Subtil und direkt: Zeitgenössische afrikanische Kunst in Aachen

Subtil und direkt : Zeitgenössische afrikanische Kunst in Aachen

Wie entsteht Identität? Trotz seines guten Deutschs, seiner deutschen Mutter und seines deutschen Wohnorts wird der Maler Ransome Stanley, 66, Sohn eines nigerianischen Vaters, immer wieder nach seiner Herkunft gefragt. „Where do you come from?“, lautet der Titel seines neuen Kunstbandes, in dem Bilder der vergangenen Jahre abgedruckt sind.

Einige davon hängen derzeit in der Aachener Artco-Galerie und laden zur Auseinandersetzung mit Fragen der Identität ein.

Ransome Stanley arbeitet humorvoll, spielerisch setzt er das schwarze und das weiße Leben, das Herrschen und Beherrschtsein sowie sein eigenes Leben zwischen den Stühlen um. In Kohlezeichnungen arrangiert er Licht und Schatten, baut Collagen, malt Street Art und übt Sozialkritik, die sich unter surrealen Bildern verbirgt. Vor allem aber vermittelt er, dass Identität keine starre Angelegenheit ist, sondern ein steter Fluss von Entwicklung in der Auseinandersetzung mit der Gesellschaft.

Meist in Europa an namhaften Akademien ausgebildete afrikanische Künstler, die sich fast zwangsläufig mit den Spuren von Kolonialismus, aktueller Politik und Gewalt auseinandersetzen, ohne sie direkt zu thematisieren, präsentiert die Ausstellung „On Paper“. Sie werden auf großen internationalen Kunstmessen wie etwa der London Art Fair, der Art Paris Art Fair und den afrikanischen Messen Cape Town und Joburg Art Fair gehandelt.

Subtil und diskret zeigen etwa Aquarelle von Bruce Clarke afrikanische Porträts, in denen Würde eine große Rolle spielt. Direkt übt sein Kollege Richard Mudariki Kritik an den neuen afrikanischen Eliten. Wie weitreichend noch immer Voodoo-Rituale im afrikanischen Alltag präsent sind, deutet der Künstler Zinkpé an, während Owusu-Ankomah Stammeszeichen zu Kunst macht.

Doch am meisten unter die Haut gehen die im Stile von Renaissance-Porträts gehaltenen Textilcollagen, die die deutsche Künstlerin Marion Böhm von afrikanischen Kirchendienern gemacht hat. Ergeben huldigen sie dem Christentum, das ihnen prunkvolle Kleider und Goldglanz schenkt. Damit thematisiert die Künstlerin, die lange in Afrika lebte, die Zwangschristianierung, die den Menschen ihre kulturelle und religiöse Identität raubte, nachdem die Kolonisierung ihnen die Lebensgrundlagen entzogen hatte.

Die Ausstellung „On Paper“ ist in der Aachener Artco-Galerie (Seilgraben 31) bis zum 2. März zu sehen. Geöffent dienstags bis freitags von 10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr.

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