1. Kultur

Aachen: Yann Martel: Leben verstehen mit Fantasie

Aachen : Yann Martel: Leben verstehen mit Fantasie

„Ich mag solche Fragen”, lächelt Yann Martel charmant den Zuhörern im Forum M der Mayerschen Buchhandlung entgegen, als habe er auf diese Frage noch nie antworten müssen.

Warum er Schriftsteller geworden sei? Er habe eigentlich nicht bewusst diesen Beruf gewählt. „Als ich mit 19 Jahren mein erstes Theaterstück geschrieben hatte, das schlecht war, einer Vielzahl von ebenfalls schlechten Kurzgeschichten, habe ich langsam gemerkt, dass ich besser werde”, erklärt er in Erinnerungen schwelgend und kommt schließlich zum Punkt: „Weil ich mit dem Schreiben zum ersten Mal etwas gefunden hatte, was mich wirklich befriedigt hat.”

Und dass der Booker-Prize-Preisträger 2002 mittlerweile richtig gut geworden ist, das ist spätestens mit seinem Buch „Schiffbruch mit Tiger”, das auf Platz zwei der Spiegel-Bestseller-Liste rgerückt ist, bewiesen.

„Es ist ohne Zweifel eines der wunderbarsten Bücher, das wir je veröffentlicht haben”, gesteht Julia Holbe vom S. Fischer Verlag, während sie abwechselnd mit Martel in Deutsch und Englisch die zauberhafte Geschichte des höchst religiösen 16-jährigen Schiffbrüchigen Pi vorlas.

Aber warum spielt die Religion in seinem Buch eine so große Rolle, und vor allem: Warum ist Pi gleichzeitig Hindu, Moslem und Christ? „Ich wollte, dass Religion in diesem Buch ein Thema ist, aber es ist keine moralisierende Geschichte”, so Martel, es gehe vielmehr darum, dass die Geschichte noch ein andere Dimensionen habe, Glaube und Fantasie. „Es geht darum, das Leben zu verstehen, und das kann man nur, wenn man Fantasie hat”.

Das nächste Werk befasst sich mit dem Holocaust

Vier Jahre hat Martel an seinem dritten Roman geschrieben, die meiste Zeit nutzte er für die Recherchen, las sich in Sekundärtexte über Zoologie ein und studierte Geschichten von Schiffbrüchigen. Das alles hat er zu einem komplexen, witzigen und spannenden Buch zusammengefasst.

Auch auf sein nächstes Werk darf man gespannt sein. „Es geht dabei um den Holocaust, darum, dass man ihn nicht vergessen darf.” Dass er diese Geschichte aber weder im Krieg noch mit Deutschen besetzen wird, verspricht wieder eine Geschichte mit Fabelcharakter und metaphorischen Annäherungen.