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Aachen: Wunderschöner Abschluss der Konzertsaison

Aachen : Wunderschöner Abschluss der Konzertsaison

Bevor der Aachener Eurogress zwecks Umbau bis zum September seine Pforten schließt, lud das Sinfonieorchester Aachen unter der Leitung von Marcus R. Bosch zu seinem letzten Sinfoniekonzert der laufenden Spielzeit ein.

Ein Abend, der sich durch ein abwechslungsreiches Programm und eine hohe Aufführungsqualität auszeichnete und somit die musikalischen Gesamtleistungen dieser Konzertsaison zu einem wunderschönen Abschluss brachte.

Moderne, Romantik, Klassik - zwischen diesen Eckpfeilern bewegte sich das Orchester souverän und sensibel, konzentriert und spannungsreich. „The space of a step” nennt Detlev Müller-Siemens sein neues Orchesterauftragswerk.

Inspiriert durch Texte von Samuel Beckett konfrontiert er den Zuhörer mit Kurzattacken, fassungslosem Stillstand, fetzenartigen Sequenzen und vibrierender Intensität - das Unsicherheitsgefühl einer Gratwanderung entsteht. Es ist kein angenehmes Stück im ästhetischen Sinne, aber es packt Psychologie nachvollziehbar in Tonkombinationen und Klanggegensätze.

Das aufmunternde Lächeln zwischen Alina Pogostkin und Sol Gabetta begleitete das anschließende a-Moll-Konzert von Johannes Brahms für Violine und Violoncello von Anfang bis Ende und versah die Gesamtinterpretation des Werkes trotz aller Virtuosität der Solistinnen vor allem mit einer reizenden Natürlichkeit, zu der auch die charmanten Kleidkorrekturen der Cellistin gehörten.

Den Zwiegesprächcharakter des Stückes kitzelten die jungen Künstlerinnen spannungsvoll heraus, was mal durch eine persönlichkeitsstarke Homogenität, mal durch krasse Reibung gelingen konnte, denn beide Musikerinnen präsentierten sich als ganz unterschiedliche Interpretationstypen.

Für Alina Pogostkin scheint ihre Geige ein Partner zu sein, der sie zu Höchstleistungen herausfordert. Insofern war ihr Spiel klar und spritzig, offen und provokant. Sol Gabetta hingegen umarmte ihr Instrument wie einen Freund und entlockte ihrem Guadagnini-Cello mit sanftem Druck samtige, kraftvoll runde Töne.

Kaum ein Werk der Klassik ist so bekannt wie Beethovens 5. Sinfonie - ein hoher Publikumsanspruch musste also erfüllt werden. Das Sinfonieorchester machte Staunen durch eine ganz individuelle Interpretation, die Abschied nahm von einer ausschließlich attackierend sezierenden Sichtweise und die den neuen Weg einer „narrativen Sinfonie” selbstbewusst beschritt.

Bosch inspirierte das Orchester zu einer plastischen Erzählung, wählte ein zügig natürliches Tempo, ließ Dramatik und Leichtigkeit stufenlos ineinander übergehen und seine Musiker die weichen Forti und vibrierenden Pianissimi mit Herzblut und Perfektion ausfüllen.

Dieser ausgewogen interessante Konzertabend fand großen Zuspruch beim Publikum. Und man sollte sich das Thema des Abends „Nimm zwei!” vielleicht zu Herzen nehmen und für die nächste Spielzeit zwei Abonnements für die Sinfoniekonzerte wohlwollend ins Auge fassen...

(Abos kann man abschließen unter Tel.0241/4784237.)