1. Kultur

Aachen: Zauberhafte Briefe über den „Gleichklang der Seelen”

Aachen : Zauberhafte Briefe über den „Gleichklang der Seelen”

Im Ballsaal des Alten Kurhausesin Aachen trafen - wie weiland 1810 in Wien - die schwärmerisch weltoffene Dichterin Bettina von Arnim und das Musik-Genie Ludwig van Beethoven aufeinander.

Zumindest in Form sehr persönlicher Aufzeichnungen, die die damals 25-Jährige über ihre Begegnung mit dem fast völlig ertaubten Komponisten gemacht hatte.

Gudrun Landgrebe und Sebastian Knauer am Piano ließen vereint den Zauber wieder erstehen, der wohl dieses Zusammentreffen zweier verwandter Seelen geprägt hat.

Weit davon entfernt, ein „Ersatz” für den Ausfall von Hannelore Elsner zu sein, begeisterte die Schauspielerin mit exzellentem Vortrag und ihrer melodischen Stimme, wie geschaffen für die Rezitation ebenso lebendiger wie anrührender Texte der selbstbewussten Dichterin.

Oft wird „Die Landgrebe” auf ihren Erfolgsfilm „Die flambierte Frau” (1983) reduziert, doch die damenhafte 54-Jährige, in Aachen schlicht im dunklen Kostüm auftretend, hat mehr zu bieten.

Ihre ungewöhnliche Ausstrahlung gab der gut besuchten Veranstaltung die besondere Note, die der virtuose Pianist Knauer in seinem Spiel kongenial aufnahm.

Nicht nur die berühmte „Mondscheinsonate” fesselte das Publikum, auch „Der Sturm” faszinierte mit frischer Akzentuierung des heroischen Beethoven-Sounds.

„In einem Weltmeer von Harmonie” bewegen sich die Erinnerungen von „Bettine”, wie sie nicht nur ihr Mann Achim von Arnim nannte.

Eine kluge und temperamentvolle wie auch „rebellische” Frau zeigt sich hier, die sogar ein Treffen zwischen dem Olympier Goethe und dem „Musikgott” Beethoven im böhmischen Heilbad Teplitz arrangierte.

Selbst mit Hilfe von Zetteln flirtet Bettina von Arnim mit dem keineswegs immer verdüsterten Komponisten, wie ihre zauberhaften Briefe verraten.

Doch anders als die von ihr zitierte Mädchengestalt Mignon in Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre” ist Bettina voller Lebenswillen und Durchsetzungskraft. Immer ihrer Zeit voraus, will sie ständig „gegen den Strom schwimmen”.

Viel Beifall und Blumen gab es anschließend für das Duo Knauer/Landgrebe, das den „Gleichklang der Seelen” so inspiriert in Töne und Sprache übertrug.