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Aachen: Wunderschön und federleicht: „Flimmer-Billy” im Das Da Theater

Aachen : Wunderschön und federleicht: „Flimmer-Billy” im Das Da Theater

Wunderschön und federleicht auch für die Jüngsten im Publikum der Auftakt im Das Da Theater: Patricia Rabs und Mike Kühne stellen sich erst mal als Schauspieler vor, zeigen auch anschaulich, wie das, was man sich vorstellt, zu einer „Vorstellung” werden kann, und spielen mit der Zauberkraft des Lichts.

Dermaßen gut vorbereitet geht es gleich in die spannende Handlung um „Flimmer-Billy”, der die Augen nicht mehr von der Mattscheibe lassen kann, besonders wenn dort Dinos zu sehen sind. Regelrecht süchtig ist der Junge nach der Flimmerkiste, und die Mutter schimpft auf den „Sauriermist”, den ihr Sprössling sich ständig „reinzieht”.

Draußen spielen kennt der Junge nicht, Freunde hat er nicht mehr, und in der Schule geht es mit den Leistungen auch bergab. Die Katastrophe bleibt nicht aus: Mutter nimmt ihm den Fernseher weg. Was natürlich auch keine Lösung ist, denn Billy trotzt nur noch und taucht sogar bei Oma im Pflegeheim auf. Allerdings nur wegen des Fernsehers, den die alte Frau meist laufen lässt...

Das Kinderstück von Thomas Ahrens gewinnt mit der Musik von Christoph Eisenburger Tempo und Lebendigkeit, und das Mimen-Duo, das ständig in andere Rollen schlüpft, singt und tanzt, erhält vom jugendlichen Publikum gebannte Aufmerksamkeit.

Aber auch die Erwachsenen lassen sich faszinieren vom flotten Rollenwechsel und dem köstlichen Humor, den Regisseur Tom Hirtz so gelungen in Szene setzt. Ein Kittel, ein anderer Rock oder eine andere Bluse genügen schon, und schon steht da Sabina, die Nachbarstochter, oder ihre Eltern, die aus Bosnien stammen und ein Geschäft betreiben.

„Doof” findet Billy erst mal die flötespielende Sabina, doch der dort befindliche Fernseher reizt ihn natürlich. Als er dort wieder den wutschnaubenden Tyrannosaurus Rex gibt, macht er das Geburtstagsgeschenk für Frau Tesic kaputt, Sabinas Mutter. Ausgerechnet einen Staubsauger-Roboter, der ganz schön Geld kostet!

Jetzt beginnt Billys wunderbare Reise in die Wirklichkeit. Wobei das raffiniert einfache Bühnenbild von Frank Rommerskirchen zum Gelingen kräftig beiträgt.

Höhepunkte des Stücks sind immer wieder die mitreißenden Songs (Musik Christoph Eisenburger, Liedtexte Maren Dupont) und die gelungene Choreographie von Marga Render. Realitätsnah und ohne Anbiederung wird die bosnische Familie Tesic gezeigt, die mit ausländischem Akzent und großer Herzlichkeit für viele Probleme Billys eine einfache Lösung findet.

Selbst mit den Kindern spielen, über alles reden können und auch zuhören, das lernt Billys Mutter von diesen „Fremden”, die nicht lange fremd für sie und Billy bleiben.