts Anheimelndes, die Welt rund um Kall in der Eifel, wie Norbert Scheuer sie beschreibt. Es ist eher eine Anhäufung von Katastrophen, von zerplatzten Träumen und Verletzungen, die das Leben und den Alltag der Menschen dort bestimmt.

Mit „Flussabwärts” hat der selbst in diesem Landstrich lebende Scheuer einen Roman geschrieben über die Wunden, die das Erwachsenwerden hinterlässt.

Es ist die Geschichte von Leo, die dieser selbst in langen Rückschauen erzählt. Er wächst in einem verarmten Elternhaus auf; der Vater ist dauernd auf Montage, die Mutter kellnert. Er bricht die Schule ab, malocht in einer Fabrik, hat ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau.

Und es ist die Geschichte von Leos Verhältnis zu Lia, die ein Kind von einem Hallodri hat, die den labilen Hilbert heiratet und wieder verlässt. Unstete Menschen, immer auf der Suche nach ein bisschen Glück und Halt im Leben. Vergebens. Dem gealterten Leo bleibt nichts als die desillusionierte Bilanz: „Heute scheint mir, als hätte alles, was ich damals erträumt und gewollt habe, keine Bedeutung mehr.”

Scheuer zeichnet diese Charaktere in einem angenehm unaufgeregten, leisen Grundton. Selbst als die Geschichte in einer Katastrophe kulminiert, geschieht dies fast beiläufig. Den zweiten Roman des 1951 geborenes Schriftstellers, der im Hauptberuf als Systemprogrammierer arbeitet, durchzieht eine Mischung aus tiefer Melancholie und Resignation.